16 07 11 Grußwort von Nuntius Eterovic beim Empfang der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel für das Diplomatisch Corps im Schloss Meseberg

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Grußwort
des Apostolischer Nuntius und Doyen des Diplomatischen Korps
Erzbischof Nikola Eterović
beim Empfang der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
für das Diplomatische Corps 

Schloss Meseberg, 11. Juli 2016
 

 
Exzellenz!
Verehrte Frau Bundeskanzlerin!
 
Es ist mir eine Ehre, Ihnen, Exzellenz, die herzlichen Grüße im Namen der Mitglieder des Diplomatischen Corps in der Bundesrepublik Deutschland zu übermitteln. Ich tue dies besonders für die 43 Botschafter, die zum ersten Mal an diesem jährlich stattfindenden Treffen teilnehmen, das zur Tradition geworden ist. Haben Sie Dank für die freundliche Einladung zu diesem Sommerempfang im schönen Schloss Meseberg. Es drängt mich, Ihnen für die interessanten Informationen über die Tätigkeit der Regierung zu danken, der sie glücklich vorstehen und die auf nationaler, europäischer und weltweiter Ebene als erfolgreich charakterisiert werden kann.
 
Hinsichtlich der Situation in der Bundesrepublik Deutschland, dem Land, wo wir unsere diplomatische Mission erfüllen, ist die Stabilität der Regierung der sogenannten großen Koalition hervorzuheben. Diese Stabilität, die nicht ausschließt, dass es unterschiedliche Standpunkte und Zeiten der Diskussion gibt, hat gute Früchte für Deutschland gebracht. Das belegen unter anderem die statistischen Daten: im ersten Quartal des Jahres 2016 ist das Bruttoinlandsprodukt um 0,7% im Vergleich zum vierten Quartal des Jahres 2015 gewachsen. Die Arbeitslosigkeit ist auf unter 6% gesunken, und jene der jungen Menschen unter 20 Jahren auf 3,5%. Die deutsche Beständigkeit hat auch sehr wichtige Aspekte für die Stabilität Europas in diesem besonderen Moment der Suche nach einer neuen Vision, eines Ideals und einer erneuerten Dynamik vor allem in Folge des vor kurzem erfolgten Referendums in Großbritannien. Alle Länder der Europäischen Union sind aufgerufen, das Modell der europäischen Einigung und über den Weg vertieft zu reflektieren, den die Mitgliedsstaaten verfolgen, um das Ziel eines stabileren und stärkeren Europa zu erreichen, das dann auch wichtiger im Kontext der Nationen ist. Dafür ist mehr erforderlich als ein freier Markt und der wachsende Wohlstand der Bevölkerung. Es braucht auch die Suche nach einem Europa des Geistes, eines gemeinsamen kulturellen und geistlichen Nenners, welcher das Fundament jeden materiellen, ökonomischen und sozialen Fortschritts ist. Ohne ein Minimum an gemeinsamer europäischer Identität kann sich unser Kontinent nicht wirksam gegen die Fliehkräfte wehren, die man in einigen Ländern wahrnehmen kann und noch unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
 
Auch auf internationalem Gebiet spielt Deutschland eine relevante Rolle. Als Land, das in diesem Jahr den Vorsitz bei der OSZE innehat, gibt es dieser Institution in der veränderten Situation der Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und in der Welt eine neue Dynamik. Und dies bei der Suche nach präventiven Maßnahmen bei möglichen Spannungen und der Vermeidung von Krisen oder bei der Suche nach Lösungen vorhandener Konflikte wie in der Ukraine, in Georgien und in Nagorny-Karabach. Diese neue Dynamik der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa nehmen auch wir Diplomaten bei zahlreichen Begegnungen auf unterschiedlichen Ebenen wahr, die es in Berlin und anderen deutschen Städten gibt. An diesen Begegnungen nehmen auch die Länder aktiv teil, die vor 25 Jahren nach dem Fall des Kommunismus ihre Freiheit und Souveränität erreicht haben. Im Rückblick auf diese Ereignisse vor 25 Jahren kann man sagen, daß die Erfahrungen im Allgemeinen sehr positiv sind. Wir wünschen den Ländern, die in diesem Jahr den 25. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit feiern, alles Gute für die Zukunft. 
 
Deutschland nimmt weltweit an verschiedenen Friedensmissionen teil. Circa 3.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten, wie auch 150 Polizistinnen und Polizisten erfüllen in verschiedenen Ländern ihre Mission. In diesem Zusammenhang ist an die Missionen unter der Führung der Vereinten Nationen zu erinnern, an denen Deutschland teilnimmt: im Libanon, in der Westsahara, in Mali, im Sudan, im Südsudan, in Liberia, in Afghanistan und im Kosovo.
 
