08 03 02 Grußwort von Nuntius Périsset bei der Amtseinführung von S.E. Dr. Karl-Heinz Wiesemann als Bischof von Speyer

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GRUSSWORT DES APOSTOLISCHEN NUNTIUS,
ERZBISCHOF DR. JEAN-CLAUDE PERISSET,
BEI DER AMTSEINFÜHRUNG VON S. E. DR. KARL-HEINZ WIESEMANN ALS BISCHOF VON SPEYER (Speyer, 2. März 2008)




Lieber Mitbruder Karl-Heinz, Schwestern und Brüder im Herrn!

„Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen“ (Ps 118, 24). Denn heute wird das altehrwürdige Bistum Speyer Ihnen als seinem neuen Oberhirten anvertraut - in der Nachfolge des unvergessenen Bischofs Dr. Schlembach, der das Bistum mehr als 23 Jahre geleitet hat.

Liebe Schwestern und Brüder, die Überreichung der Bulle, mit der Papst Benedikt XVI. Weihbischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zum Bischof von Speyer ernannt hat, ist mir als dem Vertreter des Heiligen Vaters in diesem Land Anlass, drei Elemente, die für den Begriff der Ortskirche wesentlich sind, kurz anzusprechen.

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt in dem Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche: „Die Diözese ist Teil des Gottesvolkes, das dem Bischof in Zusammenarbeit mit dem Presbyterium zu weiden anvertraut wird. Indem sie ihrem Hirten anhängt und von ihm durch das Evangelium und die Eucharistie im Heiligen Geist zusammengeführt wird, bildet sie eine Teilkirche, in der die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche wahrhaft wirkt und gegenwärtig ist“ (Christus Dominus 11, 1).

In Anwendung dieser Aussage des Konzils auf die Ortskirche von Speyer wage ich zu sagen, dass Sie alle - Laien, Ordensleute und Priester - die ersten Empfänger und Nutznießer dieser päpstlichen Bulle sind. Dadurch, dass diese Urkunde dem Domkapitel gezeigt wird, wird Ihnen der neue Oberhirte präsentiert, so dass die Leitung der Diözese Speyer nun wieder fest besetzt ist. Damit Sie Ihrer Verantwortung, Ihrem Auftrag für die Kirche in den bistumszugehörigen Teilen von Rheinland-Pfalz und im Saarland in Treue zu Christus gerecht werden können, ist es notwendig, dass alle zusammen mit ihren Priestern und Diakonen in Abwandlung eines Wortes des heiligen Ignatius von Antiochien „dem Bischof wie die Saiten mit der Zither verbunden“ (Brief an die Epheser 4, 1) sind. Ausdrücklich sprach Ignatius an dieser Stelle vom Presbyterium; wenn er in unserer Zeit gelebt hätte, hätte er vielleicht hier die Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten hinzugefügt.

Die Einheit der Ortskirche unter ihrem Bischof ist das erste, aber die Ortskirche ist nicht auf sich allein gestellt. Die Verbundenheit mit den anderen Ortskirchen ist ein Zweites. Denn damit in ihr „die Kirche Christi wahrhaft wirkt und gegenwärtig ist“, muss sie in ihren Beziehungen zu allen anderen Ortskirchen atmen. Zeichen dieser universalen Einheit im Glauben, in der Hoffnung und in brüderlicher Liebe ist hier die Anwesenheit so vieler Bischöfe. Alle Bischöfe werden im Friedensgruß dem neuen Oberhirten der Diözese Speyer den Beweis solcher Einheit im Bischofskollegium geben und zugleich dokumentieren, dass er in der apostolischen Sukzession steht.

Schließlich finden die innere Einheit der Ortskirche und ihre äußere Verbundenheit mit allen Ortskirchen der Welt in der Verbindung aller mit dem Oberhirten der Universalkirche, dem Papst, ihre höchste Vervollkommnung, weil „der Bischof von Rom als Nachfolger des Petrus das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit von Bischöfen und Gläubigen ist“ (Lumen gentium 23, 1). Wenn wir deshalb im Glaubensbekenntnis „die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“ bekennen, verpflichten wir uns - jeder entsprechend seiner Verantwortung - die innere, die äußere und universale Einheit der Kirche Christi zu verwirklichen.

Bei aller Freude über die Neubesetzung möchte ich es nicht versäumen, auf das vergangene Jahr der Sedisvakanz zurückzuschauen und Herrn Weihbischof Georgens für seinen Dienst als Diözesanadministrator herzlich zu danken. Er hat sich in der Übergangszeit mit Umsicht dafür eingesetzt, dass das kirchliche Leben in einem guten Sinn seinen Weg nehmen konnte. Ein herzliches „Vergelt's Gott“.

Freue dich, du Kirche von Speyer, heute deinen Oberhirten als sichtbares Prinzip und Fundament deiner eigenen Einheit und deiner Einheit in der Universalkirche (vgl. Lumen gentium 23, 1) zu empfangen. Denn heute „ist der Tag, den Gott gemacht hat“ (Ps 118, 24).