Predigt von Nuntius Eterovic am 3. Adventssonntag

Apostolische Nuntiatur, 14. Dezember 2025

(Jes 35,1-6.8.10; Ps 146; Jak 5,7-10; Mt 11,2-10)

Gaudete

„Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11,3).

Liebe Schwestern und Brüder,

Der Advent ist eine Zeit des Wartens auf das Kommen des Messias, unseres Herrn Jesus Christus. In diesem Heiligen Jahr sind wir eingeladen, diese Periode mit Vertrauen und unter dem Leitwort des Jubiläums 2025 zu begehen: als Pilger der Hoffnung. Das Wort Gottes an diesem dritten Adventsonntag ermuntert uns darüber hinaus zur Freude, denn auch sie ist eine wesentliche Dimension des Advents. Dieser Sonntag ist daher mit dem lateinischen Wort gaudete überschrieben, was so viel bedeutet wie: freut euch! Der Titel ist dem Eingangsvers entnommen, wo es heißt: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe“ (Phil 4,4-5). Vereint mit dem heiligen Apostel Paulus verstehen auch wir, dass die Ermunterung zur Freude eng verbunden ist mit dem Kommen des Herren am Hohen Weihnachtsfest, das nahe ist. Nach menschlichen Maßstäben scheint es schwierig, die Menschen heute zur Freude zu ermuntern, denn unsere Welt ist gekennzeichnet von Krankheiten, Tod, Gewalt, Terrorismus und Kriegen. Mit großer Trauer verfolgen wir beispielsweise die tragischen Ereignisse in Ukraine, die uns aus einem Land erreichen, das seit fast vier Jahre unter den Folgen der Invasion der russischen Föderation zu leiden hat. Trotz dieser unmenschlichen Geschehnisse lädt uns das Wort Gottes zur Freude ein, denn der kommende Messias wird der Welt eine gute Nachricht bringen, nämlich „das Evangelium des Friedens“ (Eph 6,15) und der universalen Geschwisterschaft, die auf der Schöpfung des Menschen als Mann und Frau nach dem Bilde Gottes gründet (vgl. Gen 1,26-27). Somit hat die Menschheit einen Ausweg aus den Widersprüchen und dramatischen Bedingungen, in der sie sich befindet: alles hängt nur von der Weise ab, wie die Menschen, vor allem die Verantwortlichen der Völker und der Welt antworten werden auf die Frage des Täufers Johannes an den Herrn Jesus: „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11,3).

„Jubeln werden die Wüste und das trockene Land“ (Jes 35,1).

Während sich das Volk der Juden in der babylonischen Knechtschaft befindet, ruft der Prophet Jesaja seine Glieder zur Freude auf. Grund dafür war das Eingreifen von JHWH in die Geschichte: „Er selbst kommt und wird euch retten“ (Jes 35,4). Gott greift mittels seines Messias ein, der vom erwählten Volk so sehr erwartet wird. Wegen seines Kommens soll sich die ganze Erde freuen. Auch der Natur gilt dieser Ruf, einschließlich ihrer arg verödeten Zonen wie der Wüste, denn sie werden verwandelt werden: „Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie. Sie wird prächtig blühen und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken. Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Sie werden die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes“ (Jes 35,1-2). Besonders die niedergedrückten und vom Pessimismus beherrschten Menschen werden zur Freude ermuntert: „Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten“ (Jes 35,3-4).

Besonders wichtig ist die Erinnerung an folgende Prophetie, die von der Gegenwart des Messias inmitten seines Volkes gekennzeichnet ist und die in der Antwort Jesu an Johannes den Täufer erwähnt wird. Nach dem Propheten Jesaja wird zur Zeit des Messias geschehen: „Die Augen der Blinden werden aufgetan und die Ohren der Tauben werden geöffnet. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen frohlockt, denn in der Wüste sind Wasser hervorgebrochen und Flüsse in der Steppe“ (Jes 35,5-6). Der Abschnitt dieser Prophetie wird beschlossen mit der Einladung zur Freude aufgrund der Rückkehr der geheilten und wiederbelebten Juden aus der babylonischen Knechtschaft in ihre Heimat. Auf einer ebenen Straße, die heilige Straße genannt wird, „kehren die vom Herrn Befreiten zurück und kommen zum Zion mit Frohlocken. Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, Jubel und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen“ (Jes 35,10).

„Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11,3).

