16 06 04 Grußwort von Nuntius Eterovic beim Festakt zum 800jährigen Bestehen des Dominikanerordens in Köln

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Grußwort des Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović
beim Festakt zum 
800jährigen Bestehen des Dominikanerordens
 
Köln, Maternushaus, 4. Juni 2016
 

 
„Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht“ (Joh 3,21)
 
Eminenz, Exzellenzen, 
verehrte Patres Provincialis, 
liebe dominikanische Familie, 
meine sehr geehrten Damen und Herren, 
 
die Feier des 800jährigen Bestehens des Ordo praedicatorum, des Predigerordens erinnert nicht nur den Orden insgesamt an die Gründung des Heiligen Dominikus, sondern auch die deutsche Provinz, die seit 1221 in Köln ihren Sitz hat und eine wechselvolle Geschichte vorweist. Das Licht- und Schattenspiel der Geschichte hängt eng damit zusammen, wie sehr es gelingt, in der Kraft des Heiligen Geistes „die Wahrheit zu tun“. Für den Heiligen Dominikus war dies der innere Antrieb, alles zu unternehmen, was dem Menschen zum Heil dient, weswegen er die Verkündigung des Evangeliums glaubwürdig mit der apostolischen Armut verbunden hat, wie es der Sendung der Jünger durch den Herrn Jesus entspricht (vgl. Mk 6,7-10 par.). So wird die Mission der Dominikaner zum Zeugnis für Jesus Christus, der selber „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist (Joh 14,6). Dominikus, der gehorsame Jünger Jesu, liebte die Heilige Schrift und kannte sie bestens, vor allem das Matthäusevangelium und die Paulusbriefe. Daher kannte er den Herrn Jesus Christus, denn „alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen“, weil „Gott mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen wollte, um durch ihn alles zu versöhnen“ (Kol 1,16.19). Dieses Werk der Versöhnung haben die Dominikaner seit ihrer Gründung verkündet und es den Menschen nahe gebracht „in seiner ganzen Fülle“, nicht nur teilweise oder verkürzt, nicht beliebig oder halb, sondern „in Tat und Wahrheit“ (1 Joh 3,18). Zum Jubiläum des Dominikanerordens möchte ich ein Wort des Heiligen Vaters Franziskus ins Bewusstsein rufen, das er mit Blick auf die Ordensgründer sagt und welches in besonderer Weise den Heiligen Dominikus kennzeichnet: „Die Phantasie der Liebe kannte keine Grenzen und hat unzählige Wege zu öffnen verstanden, um den Atem des Evangeliums in die Kulturen und in die unterschiedlichsten sozialen Bereiche zu tragen“ (Apostolisches Schreiben zum Jahr des geweihten Lebens, 2). Die Wege ins das Leben des Glaubens und in das der Vernunft sind vielfältig. Hier in Köln leuchten noch immer die Fackeln hoher Einsicht eines Heiligen Albertus Magnus oder des Heiligen Thomas von Aquin oder eines Meister Eckhart. Aus dem Glauben heraus suchten sie die Wahrheit und waren imstande, das Eigene und die Freiheit der Vernunft nicht nur zu achten, sondern durch eigenes Forschen und Tun zum Licht der Wahrheit zu bringen.
 
Als Vertreter von Papst Franziskus, des Bischofs von Rom und Hirten der Universalkirche, in der Bundesrepublik Deutschland überbringe ich der Dominikanerprovinz Teutonia und der Süddeutsch-Österreichischen Dominikanerprovinz vom Hl. Albert seine herzlichen Grüße und Segenswünsche. Mit Blick auf den Heiligen Dominikus gilt, was der Heilige Vater sagt: „Eine heilige Unruhe für den Herrn im Herzen, den brennenden Wunsch, ihn zu den anderen zu bringen“ erfüllte ihn. „Auch wir sind heute gerufen, prophetische und mutige Entscheidungen zu treffen“, (Homilie, 02.02.2016) damit andere vom „Licht der Welt“ (Joh 8,12) angezogen werden, das alle Dunkelheit zu erleuchten vermag. Es geht wie zu Zeiten des Heiligen Dominikus immer um den ganzen Christus, der den Menschen zu verkünden ist. Gerade in Deutschland gibt es wieder viele, die ihn nicht kennen oder kennen wollen. Unser Verlangen muss das eines Apostels Andreas sein, der den Messias gefunden hat und es seinem Bruder Simon erzählte. „Und er führte ihn zu Jesus“ (Joh 1,42). Lassen wir uns vom Heiligen Geist führen!  Er ist es, der uns zu einer erneuerten Dynamik führt. Vor allem auch des dominikanischen Auftrags, der in der Verkündigung des Wortes Gottes besteht, auch über die modernen Kommunikationsmittel, und die begleitet wird vom Beispiel eines heiligmäßigen Lebens, das sich traditionell in den drei Evangelischen Räten des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit ausdrückt.
 
Die selige Jungfrau Maria, die vom Heiligen Dominikus sehr geliebt wurde, was das Gebet des Rosenkranzes zeigt, bitte für Euch alle und erflehe von Gott, dem Vater durch seinen Sohn Jesus Christus die Fülle des Heiligen Geistes für einen neuen kirchlichen Frühling des verdienstvollen Ordens der Dominikaner (des Predigerordens) in Deutschland und auf der ganzen Welt.