Zur beachtlichen Präsenz Deutschlands auf internationaler Ebene haben auch Sie, verehrte Frau Bundeskanzlerin, einen sehr aktiven und geschätzten Beitrag geleistet, indem Sie zahlreichen Politikern in Deutschland und außerhalb begegnet sind. In diesen Kontext gehören die internationalen Reisen. Ohne die zahlreichen Reisen nach Brüssel (9) und nach Frankreich (8) im Verlauf des vergangenen Jahres seit unserer letzten Begegnung weiter zu erwähnen, haben Sie im Jahre 2015 folgende Länder besucht: Italien (17. August), Brasilien (19.-20. August), Österreich (27. August), die Schweiz (3. September), die USA (24.-25. September), Indien (4.-6. Oktober), Großbritannien (9. Oktober), die Türkei (2-mal: 18. Oktober und 15.-16. November), China (28.-30. Oktober) und Malta (11. und 12. November). Im Jahre 2016 reisten Sie nach Großbritannien (4. Februar), in die Türkei (3-mal: 8. Februar, 23. April, 22.-23. Mai), in die Niederlande (21. April), nach Italien und den Vatikan (05.-06. Mai), nach Japan (26.-27. Mai), in die Schweiz (1. Juni) und nach China (12.-13. Juni).
 
In den ersten fünf Monaten des Jahres 2016 haben 309.785 Menschen in Deutschland Asyl beantragt. Auch wenn diese Zahl bisher unter jener des Jahres 2015 liegt, ist sie dennoch beachtlich und verdient Dank, zunächst von den aufgenommenen Menschen, sodann aber auch von Seiten der internationalen Gemeinschaft. Es handelt sich um ein gutes Beispiel für andere Länder, besonders in Europa. Anerkennung verdienen auch die Anstrengungen der deutschen Autoritäten bei der Integration von Menschen, die in Deutschland leben wollen und die sich verpflichten, den Rechtsstaat, die Menschenrechte und die Standards von Freiheit, Demokratie und Pluralismus zu achten. Bei dieser Aufgabe der Integration leisten die beiden größten Kirchen in Deutschland, die evangelische Kirche und die katholische Kirche, wie auch sehr viele Menschen guten Willens beachtliche Hilfe. Dem Wunsch der Immigranten, sich zu integrieren, entspricht vielfach der Wunsch deutscher Bürger, die menschlichen, religiösen und kulturellen Beiträge willkommen zu heißen, mit denen die Flüchtlinge die deutsche Gesellschaft bereichern können. 
 
So wichtig es ist, für die geleistete Hilfe an die Geflüchteten zu danken, so dringend wird immer mehr, friedliche Lösungen für die zahlreichen Konflikte in der Welt zu finden, vor allem im Mittleren Osten und in Nordafrika, welche die unaufhörliche Flut von Migranten und Flüchtlingen verursachen. Es ist eine moralische Pflicht, den Tod dieser Menschen verhindern zu helfen, besonders bei der Überfahrt des Mittelmeeres. Nach den Statistiken des UNHCR (dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen) starben von 2014 bis heute mehr als 10.000 Menschen im Mittelmeer. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2016 waren es mehr als 2.800 Menschen, die bei dem Versuch starben, den europäischen Kontinent zu erreichen. 
 
Auch der Klimawandel verursacht zahlreiche Wanderbewegungen. Nach Angaben der Vereinten Nationen wird die Versteppung bereits bis zum Jahr 2020 circa 50 Millionen sogenannter „Klimaflüchtlinge“ hervorbringen. Daher ist dringend geboten, daß alle Länder die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um diesem besorgniserregenden Phänomen zu begegnen. Mindestens sollten die Klimaziele auf dem internationalen Stand von COP 21 in die Praxis umgesetzt werden, welche auf der UN-Klimakonferenz im Dezember 2015 in Paris beschlossen worden sind. Das heißt, die globale Erwärmung soll auf deutlich unter 2 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Level begrenzt werden. 
 
Die Schwierigkeiten und die erwähnten Herausforderungen, welche durchaus Politiker und Verantwortliche bei der Suche nach Lösungen für die gravierenden Probleme unserer Zeit entmutigen können,  sollten aber dennoch dazu antreiben, alles dafür zu tun, mögliche Spannungen und Konflikte zu verhindern. Dazu gehört, Menschen in großen Schwierigkeiten zu erreichen, zu denen die Flüchtlinge gehören, und Lösungen für die Kriege, den Terrorismus und jede Form von Gewalt zu finden. Hinzu kommt, die Klimaerwärmung zu verhindern, damit alle Menschen in Frieden und relativem Wohlstand in ihren betreffenden Ländern leben können. Die vielen konkreten Beispiele der Solidarität und des Willkommens, die wir auch in Deutschland bezeugen können, geben Grund zur Hoffnung, daß dieses Ideal durch den Einsatz der Menschen guten Willens, der Religionen, der Zivilgesellschaften, der Regierungen und der internationalen Gemeinschaft erreicht werden kann. 
 
In der Gewissheit, daß die Bundesrepublik Deutschland auch weiterhin ihren beachtlichen Beitrag zum Aufbau einer solchen Welt leisten wird, wofür die Europäische Union ein Modell sein könnte, übermittle ich Ihnen, Exzellenz, den Mitgliedern der Bundesregierung, die Sie führen, sowie der ganzen Bevölkerung Deutschlands die besten Wünsche und rufe auf alle die Fülle des göttlichen Segens herab.