17 06 15 Predigt von Nuntius Eterovic am Hochfest Fronleichnam in Fritzlar

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail



Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am Hochfest Fronleichnam

Fritzlar, 15. Juni 2017


 
„Wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“ (Joh 6,58).
 
Verehrte Mitbrüder im priesterlichen und diakonischen Dienst,
liebe Ordensleute,
sehr geehrte Damen und Herren der zivilen Autoritäten, 
liebe Brüder und Schwestern!
Gerne habe ich die Einladung der Hochwürdigen Herren Dechant Jörg Stefan Schütz und Kaplan Jürgen Kämpf angenommen, das Fronleichnamsfest in der Pfarrgemeinde St. Peter und in dieser ehrwürdigen christlichen Gemeinde von Fritzlar zu feiern, deren Anfänge in das Jahr 723/724 reicht, also in die Zeit des Heiligen Bonifatius, des Apostels Deutschlands. Über das Hochfest hinaus, das die Katholiken auf der ganzen Welt mit Freude und Andacht begehen, gibt es zwei besondere Gründe, die rechtfertigen, daß ich heute bei Euch bin. 
 
1. Die 750-Jahrfeier von Fronleichnam in Fritzlar.
 
Voller Dankbarkeit gegenüber Gott dem Vater, Sohn und Heiligen Geist erinnert Ihr heute an den 750. Jahrestag der Feier des Fronleichnamsfestes in Fritzlar. Eure Stadt ist somit eine der ersten Orte in Deutschland, wo das Fest des Allerheiligsten Altarsakramentes gefeiert worden ist, nachdem es 1264 von Papst Urban VI. durch die Bulle Transiturus de hoc mundo eingerichtet wurde. Es handelt sich um ein wirklich geschichtliches Datum, dass alle Katholiken, ja alle Menschen guten Willen ins dieser verehrten Stadt mit christlicher Freude erfüllen muss. Diese Feier zeigt, daß es eine Kontinuität des christlichen Glaubens bei den Einwohnern von Fritzlar gibt, der von Generation zu Generation weitergeben worden ist. Beten wir zum allmächtigen Gott, diese heilige Tradition möge auch in Zukunft fortgesetzt werden.
 
2. Die Einheit mit dem Bischof von Rom.
 
Der zweite Grund meiner Freude ist die Verbundenheit der Pfarrkirche St. Peter mit dem Bischof von Rom. Im Jahre 2004 wurde sie zur Basilika minor erhoben, was bedeutet, es gibt eine besondere Verbindung mit dem Apostolischen Stuhl, was allein an den Päpstlichen Insignien sichtbar wird, die sich in dieser Basilika minor befinden. Dies wird durch Präsenz des Apostolischen Nuntius unter Euch hervorgehoben, welcher der Vertreter des Heiligen Vaters in Deutschland ist. Ich freue mich, die herzlichen Grüße von Papst Franziskus zu übermitteln, des Bischofs von Rom und Hirten der Universalkirche. In jeder Eucharistiefeier beten die Gläubigen für den Heiligen Vater, das Symbol der Einheit der Katholischen Kirche. Wir tun dies heute am Hochfest des Leibes und Blutes Christi in besonderer Weise. Der Herr macht aus uns allen in der Gnade des Heiligen Geistes einen einzigen Leib, dessen Haupt Er ist (vgl. Kol 1,18). Die Kirche ist zugleich eine geistliche wie sichtbare Wirklichkeit, die als mystischer Leib Christi und als hierarchisch geordnete Sozialgestalt verstanden wird, woran uns das Zweite Vatikanische Konzil erinnert (vgl. LG 20). Das wahre Haupt der Kirche ist Jesus Christus. Er aber wollte die Kirche in ihrer sichtbaren Gestalt auf das Fundament des Petrus und seiner Nachfolger gründen. So hat Jesus dem Petrus nach dessen Bekenntnis: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16) gesagt: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,17-18). Papst Franziskus ist der 265. Nachfolger des Heiligen Apostels Petrus. Beten wir für ihn und seine Sendung, damit er den Auftrag gut erfüllen kann, den der Herr Jesus ihm anvertraut hat, seine Brüder im Glauben zu stärken (vgl. Lk 22,32).
 
