08 02 11 Grußwort von Nuntius Périsset auf der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg-Himmelspforten

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GRUSSWORT DES APOSTOLISCHEN NUNTIUS,
ERZBISCHOF DR. JEAN-CLAUDE PÉRISSET,
AUF DER FRÜHJAHRS-VOLLVERSAMMLUNG DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ
(Würzburg-Himmelspforten, 11. Februar 2008)



Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Herren Kardinäle und Bischöfe!

Es ist heute das erste Mal, dass ich als Apostolischer Nuntius in Deutschland an einer Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz teilnehme. Das ist mir Anlass, dem Herrn Vorsitzenden für die Einladung herzlich zu danken und Ihnen allen meinen brüderlichen Gruß zu entbieten. Die Frühjahrs-Vollversammlung findet dieses Mal in Würzburg statt, weil Sie auf die erste Bischofsversammlung dieser Art vor 160 Jahren zurückblicken, die vom 22. Oktober bis zum 16. November 1858 ebenfalls in Würzburg - damals allerdings im Priesterseminar - stattfand. Man sollte vielleicht nicht unerwähnt lassen, dass es damals eine Konferenz nicht nur von Bischöfen war, dass auch Priester und Laien an ihr teilnahmen. Die kirchliche Kollegialität war tief von der „communio“ mit den Ortskirchen geprägt. Es ist für mich eine Gnade, mit Ihnen auf dieser Versammlung auf die geschichtlichen Wurzeln der DBK zurückzuschauen, um mit Ihnen eine solche Kollegialität weiter zu verwirklichen.

Wie ich schon mehrfach seit meiner Ankunft in Berlin Ende November gesagt habe, bin ich in Ihrer Mitte als Mitbruder im Episkopat, der mit Ihnen die „Sorge für alle Gemeinden“ (2 Kor 11, 28) - besonders hier in Deutschland - trägt.

Als ich vor etwas mehr als elf Jahren von Papst Johannes Paul II. zum Bischof ernannt wurde - für das Amt eines beigeordneten Sekretärs des Rates für die Förderung der Einheit der Christen -, hat ein Mitbruder im Episkopat sein Glückwunschschreiben mit den Worten eingeleitet: „Willkommen im Bischofskollegium!“ Welch ein Trost, dass ich so herzlich als Mitglied des Kollegiums der Bischöfe als Mitbruder empfangen wurde - aber auch: was für eine Verantwortung, weil eben das Bischofskollegium in der Nachfolge des Apostelkollegiums steht und zusammen mit seinem Haupt, dem Papst, Träger der höchsten und vollen Gewalt im Hinblick auf die Gesamtkirche ist (vgl. can.336 CIC). So wünsche ich mir, dass mein Amt für die Kirche Christi in Deutschland darin besteht, dass ich bei Ihnen ein Mitarbeiter - oder besser gesagt: ein Mitbruder - im Weinberg des Herrn bin.

Diese Ihre Frühjahrs-Vollversammlung hat eine umfangreiche Tagesordnung, die das ganze Spektrum der Sendung der Kirche umfasst: von der Familie bis zu den modernen Medien, von Leitlinien für multireligiöse Feiern von Christen, Juden und Muslimen bis zum Paulusjahr 2008/2009, von innerkirchlichen Angelegenheiten wie einem neuen Liturgiebuch zur Feier der Kindertaufe bis zu eher äußeren Kontakten der Kirche mit der heutigen Welt wie der Bewertung des EU-Vertrages von Lissabon aus kirchlicher Sicht.

Ein solch buntes Spektrum bedeutet nicht, dass sich die Bischöfe von ihrem Dienst für die Kirche entfernen. Im Gegenteil: wie das Licht die Farben des Regenbogens in sich vereinigt, so betrachtet Ihre Versammlung - eins in der brüderlichen Verantwortung gegenüber Gott und der Welt - die ganze Tagesordnung unter dem Licht der „communio“.

Das gilt auch für die Wahl eines neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und anderer Leitungsämter. Im Licht der „communio“, die eben von brüderlichem affectus und effectus“ gekennzeichnet ist, werden Sie sich selber, Ihren Ortskirchen und der deutschen Gesellschaft ein Zeugnis von den christlichen Werten geben. Das Vorbild bleibt auch für Ihre Versammlung die Urgemeinde in Jerusalem, die „ein Herz und eine Seele“ (Apg 4, 32) war.

Ich wünsche mir, dass auch ich in der Erfüllung meines Amtes als Nuntius in Deutschland mit Ihnen „ein Herz und eine Seele“ bin.

Schließlich möchte ich Ihnen, lieber Herr Kardinal Lehmann, als Apostolischer Nuntius schon jetzt für Ihre langjährige Tätigkeit als Versitzender der Deutschen Bischofskonferenz herzlich danken. Mehr als zwei Jahrzehnte haben Sie in dieser Funktion das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland gegenüber der Öffentlichkeit wesentlich mitgeprägt und sich nicht geschont in Ihrem Einsatz für das Reich Gottes in einer sich wandelnden Zeit.

Ein herzliches „Vergelt´s Gott!“ und die besten Wünsche für Ihre Gesundheit begleiten Sie.