08 02 18 Ansprache von Nuntius Périsset als Doyen des Diplomatischen Corps beim Empfang der Bundeskanzlerin

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ANSPRACHE DES APOSTOLISCHEN NUNTIUS ALS DOYEN DES DIPLOMATISCHEN CORPS,
ERZBISCHOF DR. JEAN-CLAUDE PERISSET,
BEIM EMPFANG DER BUNDESKANZLERIN, FRAU DR. ANGELA MERKEL
(Berlin, 18. Februar 2008)




Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin!

Die hier anwesenden Missionschefs der in der Bundesrepublik Deutschland akkreditierten diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen sind Ihnen für die Einladung zu diesem Empfang dankbar, weil wir uns nicht nur einzeln - als Vertreter unserer jeweiligen Regierung -, sondern auch alle zusammen - „in corpore“ - als Gesprächspartner der Bundesregierung verstehen.

Was kennzeichnet uns als Diplomatisches Corps in unserer Beziehung zur Bundesregierung? Uns alle verbindet der Dienst für die Bürger unserer Staaten, der Einsatz für das Wohl und den sozialen Frieden des je eigenen Volkes, das Bemühen um die Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen der Menschen. Wenn diese Ziele erreicht werden, ist das sicher Frucht der Arbeit der Regierungen, aber auch unseres Einsatzes, der sich in unserer Mitwirkung am Abschluss von Verträgen, Abkommen und Vereinbarungen zwischen Deutschland und unseren eigenen Staaten niederschlägt. In einem Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 1. Februar dieses Jahres über die zunehmende Verantwortung Ihrer Regierung in der heutigen Gesellschaft haben Sie gesagt: „Seit den 90er Jahren, als die Globalisierung sich voll entfaltet hat, ist der Wettbewerb nicht mehr vorrangig national und beugt sich nicht einfach den Regeln, die eine nationale Regierung festlegt. Wir müssen alles tun, dass auch in diesem veränderten Rahmen Deutschland Wohlstand und Wachstum sichern und erarbeiten kann.“

Nicht ohne Grund sagt man deshalb, dass die Politik und die Regierungstätigkeit die „Kunst des Möglichen“ sind, eben weil sie immer auch in Abhängigkeit von den Umständen der jeweiligen Zeit stehen.

Anders ist die Situation für uns Diplomaten, und das, obwohl unsere konkrete Tätigkeit im Dienst derselben menschlichen Gesellschaft steht. Die Diplomatie insgesamt ist unabhängig von den vielfältigen und wechselnden Lebensbedingungen. Das erleichtert es ihr, ihr eigenes Ziel so gut wie möglich zu erreichen, d. h. ein friedliches Zusammenleben und Solidarität zwischen den Staaten und Völkern, und hier konkret für uns hier Anwesende mit Deutschland. Mit Recht hat Papst Benedikt XVI. kürzlich die Diplomatie als „Trägerin der Hoffnung in der Welt“ gekennzeichnet. Zwar sind wir in unserem Dienst an der Gesellschaft sicher in einer günstigeren Situation als die Politiker, weil wir nicht wie sie an der Frontlinie der Tagespolitik tätig sind, doch sind wir nichtsdestoweniger zum Wohl der Gesellschaft nötig; denn der Schlusserfolg hängt auch von unserer Mitarbeit ab.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wir bedanken uns bei Ihnen und Ihrer Regierung für die vorzügliche Art und Weise, in der unsere Beziehungen durch die uns eingeräumten Arbeitsmöglichkeiten im täglichen Ablauf vorangehen. Vereinbarungen zwischen Deutschland und unseren Staaten brauchen öfters lange und sogar mühsame Verhandlungen. Das, was Sie wie auch wir immer wünschen, ist, dass das Ergebnis beide Seiten zufriedenstellt. In solchen Angelegenheiten ist eben die Diplomatie als „Trägerin der Hoffnung“ eine unerlässliche Triebkraft.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, gestatten Sie, dass ich zum Schluss auf dem Hintergrund des Gesagten dem Wunsch Ausdruck gebe: Möge uns allen die Freude geschenkt werden, dass wir am nächsten 31. Dezember sagen können: Wohlstand und Wachstum sind in unseren Nationen im Jahr 2008 kräftig entwickelt worden.