Liebe Brüder und Schwestern, wir haben uns versammelt, das Sakrament der Eucharistie zu feiern, welche die Quelle und der Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche ist. Können wir sagen, welche Bedeutung diese Feier heute für uns hat? Welche Botschaft bietet uns der Herr Jesus, der gegenwärtig in unserer Mitte ist?
 
3. Die Realpräsenz des Herrn Jesus.
 
Wenn wir offen für die Gnade des Heiligen Geistes sind, die Gabe des auferstandenen Herrn, die er in Fülle seinen Jüngern schenkt, und für das Licht des Wortes Gottes, das wir gehört haben, können wir festhalten, daß Jesus Christus uns alle auffordert, fest im Glauben an seine wirkliche Gegenwart im Sakrament der Eucharistie zu stehen. Den eucharistischen Glauben oder das Fehlen eines solchen Glaubens steht übrigens am Beginn des Fronleichnamsfestes. Tatsächlich wurde im Jahr 1247 das Fronleichnamsfest in der Diözese Lüttich eingeführt, um die reale Gegenwart Christi in der Eucharistie zu feiern, was im Gegensatz zu den Thesen eines Berengar von Tours, welche die Gegenwart Jesus Christi in der Eucharistie nur symbolisch verstehen. Es gab in diesem Zusammenhang theologische Diskusionen und es geschah das Blutwunder von Bolsena. Ein böhmischer Priester, Petrus von Prag, hatte Zweifel an der Realpräsenz Jesus Christi in der Eucharistie. Um seinen Glauben zu stärken, pilgerte er im Jahr 1263 nach Rom. Auf dem Rückweg aus der Ewigen Stadt aber überfielen ihn erneut Zweifel. Er weilte in Bolsena in der Kirche der Heiligen Christina und feierte die Heilige Messe. Im Augenblick der Konsekration begann die Hostie, auf das Korporale zu bluten. Der Priester war verwirrt und wollte die Hostie verbergen, indem er sie in das Leinenkorporale packte und in die Sakristei brachte. Auf dem Weg dorthin fielen einige Blutstropfen auf den Boden und auf die Altarstufen. Papst Urban IV. verfügte, daß dieser Vorfall gründlich untersucht werden sollte. Von der Übernatürlichkeit dieses Ereignisses überzeugt, weitete er im Jahr 1264 das Hochfest des Leibes und Blutes Christi auf die ganze Kirche aus. Dieses Fest fand große Aufnahme im Volk Gottes, das für die Gegenwart Jesu in der Eucharistie dankbar war und seine Präsenz bei der Feier der Heiligen Messe wie auch bei den feierlichen Prozessionen gläubig verehrt hat. In Eurer Stadt finden die eucharistischen Prozessionen schon seit dem Jahr 1320 statt; worauf ihr stolz und der göttlichen Vorsehung dankbar sein könnt, die Eure Vorfahren zu dieser eucharistischen Verehrung inspiriert hat. 
 
Die Kirche, die auf das Wort und das Wirken Jesu Christi gegründet ist, hat stets fest an die Gegenwart Jesus Christi unter den Gestalten von Brot und Wein geglaubt. Es handelt sich um die Gegenwart, die mit den fachlichen Begriffen von vere, realiter et substantialiter bezeichnet wird. 
 
4. Jesus Christus, das Brot des Lebens.
 
Hierzu ist das Wort Gottes sehr klar. Im Johannesevangelium sagt Jesus Christus deutlich: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt“ (Joh 6,51). Die Worte Jesu bewirkten eine starke Reaktion seitens der Juden. Sie stritten miteinander und fragten: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ (Joh 6,52). Der Herr aber bestand darauf: „Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch“ (Joh 6,53). Das Brot, das der Herr gibt, ist vom Manna zu unterscheiden, mit dem Gott sein Volk während der vierzig Jahre in der Wüste nährte (vgl. Dtn 8,3). Mit Bezug auf sich selbst als das Brot, welches das ewige Leben schenkt, sagt Jesus: „Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit“ (Joh 6,58). Viele seiner Jünger, die Jesus zuhörten, nahmen Anstoß daran und sagten: „Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?“ (Joh 6,60). Jesus aber änderte weder seine Worte noch deren Sinn, indem er unterstrich, wer sein Fleisch isst und sein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und er werde ihn auferwecken am letzten Tag (vgl. Joh 6,67). Da verließen ihn viele und gingen weg. Also fragt er die Zwölf: „Wollt auch ihr weggehen?“ (Joh 6,67). In deren Namen antwortet Simon Petrus: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (Joh 6,68-69). 

