07 11 25 Grußwort von Nuntius Périsset bei seiner offiziellen Begrüßung durch Kardinal Sterzinsky in der St. Hediwgs-Kathedrale, Berlin

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDF | Drucken | E-Mail




GRUSSWORT DES APOSTOLISCHEN NUNTIUS IN DEUTSCHLAND,
ERZBISCHOF DR. JEAN-CLAUDE PÉRISSET,
ANLÄSSLICH SEINER OFFIZIELLEN BEGRÜSSUNG
DURCH ERZBISCHOF GEORG KARDINAL STERZINSKY
IN DER ST. HEDWIGS-KATHEDRALE
(Berlin, 25. November 2007)




Eminenz, Hochwürdigster Herr Kardinal,
Exzellenz, Hochwürdigster Herr Weihbischof,
sehr geehrte Mitglieder des Metropolitankapitels,
liebe Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt,
liebe Ordensschwestern, Schwestern und Brüder im Herrn!

Ich verstehe es als Ausdruck besonderer Verbundenheit des Erzbistums Berlin und seiner Repräsentanten mit dem Heiligen Vater, dass ich am ersten Sonntag nach meiner Ankunft in Deutschland eingeladen bin, mich in diesem festlichen Gottesdienst des Christkönigsfestes hier in der St. Hedwigs-Kathedrale mit einem Grußwort an Sie zu wenden und mich als neuen Apostolischen Nuntius in Deutschland vorzustellen. Dafür sage ich Ihnen, Herr Kardinal, und dem Metropolitankapitel herzlich Dank.

Ihnen allen, die Sie an dieser Eucharistiefeier teilgenommen haben, gilt mein herzlicher Gruß. Als der Vertreter unseres Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI. möchte ich Ihnen seine Nähe bekunden. In seiner erst kurzen Amtszeit hat er schon zweimal Deutschland besucht, wenn er auch umständebedingt - er war zum XX. Weltjugendtag in Köln und zu Besuch in seiner bayerischen Heimat - noch nicht in Berlin war.

Als Apostolischer Nuntius in Deutschland weiß ich mich in der Kontinuität mit meinen Vorgängern: mit denen, die seit 1920 in Berlin und Bonn dieses Amt innegehabt haben, und insbesondere mit denen, die seit 2001 in Berlin gewirkt und der Apostolischen Nuntiatur in ihrer je eigenen Weise ein Gesicht gegeben haben. Sie ist im Bewusstsein der Menschen inzwischen ein selbstverständlicher Bestandteil des Katholischen in Berlin geworden. Möge das auch in Zukunft so bleiben!

Dass ich mich zuerst in Berlin vorstelle, ist natürlich - wenn man von der freundliche Einladung einmal absieht - dem Umstand geschuldet, dass die Bundesregierung hier ihren Sitz hat. Aber daneben ist unübersehbar, dass die Stadt mit ihren Menschen eine große Anziehungskraft ausübt und einen besonderen Ruf genießt. Dabei spielen die durch die Wiedervereinigung grundlegend veränderte politische Situation und die neuen Rahmenbedingungen für das Leben der Menschen eine wesentliche Rolle. Doch sind die Menschen, die hier leben, weitgehend noch dieselben, die mit ihrem ungebrochenen Überlebenswillen dem SED-Regime getrotzt haben. Ihnen und allen, die inzwischen hinzugekommen sind, möchte ich für meine Person sagen: „Auch ich fühle mich als Berliner.“ Und da ich jetzt in Berlin lebe, werde ich immer mehr ein Berliner werden. Den Berlinern - Menschen, die allen Schwierigkeiten und Mängeln zum Trotz, mit denen sie leben müssen, nicht aufgeben, sondern mit Zuversicht nach vorne schauen - diesen Berlinern gilt meine Sympathie, mein Mitgefühl: Ihr Leben möchte ich teilen.

Aus einer Predigt, die der große Theologe und Bischof Augustinus von Hippo - er starb im Jahre 390 - am Jahrestag seiner Bischofsweihe hielt, stammt der bekannte Satz: „Wo mich erschreckt, was ich für euch bin, da tröstet mich, was ich mit euch bin. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Jenes bezeichnet das Amt, dieses die Gnade“ (Sermo 340,1), ein Satz, der von der Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils Lumen gentium (Nr. 32) in ihrer Darlegung über die Laien in der Kirche aufgegriffen wird. Ich möchte diesen Gedanken weiterführen und in Anwendung auf meine Situation den Bischöfen sagen: Für Euch bin ich Nuntius, zugleich bin ich Bischof unter Bischöfen. Und ebenso gilt: Ich bin Priester unter den Priestern und Glaubender unter den Glaubenden. Und das bedeutet: Wir alle sind als Glaubende in der Schuld der Liebe Gottes. Welche Aufgaben auch immer wir in der Kirche zu erfüllen haben, immer ist es der Herr, in dessen Dienst wir stehen und der uns immer neu zu Werkzeugen seiner Liebe machen möchte. Da wir dabei in Gott den Maßstab für unser Denken und Tun haben, schulden wir dem anderen in der Erfüllung unseres Auftrags Ehrfurcht und Geduld, zugleich aber gilt, dass wir in allem auch der Wahrheit verpflichtet sind.

Dass es dabei nicht selten zu schmerzlichen Spannungen kommt, liegt auf der Hand. Doch wo diese von den beteiligten Seiten ausgehalten werden, ohne dass versucht wird, Druck auszuüben, wird oft schon das Fundament dafür gelegt, dass man sich auch in der Sache näher kommt. Das gilt bei innerkirchlichen Spannungen und auch für den Bereich der Ökumene.

Zu den zentralen Aufgaben des Dienstes eines Apostolischen Nuntius zählt es, die Bande zwischen dem Heiligen Stuhl und den Teilkirchen zu stärken und den Bischöfen - natürlich unter Wahrung ihrer Zuständigkeit - mit Rat und Tat zu Seite zu stehen. Ich bin mir bewusst, dass die Erfüllung dieser Aufgaben, soll sie dem Willen Gottes gemäß sein, des Lichtes und der Kraft des Heiligen Geistes bedarf. Ich bin aber auch gewiss, dass er mich leiten wird, wenn Sie, die Gläubigen, meinen Dienst mit Ihrem Gebet begleiten. So kann und wird unser aller Einsatz mit dazu beitragen, dass die Herrschaft Christi, des Königs, immer mehr Wirklichkeit wird.

Ich danke Ihnen.