Grußwort von Nuntius Eterovic zzum Notenwechsel zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Nordrhein-Westfalen

Düsseldorf, 9. Oktober 2018

Notenwechsels
zum Fortbestand der Katholisch-Theologischen Fakultät
der Ruhr-Universität Bochum

Verehrter Herr Ministerpräsident, 

Exzellenzen,

sehr geehrte Damen und Herren,

es ist für mich eine große Ehre, heute hier in Düsseldorf am 9. Oktober 2018, an der Zeremonie des Notenwechsels zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Nordrhein-Westfalen zur Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum teilzunehmen.

Ich grüße sehr herzlich den Ministerpräsidenten, Herrn Armin Laschet und danke ihm für die gute Zusammenarbeit zwischen der Katholischen Kirche und dem Land Nordrhein-Westfalen, besonders im Bereich von Bildung und Erziehung. Dies ist mit Blick auf die guten Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den Regierungen dieses Bundeslandes mittlerweile ein guter und bewährter Brauch. Einen besonderen Moment in dieser Zusammenarbeit war die Unterzeichnung des Abkommens zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Nordrhein-Westfalen am 26. März 1984 über die höhere Bildung, insbesondere die Lehre der Katholischen Theologie. Das ergibt sich aus Artikel 1, in dem beide Seiten übereinstimmend feststellen: „Pflege und Entwicklung der Katholischen Theologie durch Forschung, Lehre und Studium gehören zum Auftrag wissenschaftlicher Hochschulen des Landes.“ (AAS 77 (1985) 294-304)

Seither gab es nicht wenige Veränderungen, besonders in der Diözese Essen, die um eine genauere Beschreibung der Rolle der Katholisch-Theologischen Fakultät Bochum gebeten hat, weil die Priesterkandidaten von Essen derzeit dort nicht studieren. Im juristischen Zusammenhang der Vereinbarung zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Nordrhein-Westfalen ist man übereingekommen, dass „an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität in Bochum nicht notwendigerweise Geistliche ausgebildet werden“, wie den entsprechenden Verbalnoten zu entnehmen ist. Zudem wurde die Bedeutung der Theologie im universitären Fächerkanon unterstrichen: „um die Pflege und Entwicklung der Katholischen Theologie in Gemeinschaft mit anderen Wissenschaften zu fördern, und in Anerkennung des Beitrag, den das Philosophisch-Theologische Studium der heutigen Katholisch-Theologischen Fakultät an der Ruhr-Universität Bochum über Jahrzehnte im kirchlichen und kulturellen Bereich geleistet hat.“ Auf diese Weise wird das Studium der Katholischen Theologie noch mehr für Frauen und Männer aus Kirche und Gesellschaft geöffnet.

Ich möchte meinen Dank für die fruchtbare Zusammenarbeit bei der Suche nach einer für beide Seiten annehmbaren Lösung für die Theologische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum aussprechen. Dies verbinde ich mit dem Wunsch, dass für andere vergleichbare Fälle, wie wahrscheinlich in Zukunft etwa für das Erzbistum Köln, durch einen respektvollen, offenen und konstruktiven Dialog der Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen mit dem Heiligen Stuhl durch die Apostolische Nuntiatur in der Bundesrepublik Deutschland beziehungsweise durch die befugten Vertreter der Ortskirchen in Deutschland, ebenfalls gute Lösungen gefunden werden mögen.

In diesem Sinn danke ich von Herzen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Düsseldorfer Staatskanzlei und des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft sowie denen des Katholischen Büros in Düsseldorf unter der Leitung von Herrn Pfarrer Dr. Antonius Hamers für die qualifizierte Hilfe bei den Absprachen und für die hervorragende Zusammenarbeit.

Ich möchte meinen Gruß mit den Worten Papst Franziskus‘ aus seinem ersten Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium abschließen, das in gewisser Weise programmatisch für sein Pontifikat ist. Darin unterstreicht der Papst die Bedeutung ethischer und moralischer Werte, der Transzendenz, auch um angemessene Lösungen für die heutigen Probleme der Welt zu finden. „Ich bitte Gott, dass die Zahl der Politiker zunimmt, die fähig sind, in einen echten Dialog einzusteigen, der sich wirksam darauf ausrichtet, die tiefen Wurzeln und nicht den äußeren Anschein der Übel unserer Welt zu heilen! Die so in Misskredit gebrachte Politik ist eine sehr hohe Berufung, ist eine der wertvollsten Formen der Nächstenliebe, weil sie das Gemeinwohl anstrebt. Wir müssen uns davon überzeugen, dass die Liebe, das Prinzip nicht nur der Mikro-Beziehungen – in Freundschaft, Familie und kleinen Gruppen – [ist], sondern auch der Makro-Beziehungen – in gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen‘ (Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate 29. Juni 2009, 2). Ich bete zum Herrn, dass er uns mehr Politiker schenke, denen die Gesellschaft, das Volk, das Leben der Armen wirklich am Herzen liegt! Es ist unerlässlich, dass die Regierenden und die Finanzmacht den Blick erheben und ihre Perspektiven erweitern, dass sie dafür sorgen, dass es für alle Bürger eine würdevolle Arbeit sowie Zugang zum Bildungs- und zum Gesundheitswesen gibt. Und warum sollte man sich nicht an Gott wenden, damit er ihre Pläne inspiriert? Ich bin überzeugt, dass sich von einer Öffnung für die Transzendenz her eine neue politische und wirtschaftliche Mentalität bilden könnte, die helfen würde, die absolute Dichotomie zwischen Wirtschaft und Gemeinwohl zu überwinden“ (Evangelii Gaudium, 205). Eine theologische Fakultät müsste also zur Förderung dieser Sicht des Menschen und einer gerechteren, solidarischeren und geschwisterlicheren Gesellschaft beitragen.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Exzellenzen, meine Damen und Herren, liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst, haben Sie vielen Dank für Ihre Anwesenheit bei diesem feierlichen Akt und in besonderer Weise für Ihre geschätzte Mitarbeit. Möge sie die erhofften Früchte tragen. So rufe ich auf Sie und alle Bewohner des Landes Nordrhein-Westfalen die Fülle des Segens des Herrn herab.

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