17 03 21 Grußwort von Nuntius Eterovic beim Empfang anlässlich des vierten Jahrestages der Wahl von Papst Franziskus

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Grußwort des Apostolischen Nuntius
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
beim Empfang aus Anlass des vierten Jahrestages 
des Beginns des Pontifikates des Heiligen Vaters Franziskus

Berlin, Apostolische Nuntiatur, 21. März 2017


 
Exzellenzen, 
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Brüder und Schwestern!
 
„Die Kirche im Aufbruch“ ist eine der Leitideen des Pontifikates des Heiligen Vaters Franziskus, die er schon im programmatischen Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium (vgl. Nr. 20-24) beschrieben hat. Aus Anlass des vierten Jahrestages der Wahl von Papst Franziskus am 13. März 2013 grüße ich Sie alle herzlich und danke für Ihr Kommen, das ich als Zeichen des Respektes und der Verbundenheit mit dem 265. Nachfolger des Heiligen Petrus, des Bischofs von Rom und daher Hirten der Universalkirche, betrachte. Ich möchte in diesem kurzen Grußwort die Bedeutung der Wendung Kirche im Aufbruch erläutern und verweile dafür bei den Apostolischen Auslandsreisen des Heiligen Vaters im Verlauf des vierten Jahres seines Pontifikates. Diese hatten besondere inhaltliche Akzente, welche auch die Prioritäten anzeigen, die Papst Franziskus und die Katholische Kirche setzen. 
 
1. Die Reise auf die Insel Lesbos (Griechenland): die Flüchtlinge.
 
Am 16. April 2016 hat der Heilige Vater Franziskus gemeinsam mit Seiner Heiligkeit Bartholomäus, dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel und Seiner Seligkeit Hieronymus II., dem Erzbischof von Athen und ganz Griechenland die Insel Lesbos besucht, um den Flüchtlingen zu begegnen, die dort untergebracht sind. Auch wenn eine solche Geste aus sich heraus spricht, haben die Oberhäupter der entsprechenden Kirchen in ihrer gemeinsamen Erklärung „das Ende der Kriege und der Gewalt im Mittleren Osten“ erfleht und „einen gerechten und dauerhaften Frieden, sowie die ehrenvolle Heimkehr derer, die gezwungen waren, ihre Häuser zu verlassen“. Darüber hinaus mahnen sie: „Die Tragödie erzwungener Migration und Vertreibung betrifft Millionen von Menschen und ist eine Krise der Menschheit, die zu einer Antwort der Solidarität, des Mitgefühls, der Großherzigkeit und zu einem unverzüglichen praktischen Einsatz der Ressourcen aufruft. Von Lesbos aus appellieren wir an die Internationale Gemeinschaft, mutig zu reagieren und dieser massiven humanitären Krise und den ihr zugrundeliegenden Ursachen durch diplomatische, politische und karitative Initiativen zu begegnen wie auch durch gemeinsame Anstrengungen sowohl im Nahen Osten als auch in Europa“. 
 
2. Der Besuch in Armenien: die Ökumene.
 
Vom 24. bis 26. Juni 2016 besuchte der Heilige Vater die Republik Armenien, die erste christliche Nation der Erde. Der ökumenische Dialog mit den orthodoxen Kirchen ist auch für Papst Franziskus sehr wichtig. Das hat er bei den verschiedenen Begegnungen mit Seiner Heiligkeit Kerekin II. unterstrichen, dem Katholikos von Armenien und aller Armenier, der den Obersten Pontifex in seinem Haus in Etschmiadsin beherbergt hatte. Die Reise stand im Zusammenhang mit der Erinnerung an den Genozid an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Nach seinem Besuch in der Gedenkstätte für den armenischen Völkermord hat der Papst folgende Worte in das Goldene Buch geschrieben: „An diesem Ort bitte ich mit schmerzendem Herzen, daß sich niemals wieder eine Tragödie wie diese wiederhole, damit die Menschheit nicht vergisst und erkennen möge, das Böse mit dem Guten zu besiegen“. Papst Franziskus betet außerdem, Gott „gewähre, dass der Weg der Versöhnung zwischen dem armenischen und dem türkischen Volk wiederaufgenommen werde und der Frieden auch im Bergkarabach entstehen möge« (Botschaft an die Armenier [12. April 2015]: L‘Osservatore Romano [dt.] Jg. 45, Nr. 17 [24. April 2015], S. 8. Wiederholt am 25. Juni 2016 bei der Ökumenischen Begegnung und dem Friedensgebet in Jerewan). 
 
