Predigt von Nuntius Eterovic am Fest der Taufe des Herrn

Apostolische Nuntiatur, 11. Januar 2026

(Jes 42,1-4.6-7; Ps 29; Apg 10,34-38; Mt 3,13-17)

„Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17).

Liebe Brüder und Schwestern!

Das heutige Fest der Taufe des Herrn Jesus beschließt die Weihnachtszeit und markiert den Beginn der liturgischen Zeit im Jahreskreis. Die Taufe ist somit wie der Übergang aus einer Festzeit, in der wir über die Geburt Jesu und seine Kindheit in der Familie von Nazareth nachgedacht haben. Mit dem Fest der Taufe beginnt das öffentliche Wirken des Herrn. Er offenbarte sich Johannes dem Täufer und seinen Jüngern sowie allen, die sich im Jordan vom Vorläufer des Messias taufen ließen. Der Evangelist Matthäus beschreibt dieses wichtige Ereignis in wenigen Worten.

Kontinuität mit dem Alten Testament

Johannes der Täufer stellt den letzten Propheten des Alten Bundes dar. Vom Heiligen Geist geleitet, erhielt er den Auftrag, durch die Taufe zur Bekehrung das Kommen des Messias vorzubereiten: „Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (Mt 3,11). Johannes der Täufer war sich daher der einzigartigen Mission des Herrn Jesus bewusst und hatte Zweifel, ob er einem Mächtigeren die Taufe spenden sollte. Dies geht aus seinen Worten hervor: „Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?“ (Mt 3,14).

Durchsetzung im Neuen Testament

In seiner Demut akzeptierte Johannes jedoch Jesu Christi Erklärung: „Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen“ (Mt 3,15). Jesus überwindet die Demut des Täufers und besteht darauf, sich taufen zu lassen, wie die anderen Männer im Jordan. So will er „alle Gerechtigkeit“ erfüllen. Der Herr Jesus bezieht sich auf Gott den Vater, der gerecht ist, und daher ist Gerechtigkeit mit Gott verbunden: Jesus will den Willen Gottes des Vaters erfüllen, wie Paulus schreibt: Gott wirkt „in der gegenwärtigen Zeit, um zu zeigen: Er selbst ist gerecht und macht den gerecht, der aus Glauben an Jesus lebt“ (Röm 3,26). Von großer Liebe erfüllt, will Jesus der Menschheit helfen. Er, der gerecht und sündenlos war (vgl. Hebr 4,15), mischte sich unter die Sünder, unter einfache Leute, um die Taufe des Johannes zu empfangen und so Gottes Willen zu erfüllen, der die Rechtfertigung und die Rettung aller Menschen ist (vgl. 1 Tim 2,4). Obwohl er selbst keine Sünde begangen hatte, nahm Jesus die Sünden der Welt auf sich, um allen die Möglichkeit der Erlösung, der Vergebung und der Befreiung zu schenken.

Einsetzung des Sakraments der Taufe

Höhepunkt der Taufe Jesu ist die Theophanie, die Offenbarung Gottes des Vaters in der Gnade des Heiligen Geistes: „Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und siehe, da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen“ (Mt 3,16). Zum ersten Mal im Matthäusevangelium wird uns das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit offenbart. Jesus wurde getauft und empfing die Bestätigung des Heiligen Geistes und seines Vaters, der sprach: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17).

Indem der Herr Jesus in den Jordan hinabstieg, um sich taufen zu lassen, setzte er das Sakrament der Taufe ein. Die Prophezeiung Johannes des Täufers über den Messias, der mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen würde, erfüllte sich. Die Kirche, die der von ihrem Herrn und Erlöser empfangenen Tradition treu ist, bewahrt diesen Schatz, indem sie das Sakrament der Taufe im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit spendet. In der Kirche der lateinischen Tradition wird die Taufe üblicherweise durch Übergießen mit Wasser und dem Sprechen der Sakramentsformel vollzogen: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Die Bedeutung der Taufe

Die Taufe ist das erste Sakrament und somit die Grundlage der sechs anderen Sakramente. Sie besiegelt unser christliches Leben. Daher soll jeder Getaufte dies in seinem persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Leben zum Ausdruck bringen. Der Heilige Vater Leo XIV. betonte: „Die Taufe führt zur Gemeinschaft mit Christus und schenkt das Leben. Sie verpflichtet uns, einer in unserer Gesellschaft weit verbreiteten Kultur des Todes zu wider- sagen. Diese Kultur des Todes kommt heute zum Ausdruck in der Gleichgültigkeit, in der Verachtung der anderen, in Drogen, in der Suche nach einem leichten Leben, in einer Sexualität, die Vergnügen und Objektifizierung der menschlichen Person wird, in der Ungerechtigkeit und so weiter.“ (Ansprache an Katechumenen und Neugetaufte aus Frankreich, 29. Juli 2025). Der Bischof von Rom erklärte anschließend die Bedeutung einer brennenden Kerze, die an der Osterkerze entzündet wurde, und an die Familie des Neugetauften übergeben wird. Sie erinnert uns daran, dass wir Zeugen Christi, des Lichts der Welt, sein müssen. „Es ist das Licht des gestorbenen und auferstandenen Christus, und wir verpflichten uns, es erstrahlen zu lassen, indem wir es durch das Hören des Wortes Gottes und die häufige Kommunion mit Jesus in der Eucharistie immer mehr entfachen“ (A.a.O., ebd.).

Der Papst betonte anschließend den Wert des christlichen Zeugnisses: „In der Nachfolge des Herrn seid auch ihr Salz der Erde und Licht der Welt (vgl. Mt 5,13-14). Die Kirche braucht euer schönes Glaubenszeugnis, um noch mehr zu wachsen und allen Notleidenden nahe zu sein“ (A.a.O., ebd.). Der Heilige Vater rief die Christen dazu auf, ihre Glaubenserfahrung mit anderen zu teilen und als missionarische Jünger Zeugen der Liebe Christi zu werden. Anschließend sagte er: „Beschränkt euch nicht auf eine bloß theoretische Kenntnis, sondern lebt euren Glauben konkret, indem ihr die Liebe Gottes in eurem Alltag erfahrt. Der Weg des Glaubens kann weit und manchmal schwierig sein, aber werdet nicht mutlos, denn Gott ist immer gegenwärtig, um euch zu stützen“ (A.a.O., ebd.).

Liebe Schwestern und Brüder, danken wir dem dreieinigen Gott von Herzen für das große Geschenk der Taufe, das wir zu Beginn unseres Glaubenslebens empfangen haben. Das heutige Fest soll uns helfen, die Taufe in ihrer trinitarischen und kirchlichen Dimension neu zu entdecken. Es soll uns zudem ermutigen, ihre Wirklichkeit beständig zu leben und Zeugen des Herrn Jesus an den Orten zu werden, an denen wir leben und arbeiten. Durch die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, der Mutter der Kirche, erbitten wir diese Gnade. Dies wird Gott, dem allmächtigen Vater, gefallen, der auch heute durch seine Kirche und in der Gnade des Heiligen Geistes bezeugt: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17). Amen.

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