17 03 20 Grußwort von Nuntius Eterovic an die Hörer von Radio Horeb

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Grußwort des Apostolischen Nuntius
Erzbischof Dr. Nikola Eterović, 
an die Hörer von Radio Horeb

Berlin, 20. März 2017


 
Verehrte Hörer von Radio Horeb!
 
Heute feiert die Kirche den Heiligen Josef, da wir an seinem eigentlichen Festtag gestern den 3. Fastensonntag begangen haben. Er ist eng mit dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes verbunden, denn er ist der Bräutigam der allerseligsten Jungfrau Maria. Als sie vom Heiligen Geist den Sohn des Vaters empfangen hatte, erbarmt sich der gute Gott, auch dem Heiligen Josef dieses große Geheimnis zu offenbaren. Im 1. Kapitel des Matthäusevangeliums heißt es: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist“ (Mt 1,20). Der Engel, der ihm im Traum erschienen war, beseitigt die Zweifel, die er an seiner Braut hatte. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel ihm gesagt hatte, und nahm Maria zu sich (vgl. Mt 1,24). Wenn wir also heute den Angelus beten, den Engel des Herrn, dann erinnern wir uns heute auch an den Engel, der dem Josef erschienen war, um ihm das göttliche Geheimnis zu erschließen und ihn zum Mitarbeiter am Heilsplan Gottes zu machen.
 
In der ostkirchlichen Tradition wird Josef als der nachdenkende Betrachter dargestellt, der sich stets etwas abseits vom Geschehen hält. Er ist mit seiner Braut Maria eine geistliche Einheit, denn beide bedenken in ihrem Herzen, was geschehen war (vgl. Lk 2,19), und betrachten in Jesus Christus, der mit ihnen die heilige Familie bildet, wie groß und barmherzig Gott ist. Im Gebet erschließt sich der Gottesmutter und dem Heiligen Josef, daß Jesus Christus der Heiland und Erlöser ist. Unser Herr Jesus macht den Menschen Gott bekannt, er bezeugt Ihn, seinen Vater und teilt den Menschen mit, was er von Ihm gesehen und gehört hat (vgl. Joh 8,38; 15,15). „Er hat uns Kunde gebracht“ (Joh 1,18), so heißt es im Prolog des Johannesevangeliums. Dem gläubigen Menschen ist der dreieine Gott als kein Unbekannter mehr. 
 
Es ist entspricht daher der Logik der Liebe, daß auch wir gerufen sind, Zeugen und Missionare Jesu Christi werden, wie der Heilige Vater Franziskus oftmals sagt, denn „was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch“ (1 Joh 1,3). Wie wichtig dies in unserer Zeit ist, zeigt sich in der Aussage von Papst Franziskus: „Gott selbst bleibt heute für viele ein Unbekannter; dies stellt die größte Armut dar und das größte Hindernis, um die unveräußerliche Würde des menschlichen Lebens anzuerkennen“ (Misericordia et misera, 18). Neben der materiellen Armut gibt es diese geistliche Armut, die weitreichende Folgen für das private und familiäre Leben der Menschen, aber auch für die Gesellschaften insgesamt hat. Wo alles und jeder nur noch zur Verfügung steht, ist es schwer, selbst verfügbar zu sein und dem höheren Ruf Gottes zu folgen, der das Leben der seligen Jungfrau Maria und des Heiligen Josef grundlegend verändert hat. Die Österliche Bußzeit dient dazu, uns wieder neu auf den Willen Gottes in unserem Leben zu orientieren und verfügbar zu sein, von dem guten und barmherzigen Gott zu sprechen – durch Worte, besser aber durch unser Leben. So hat es auch der Heilige Josef getan, von dem uns kein einziges Wort überliefert ist, aber der dennoch ein Beispiel für ein Leben aus dem Glauben ist. Das Schweigen des Heiligen Josef ist ein beredtes Schweigen der Liebe. Und das unterscheidet sich vom gleichgültigen Schweigen vieler Menschen heute. Der Heilige Josef ermutige uns, glaubwürdige Zeugen Jesus Christi und Missionare der frohen Botschaft zu werden.  
    
Im Namen des Heiligen Vaters Franziskus erteile ich Ihnen allen von Herzen den Apostolischen Segen.
 
Der Herr sei mit Euch. – Und mit deinem Geiste
Der Name des Herrn sei gepriesen. – Von nun an bis in Ewigkeit 
Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn – Der Himmel und Erde geschaffen hat.
Es segne Euch der Allmächtige Gott, + der Vater und + der Sohn und + der Heilige Geist. Amen