3. Die Reise nach Polen: die Jugend.
 
Der Heilige Vater hat Polen vom 27. bis 31. Juli 2016 besucht, um der Feier des XXXI. Weltjugendtages vorzustehen. Die Jugend ist Papst Franziskus ein Herzensanliegen. Er hat unter anderem angekündigt, daß der nächste Weltjugendtag im Januar 2019 in Panama unter dem Leitwort steht: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38). Zwischenzeitlich hat der Bischof von Rom das Thema der nächsten ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode bekanntgegeben, die im Oktober 2018 stattfinden wird: „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“. Er wird nicht müde, die jungen Menschen aufzufordern, aktive Glieder der Kirche und der Gesellschaft zu sein. Das tut er mit einigen für ihn typischen Wendungen: „macht Lärm“, „wer nicht wagt, bewegt sich nicht“, „macht euch die Hände schmutzig“, „schaut nicht vom Balkon aus auf das Leben“, „leben, nicht jubeln“, „Großes erträumen“, „es ist nötig, gegen den Fluss zu schwimmen“, „seid keusch“, „nehmt den Glauben ernst“. 
 
4. Die Reisen nach Georgien und Aserbaidschan vom 30. September bis 2.Oktober 2016: der interreligiöse Dialog.
 
Während die Apostolische Reise nach Georgien eine besondere Bedeutung in der Stärkung der ökumenischen Beziehungen mit der verehrten orthodoxen Kirche von Georgien hatte, die von Seiner Heiligkeit und Seligkeit Ilia II., dem Katholikos und Patriarchen von ganz Georgien geführt wird, lag der besondere Akzent bei den Begegnungen in Aserbaidschan auf dem interreligiösen Dialog. In seiner an den Scheich der Muslime des Kaukasus, Hadji Allahshukur Pashazadeh und die Repräsentanten der anderen Religionsgemeinschaften gerichteten Ansprache sagte der Papst unter anderem: „Mögen die Religionen in der Nacht der Konflikte, die wir durchmachen, Morgenröte des Friedens, Samen der Wiedergeburt unter den Verwüstungen des Todes, unermüdlich tönender Widerhall des Dialogs und Wege der Begegnung und der Versöhnung sein, um dorthin zu gelangen, wo die offiziellen Vermittlungsversuche keinen Erfolg zu erzielen scheinen. Mögen die Religionen besonders in dieser geschätzten kaukasischen Region, die zu besuchen ich so ersehnt habe und in die ich als Pilger des Friedens gekommen bin, aktive Mittel zur Überwindung der Tragödien der Vergangenheit und der Spannungen von heute sein“. 
 
Der Friede ist ein ständiges Thema, gegenwärtig in den Gebeten und der Tätigkeit des Heiligen Stuhls und der Römischen Bischöfe. Papst Franziskus folgt dem Beispiel seiner Vorgänger und setzt sich für die Förderung des Friedens ein. Neben seiner Rolle bei der Erleichterung der Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten von Amerika, hat er sich für die Friedensprozesse in Kolumbien und der Zentralafrikanischen Republik eingesetzt. Beten wir, daß sein Wunsch, gemeinsam mit dem Primas der anglikanischen Gemeinschaft, dem Erzbischof von Canterbury Dr. Justin Welby in den Süd-Sudan zu reisen, sich realisieren lässt und positive Folgen für dieses geschundene Land haben wird. 
 
5. Der Besuch in Schweden: das 500-Jahrgedächtnis der Reformation.
 
An den Tagen des 31. Oktober und 1. November 2016 war der Heilige Vater in Schweden aus Anlass des gemeinsamen lutherischen-katholischen Gedenkens der Reformation unterwegs. Besonders bedeutsam war die ökumenische Begegnung in Lund, wo beide Seiten eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet haben. Darin wird Gott für die Gnade des Dialogs gedankt, der vom Konflikt zur Gemeinschaft führt. Weiter heißt es: „Da wir diese Begebenheiten der Geschichte, die uns belasten, hinter uns lassen, verpflichten wir uns, gemeinsam Gottes barmherzige Gnade zu bezeugen, die im gekreuzigten und auferstandenen Christus sichtbar geworden ist. Im Bewusstsein, dass die Art und Weise, wie wir miteinander in Beziehung treten, unser Zeugnis für das Evangelium prägt, verpflichten wir uns selbst, in der Gemeinschaft, die in der Taufe wurzelt, weiter zu wachsen, indem wir uns bemühen, die verbleibenden Hindernisse zu beseitigen, die uns davon abhalten, die volle Einheit zu erlangen. Christus will, dass wir eins sind, damit die Welt glaubt (vgl. Joh 17,21)“. 
 
Exzellenzen, meine sehr geehrten Damen und Herren, danken wir dem guten und barmherzigen Gott für das Geschenk an die Kirche in Gestalt des Heiligen Vaters Franziskus, auf daß Er ihn stärke, die „Kirche im Aufbruch“ zu führen, damit es auch zum Nutzen für die übrigen Kirchen und religiösen Gemeinschaften, wie auch für die anderen Religionen und für die ganze Erde werde. Erheben wir das Glas und trinken wir auf das Wohl von Papst Franziskus und seinen Petrusdienst: Ad multos annos.