Auf Befehl des Tetrarchen Herodes (vgl. Mt 14,1-12) wurde Johannes der Täufer eingekerkert. Er hatte von Jesu Wirken gehört, das sich in weiten Teilen von dessen Vorhersage unterschied. Denn Johannes hatte prophezeit, der Messias werde ein wahrer Richter sein: „Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen“ (Mt 3,10). Der Messias würde mit Feuer das Böse ausrotten: „Schon hält er die Schaufel in der Hand; und er wird seine Tenne reinigen und den Weizen in seine Scheune sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen“ (Mt 3,12). Im Gegensatz zu dieser Ankündigung zeigt sich Jesus als guter und barmherziger Messias, der sich vor allem dadurch auszeichnet, die verlorenen Schafe des Hauses Israel zu suchen (vgl. Mt 18,12-14). Darum aß Jesus mit den Zöllnern und Sündern und sagte: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder“ (Mk 2,17).

Dieses Verhalten Jesu weckte Zweifel bei Johannes dem Täufer. Weil der ihn nicht persönlich treffen konnte, sandte er seine Jünger mit der Frage zu Jesus: „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11,3). Jesu antwortete sehr weise. Er wollte Johannes nicht mit unangemessenen Worten verletzen und fand eine Sprache, die der Vorläufer gut nachvollziehen konnte. Denn er sagte zu den Jüngern des Johannes: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet“ (Mt 11,4-5). Mit diesen Worten fasste er die Prophezeiungen des Jesaja zusammen (vgl. Jes 29,18f; 35,5f; 61,1), die Johannes gut kannte. Und er fügte hinzu: „Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt“ (Mt 11,6). Mit diesem Ausspruch bezieht sich Jesus auf Ärgernis der Menschwerdung, auf das Geheimnis des Kommens des ewigen Wortes im Fleische, der „Gott von Gott“ (Nicäno-Konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis), der für uns und zu unserem Heil Mensch geworden ist. Die Menschwerdung umfasst ebenso das Ärgernis des Kreuzes. Das Geheimnis der Inkarnation und auch die Art und Weise, wie Jesus handelt, waren auch für Johannes den Täufer schwer zu verstehen, auch wenn er der Größte „von einer Frau Geborenen“ genannt wird (Mt 11,11). Aus Glauben wissen wir aber, dass der Tod am Kreuz eine vorübergehende Niederlage war und dass der Herr Jesus von den Toten auferstanden und zum Himmel aufgefahren ist, wo er zur Rechten des Vaters sitzt. Der verherrlichte Herr wird wiederkommen, um die Lebenden und die Toten zu richten. Dies geschieht in Barmherzigkeit, aber auch in Gerechtigkeit. Er wird sein ewiges Reich errichten, das allen seinen Jüngern offensteht, vor allem den Blutzeugen, die aus Hass auf den Glauben umgebracht worden sind, weil sie an Jesus, den Menschen und Gott, geglaubt haben. Aber es treten auch die vielen von den Mächtigen dieser Welt Abgelehnten ein, jene Armen, denen der Herr die gute Nachricht verkündet hat (vgl. Mt 11,5). Die gute Nachricht bedeutet auch die frohe Botschaft, das Evangelium. Die Armen haben Grund zur Freude, denn sie sind die ersten Adressaten dieser frohen Kunde. Sie sind auch die freiesten von den irdischen Gütern und somit sehr offen für den Glauben und die geistlichen Güter. Auf diese Weise durchdringt die Freude aufs Neue die christliche Vision von der Welt, auch der verwüsteten und ängstlichen Welt, die voller Hass und Tod ist. Diese Freude gründet sich auf Jesus Christus und auf sein Kreuz, das vom Zeichen der Niederlage zum Symbol des Sieges, der Auferstehung und des ewigen Lebens geworden ist. Das ist den Christen bekannt, den Jüngern Jesu Christi. Aus diesem Grund „ist der Kleinste im Himmelreich größer als er (Johannes)“ (Mt 11,11).

Vertrauen wir diese Überlegungen der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter Jesu und unsere Mutter, damit sie uns allen und der Kirche in diesem Leben „im Tal der Tränen“ die Gabe der christlichen Freude erflehe, die ihr Fundament im Glauben an Jesus Christus hat, der gekommen ist, um zu retten und uns die Wahrheit über Gott und den Menschen zu offenbaren. Amen.

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