17 07 12 Predigt von Nuntius Eterovic in der Hl. Messe mit dem Ritterorden vom Heiligen Grab

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
in der Hl. Messe mit dem Ritterorden vom Heiligen Grab – Ordensprovinz Ostdeutschland
 
Berlin, 12. Juli 2017
 

 
„Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen“ (Mt 10,5).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Das Stück aus dem Matthäusevangelium, das wir gehört haben, beschreibt die Berufung der Apostel. Daran orientiert sich unsere Reflektion bei dieser Eucharistiefeier in der Kapelle der Apostolischen Nuntiatur in Berlin, dem Haus des Heiligen Vaters in Deutschland. Offen für die Gnade des Heiligen Geistes, wollen wir gemeinsam über die Bedeutung der Berufung der Zwölf nachdenken (I), über ihre Sendung (II), wie auch über die Berufung eines jeden Christen, eines jeden von uns (III). 
 
1. Die Berufung der Apostel.
 
Der Bericht des Evangeliums unterstreicht die Initiative Jesu Christi. Er ruft von sich aus die Zwölf. Jesus wählt seine Mitarbeiter, welche die Aufgabe haben, ihm bei der Mission der Verkündigung der Guten Nachricht inmitten des erwählten Volkes zu helfen, und sodann diese Mission auf der ganzen Erde weiterzutragen. Es handelt sich um konkrete Menschen, deren Namen überliefert sind. Der erste ist „Simon, genannt Petrus“ (Mt 10,2). Er ist der einzige, der zwei Namen hat, Simon und Petrus. Mit dem Namenswechsel (vgl. Joh 1,42) wollte der Herr Jesus auch die besondere Sendung anzeigen, die Simon Petrus unter den Zwölf haben wird. Diese Wahl wird auch bei den anderen Stellen des Evangeliums bestätigt. Simon Petrus hat im Namen der Zwölf gesprochen. So hat er zum Beispiel bekannt, daß Jesus „der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ ist (Mt 16,16). Für dieses Glaubensbekenntnis hat er nicht nur das Lob Jesu verdient: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (Mt 16,17), sondern ihm wurde auch eine neue Mission anvertraut: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Simon Petrus hat, geführt vom Heiligen Geist, das Evangelium auch in Rom, dem Zentrum des Römischen Reiches, verbreitet, wo er im Martyrium sein höchstes Zeugnis des Glaubens an seinen Meister Jesus gegeben hat. Der Heilige Petrus war der erste Bischof von Rom. Der Heilige Vater Franziskus ist sein 265. Nachfolger. Als sein Vertreter in der Bundesrepublik Deutschland freue ich mich, Herrn Präsidenten Karl Gertler und alle anwesenden Ritter und Damen der Ordensprovinz Ostdeutschland des verehrten Ordens vom Heiligen Grab in Jerusalem zu begrüßen. Neben meinen Grüßen werde ich Euch am Ende der Heiligen Messe im Namen des Heiligen Vaters den Apostolischen Segen erteilen.
 
2. Die von Jesus den Aposteln übertragene Vollmacht.
 
Nach der Berufung der Apostel „gab (er) ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen“ (Mt 10,1). „Diese Zwölf sandte Jesus aus“ (Mt 10,5), nicht, um den Samaritern zu predigen, sondern zu „zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Mt 10,6) mit der besonderen Auflage: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe“ (Mt 10,7). Die Worte an die Apostel erinnern gleichsam wörtlich an die Beschreibung der Sendung Jesus Christi. Im vorausgehenden Kapitel schreibt der Heilige Matthäus: „Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden“ (Mt 9,35). Die Zwölf empfingen die Berufung und die Vollmacht, eine ähnliche Mission wie Jesus zu erfüllen. Diese lässt sich mit drei Verben zusammenfassen: gehen, verkündigen, heilen.
 
3. Die Berufung eines jeden Christen.
 
Wir wissen, daß Jesus, als er die Menge der Menschen seiner Zeit sah, Mitleid hatte, „denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36). Aus diesem Grund stelle er später fest: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“ (Mt 9,37) und ermahnt die Jünger: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,38). Über die Zwölf hinaus wählte er andere Jünger aus: „Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte“ (Lk 10,1). Neben den Aposteln und den 72, die Teil des Amtspriestertums sind, gibt es das gemeinsam Priestertum, das sich aus zahlreichen Menschen, Männern und Frauen, zusammensetzt, die Jesus gefolgt sind, um seine Zeugen zu werden. Jeder Getaufte ist Teil des gemeinsamen Priestertums, woran der Heilige Petrus erinnert: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“ (1 Petr 2,9). Daher wiederholt Papst Franziskus oft, daß jeder Christ gerufen ist, Jünger Jesu Christi und Missionar Seines Evangeliums zu sein. 
 
Auch Ihr, liebe Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab, habt die gleiche Berufung: Jünger Jesu und Missionare der Guten Nachricht zu sein, wenn ihr am Heilswerk mit dem Gebet wie durch das Zeugnis des Lebens auf persönlicher, familiärer und sozialer Ebene teilhabt, aber auch durch die ausdrückliche Verkündigung, sei sie gelegen oder ungelegen, gemäß der Aufforderung des Heiligen Petrus: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15). Jesus hatte die Jünger angewiesen, das Evangelium den Juden, aber nicht den Samaritern zu verkünden. Er wollte, daß das Evangelium unter den Juden und auf begrenztem Raum Wurzeln schlage. Das zeigt, er beschränkt die Erfüllung seiner Mission auf Palästina. Hätte die Verkündigung den ganzen Mittleren Osten umfaßt, wäre die Gefahr einer Verwässerung der Predigt und einer oberflächlichen Annahme groß gewesen.  Erst nach der Auferstehung Jesu, als der christliche Glaube im Heiligen Land Fuß gefasst hatte, sind die Jünger auf seinen Befehl hin in die ganze Welt hinaus gegangen, um das Evangelium jedem Geschöpf zu predigen (vgl. Mk 16.15). 
 
In der Logik des Evangeliums ist das Umfeld Eurer Mission, verehrte Damen und Ritter, der Osten Deutschlands. Nach den statistischen Daten sagen nur 25% der Bewohner dieses großen Gebietes, daß sie an Gott glauben. Nach einer anderen Statistik glauben 73% der Bevölkerung Ostdeutschlands nicht an Gott. Angesichts dieser Menge hätte Jesus auch heute Mitleid und würde Jünger rufen, diesen Menschen zu verkünden, daß das Reich Gottes nahe ist. Durch die Sakramente, besonders durch das Sakrament der Versöhnung, bietet die Kirche auch heute eine geistliche Heilung der Menschen an. Aber die Kirche leistet nach ihren materiellen und personellen Möglichkeiten, auch durch zahlreiche Sozialeinrichtungen auch einen wertvollen Beitrag zur Heilung jeder Art von Krankheit durch ihre Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, katholischen Schulen. Im Namen des Heiligen Vaters danke ich Euch von Herzen für dieses wertvolle Werk der Evangelisierung und der menschlichen Förderung, das ihr tut. 
 
Vertrauen wir unsere guten Vorsätze der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter Gottes und Mutter der Kirche, liebe Brüder und Schwestern, damit jeder von uns großherzig und bereitwillig dem Ruf Gottes antwortet. Nehmen wir die Gnade Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes freudig an, um immer mehr zu überzeugten Zeugen des Herrn Jesus werden und eifrige Missionare Seines Evangeliums, welches die Gute Nachricht auch für den zeitgenössischen Menschen in Europa, wie auch in Deutschland ist, sei es im Westen oder Osten. Amen.