16 10 26 Grußwort des Nuntius zur Eröffnung des Martinusweges in Schwaigern

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Grußwort des Apostolischen Nuntius
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
an die Pilger anlässlich der Eröffnung 
der Mittelroute des Martinuswegs
 
Schwaigern, Diözese Rottenburg-Stuttgart, 26.10.2016
 

 
Exzellenz, verehrter Bischof Gebhard,
liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonischen Dienst,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Schwaigern,
liebe Gläubige der Diözese Rottenburg-Stuttgart,
liebe Pilgerinnen und Pilger von nah und fern!
 
Es freut mich sehr, gemeinsam mit Ihnen heute im Jubiläumsjahr Ihres Diözesanpatrons die Mittelroute des Europäischen Martinuswegs zu eröffnen! Im Namen des Heiligen Vaters Franziskus grüße ich Sie alle, den ich die Ehre habe, in der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten. Er ist als Bischof von Rom und Hirte der Universalkirche das Zeichen der Einheit der Katholischen Kirche. In seinem Namen übermittle ich Ihnen den Apostolischen Segen.
 
Mir ist bewußt, dass heute viele unter uns sind, die mit Tatkraft, Engagement und Gebet dazu beigetragen haben, dass der Martinusweg auf seiner Mittelroute von Ost nach West, von der Geburtsstadt des heiligen Martin, Szombathely in Ungarn bis nach Tours in Frankreich von Pilgern begangen werden kann. 
 
Der Martinsweg umfasst nach dem Camino, dem Jakobsweg, nicht nur das zweitgrößte Netz an Pilgerwegen, er erfreut sich bei Gemeinden und Gläubigen immer größerer Beliebtheit. Das mag zum einen daran liegen, dass Pilgern in den vergangenen Jahren eine große Renaissance erlebt hat. – Immer mehr Menschen machen sich auf, um unterwegs anderen zu begegnen oder auch, um zu sich selbst zu finden. Sie machen sich vor allem auf, um auf dem Weg zu Gott zu finden. Gott weist uns den Weg zu uns selbst und zu den anderen.
 
Sicherlich ist Pilgern derzeit überaus populär und zu einer Art „Modetrend“ geworden. Für die Kirche ist Pilgern jedoch mehr als ein Akt der Selbstfindung. Pilgernde Kirche zu sein, ist Wesensausdruck ihrer selbst! In seiner dogmatischen Konstitution „Lumen Gentium“ spricht das Zweite Vatikanische Konzil von der Kirche als pilgerndes Gottesvolk. Sie „schreitet zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes auf ihrem Pilgerweg dahin“.  Lumen Gentium greift damit ein mehr als tausend Jahre altes Bild von Kirche auf.
 
Der Martinusweg führt zu dieser von den Konzilsvätern formulierte Dimension des pilgernden Gottesvolkes. Als Pilgerweg ist er inspiriert durch seinen Namensgeber, seinen Patron, den heiligen Martin von Tours. Durch sein Leben und seine Taten ist er Wegweiser für das pilgernde Gottesvolk. Immer wieder stoßen wir in seinem Lebensbericht, aufgezeichnet durch den Zeitgenossen und Begleiter Martins, Sulpicius Severus, auf das Glaubenszeugnis des großen Heiligen. Martin selbst tröstet und heilt Verwundungen. Er gibt dem Bettler nicht nur seinen halben Mantel, sondern gleichsam auch seine Menschenwürde und zeigt christliche Würde. Er schenkt dem Angeklagten Häretiker Priscillan Trost, indem er sich für ihn einsetzt. Gleichzeitig bleibt Martinus zeitlebens als Mensch, als Mönch und Bischof ein Pilgernder, unterwegs mit Gott und den Menschen, denen er Christus mit Wort und Tat verkündet. Das Pilgern im heutigen Europa hat eine besondere Bedeutung. Das Beispiel des Heiligen Martin lädt nämlich die Christen von heute dazu ein, sich für den Aufbau Europas einzusetzen, das tiefe christliche Wurzeln hat.
 
Der emeritierte Papst Benedikt XVI., der ein großer Verehrer des heiligen Martin ist, hat diesen großen Heiligen der Kirchengeschichte mehrfach zum Gegenstand seiner Betrachtungen gewählt. Papst Benedikt wählte folgende Worte, um das Wirken des heiligen Martin zu erschließen: „Die Geste der Nächstenliebe des heiligen Martin folgt derselben Logik, die Jesus dazu drängte, das Brot für die hungernde Menge zu vermehren, vor allem aber sich selbst der Menschheit in der Eucharistie als Speise zu hinterlassen, höchstes Zeichen der Liebe Gottes, „Sacramentum Caritatis“. Es ist dies die Logik des Teilens, in der auf authentische Weise die Liebe zum Nächsten zum Ausdruck kommt. Der heilige Martin helfe uns zu verstehen, dass es nur durch gemeinsames Teilen möglich ist, auf die große Herausforderung unserer Zeit zu antworten: eine Welt des Friedens und der Gerechtigkeit zu errichten, in der jeder Mensch mit Würde leben kann.“ 
 
Sie, liebe Schwestern und Brüder, dürfen den Martinsweg als Geschenk, als Weg der Caritas Jesu, annehmen, denn er ist Sinnbild, für das individuelle Liebeszeugnis , das Martin von Tours als Imitator Christi, als Ikone der Nächstenliebe uns vorlebt. Und zu dessen Nachahmung er uns Christen aufruft.
 
Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder!
 
Ich danke Ihnen von Herzen für Ihr Engagement im Geiste Ihres Diözesanpatrons! Ich danke Ihnen allen auch für die zahlreichen Initiativen zu Ausgestaltung des Martinsweges. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart liegt nicht nur kartographisch am Scheitelpunkt des Martinsweges. Sie ist Inspiration für viele auf dem Weg der Caritas Jesu Christi! Der Pilgerweg des Heiligen Martin ist ein Symbol für die Kirche im Aufbruch, was ein wegweisender Ausdruck von Papst Franziskus ist. Einer Kirche, die es drängt, den Menschen unserer Zeit die Freude des Evangeliums (Evangelii gaudium) zu verkünden, welche aus der persönlichen und gemeinschaftlichen Begegnung mit dem Herrn Jesus Christus entsteht. 
 
So wünsche ich Ihnen für den heutigen Tag, im Martinjahr und für die Zukunft Gottes Segen!