Liebe Brüder und Schwestern, machen wir uns die Antwort des Petrus, des ersten der Apostel, zu Eigen. Erneuern wir unseren Glauben an den Herrn Jesus, das Brot des Lebens. Nehmen wir seine Einladung an und essen das eucharistische Brot, das sein Leib ist. Es handelt sich um den verherrlichten Leib, den geistlichen Leib, wie der Heilige Paulus schreibt (vgl. 1 Kor 15,44-45). Bei der Auferstehung wurde die menschliche Natur Jesu verwandelt und bekam göttliche Attribute, so daß die Grenzen von Raum und Zeit überwunden wurden. Daher kann der auferstandene Herr zugleich an verschiedenen Orten sein und vielen Menschen erscheinen. Seine Gegenwart in der Eucharistie ist ganz besonders, sie ist wirklich. In der Eucharistie begegnen wir nicht nur Jesus Christus, dem Mensch und Gott, sondern wir ernähren uns von ihm, von seinem Leib und seinem Blut, um neue Geschöpfe werden zu können, zu Gliedern des mystischen Leibes, welcher die Kirche ist, und zum Einsatz für eine bessere Welt. Das Sakrament der Eucharistie bewirkt daher die Einheit unter den Christen und fordert zur Caritas innerhalb der Kirche ebenso wie in der Welt heraus. 
 
5. Die Einheit der Christen.
 
Der Heilige Paulus lehrt uns: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1 Kor 10,17). Diejenigen, die sich mit der Eucharistie nähren, werden Jünger Jesu und Teil seines geheimnisvollen Leibes. Wie Jesus Christus einer ist, so ist sein Leib, der die Kirche ist, ein einziger. Die Eucharistie ist die Quelle und der Höhepunkt dieser kirchlichen Einheit. Sie überschreitet jedoch die Grenzen der Katholischen Kirche und hat positive Effekte in der Förderung der Einheit im ökumenischen Dialog mit den anderen Kirchen und christlichen Gemeinschaften. Die Einheit der Christen wird auch bei der größeren Einheit in unserer so zerteilten Welt helfen. 
 
6. Der Dienst der Liebe.
 
Die Eucharistie ist das Sacramentum caritatis, das Sakrament der Liebe, so der Titel des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens aus dem Jahr 2007. Es liefert wertvolle kirchliche und soziale Hinweise. Hier muss besonders an die Notwendigkeit erinnert werden, daß jeder Mensch das tägliche Brot braucht, wie Jesus selbst uns im Vaterunser zu beten lehrt. Es handelt sich um das eucharistische Brot, aber auch um das Brot, das die Menschen zum Leben nötig haben. Leider gibt es nach den offiziellen Zahlen etwa 800 Millionen Menschen in der Welt, die Hunger leiden. Es ist eine Schande unserer Zivilisation, gegen die wir alle und die Christen in der ersten Reihe kämpfen müssen. Die Feier der Eucharistie ermahnt uns, vor allem heute an Fronleichnam, daß jeder nach seinen Fähigkeiten gegen diese Geißel des Hungers in der Welt kämpfen soll. 
 
Vertrauen wir unsere Gedanken der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, die der erste Tabernakel Gottes in unserer Welt gewesen ist. Sie hat in ihrem Schoß Jesus Christus neun Monate getragen. Sie wurde aber nicht nur seine Mutter, sondern auch die des Jüngers, der sein bester Schüler war. Sie möge als die, die voller Gnade ist, vom guten und barmherzigen Gott für jeden von uns die Gabe eines brennenden Glaubens erbitten, damit wir alle Menschen der Eucharistie werden, freudige Zeugen Jesu Christi und eifrige Missionare seines Evangeliums. Amen.