08 01 10 Ansprache von Nuntius Périsset als Doyen des Diplomatischen Corps beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten

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ANSPRACHE DES APOSTOLISCHEN NUNTIUS ALS  DOYEN DES DIPLOMATISCHEN CORPS,
ERZBISCHOF DR. JEAN-CLAUDE PÉRISSET,
BEIM NEUJAHRSEMPFANG DES BUNDESPRÄSIDENTEN
(Berlin, 10. Januar 2008)




Sehr geehrter Herr Bundespräsident!

Das Diplomatische Corps - heute tatsächlich „in corpore“ („leibhaftig“) in Schloss Bellevue anwesend - beehrt sich, Ihnen und durch Ihre Exzellenz dem Deutschen Bundestag, der Bundesregierung und dem deutschen Volk seine besten Wünsche für das gerade angefangene Jahr auszusprechen. Möge das Jahr 2008 dank des Einsatzes der Bürger und Behörden für das Wohl des Landes nicht nur erfolgreich werden, sondern auch allen Zufriedenheit und Freude bringen!

Das Diplomatische Corps, das hier versammelt ist, spiegelt auf seine Weise die weltweite Gemeinschaft der Völker wider, da mehr als drei Viertel aller Staaten diplomatische Beziehungen mit Deutschland unterhalten. So können wir als Botschafterinnen und Botschafter unserer Länder uns als Abbild der Versammlung der Vereinten Nationen verstehen. Obwohl einige der hier vertretenen Staaten keine diplomatischen Beziehungen miteinander unterhalten, fühlen wir uns als Diplomatisches Corps eins und einig in unseren Beziehungen zu Deutschland, zumal heute, da wir Ihnen, Herr Bundespräsident, unsere guten Wünsche überbringen. Und dafür, dass wir das tun dürfen, sind wir Ihnen sehr dankbar.

In Augenblicken wie diesen wird uns nachdrücklich bewusst, dass die Völker der Erde aufgerufen sind, „untereinander Beziehungen der Solidarität und der Zusammenarbeit zu schaffen, wie sie sich für Glieder der einen Menschheitsfamilie geziemen“, wie Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages am 1. Januar 2008 (Nr. 1) schreibt. Sicherlich gibt es in einer Familie gelegentlich Streitpunkte oder sogar Gegensätze. Aber wenn Kräfte von außen sie zu bedrohen beginnen, wird ihre Einheit sofort wiederhergestellt, weil jedes Mitglied sich mit für das Ganze verantwortlich weiß. So sollte es auch mit der Menschheitsfamilie sein, wenn es um Umwelt- und Klimaprobleme, Terrorismus, Inflation oder Turbulenzen in der Weltwirtschaft geht. Als Diplomaten hier in Berlin wissen wir den engagierten Einsatz Deutschlands in allen diesen Bereichen zu schätzen und werden uns auf unserer Ebene um die Solidarität und Zusammenarbeit unserer eigenen Staaten bemühen. Die Globalisierung der Gesellschaft, die Sie, Herr Bundespräsident, am 29. 12. in einem Interview zum Jahresschluss angesprochen haben, (vgl. FAZ vom 29. 12. 07, S. 3), fördert den persönlichen Einsatz der Bürger auf der Ebene der einzelnen Staaten wie sicher auch auf Weltebene.

Papst Benedikt lädt alle zu einer positiven Zusammenarbeit in solchen Fragen ein, wenn er in der genannten Weltfriedensbotschaft schreibt: „Grundlegend ist in diesem Zusammenhang, die Erde als ´unser gemeinsames Haus` zu `empfinden´ und für ihre Nutzung im Dienste aller eher den Weg des Dialogs zu wählen als den einseitiger Entscheidungen“ (Nr. 8). Eine solch weise Mahnung ist uns Diplomaten ein vortrefflicher Ansporn, uns immer mehr dem Dialog zwischen unseren Regierungen und den deutschen Regierungsstellen zu widmen - und das auf den verschiedenen Ebenen. Die Geschichte lehrt uns ja, dass alle Konflikte, alle Divergenzen - genauso wie in der Familie - letztendlich im Dialog gelöst werden können.

Herr Bundespräsident, unsere heutigen Wünsche für das neue Jahr sind mit dieser unserer Bereitschaft zum Dialog verbunden: Wir wollen beharrlich zum gegenseitigen Wohl unserer Länder und der ganzen Welt beitragen.

Ein frohes, erfolgreiches und gottgesegnetes neues Jahr!