16 06 25 Predigt von Nuntius Eterovic in der Hl. Messe zum Hl. Josemaria Escriva

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
in der Hl. Messe zum Gedenktag an den Heiligen Josemaria Escrivá

Berlin, St. Albertus Magnus, 25. Juni 2016
 

 
„Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus“ (Lk 5,4).
 
Verehrter Prälat Dr. Christoph Bockamp,
liebe Priester und Ordensleute,
liebe Brüder und Schwestern!
 
Wir sind offen für die Gnade des Heiligen Geistes und lassen uns vom Wort Gottes führen, daß wir gehört haben. Es gibt unseren Reflektionen die Richtung bei der Feier des Heiligen Josemaria Escrivá de Balaguer y Albás. Im Licht des heutigen Evangeliums des Heiligen Lukas beschäftigen wir uns nicht nur mit dem Sinn des Wunders des reichen Fischfangs, sondern wenden das gebietende Wort des Herrn auch auf das Leben des Heiligen Josemaria Escrivá an, wie auch auf die ganze Kirche, die gerufen ist, „in die ganze Welt“ zu gehen „und das Evangelium jeder Kreatur zu verkünden“ (Mk 16,15). 
 
1. Simon: „Fahr hinaus auf den See!“
 
Die Erzählung vom wunderbaren Fischfang ist der Beschreibung von der regulären Tätigkeit Jesu Christi vorangestellt. Am frühen Morgen ist er am See Genezareth. Es umringt ihn eine Menge von Leuten, die das Wort Gottes hören wollten, das Jesus mit Autorität und in ansprechender Weise lehrte. Als er die vielen Menschen sah, die an seiner Lehre interessiert waren, bat er Simon, sein Boot zu nehmen und ihn ein Stück vom Ufer weg zu bringen, um das Volk so unterweisen zu können, daß alle ihn sehen und hören konnten (vgl. Lk 5,3). Die Tatsache, daß Simon zusammen mit seinen Gefährten dabei war, die Netze zu waschen, wird nur nebenbei erwähnt. Alle Aufmerksamkeit liegt auf dem Hauptanliegen Jesu, auf seiner Unterweisung des Volkes.
 
Wie in anderen Situationen, wollte der Herr seine Worte mit einem Zeichen bekräftigen, das alle verstehen konnten, die Apostel ebenso wie das Volk. Also gibt Jesus völlig unerwartet Simon Petrus die Weisung: „Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus“ (Lk 5,4). Der Einwand des Simon ist sehr logisch. Er kannte die rechte Zeit für den Fischfang, nämlich des Nachts, und sagte daher: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen“ (Lk 5,5). Durch das gemeinsame Leben mit Jesus war Simon unerwartete Vorschläge von Seiten Jesu schon gewohnt. Er hatte Vertrauen zu ihm und daraus folgt der zweite Teil seiner Antwort: „Aber wenn es sagst, werde ich die Netze auswerfen“. Das Ergebnis war überraschend. Der Fang war so reich, daß die Apostel, Simon Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus, Johannes und Jakobus, die Hilfe eines anderen Bootes nötig hatten, um die vielen Fische zu sammeln. Simon Petrus sieht die Wirksamkeit von Jesu Wort. Was er sagt, das geschieht. Er hatte befohlen, die Netze zum Fang auszuwerfen, und die Fischer machten einen reichen Fischfang. Angesichts dieses Wunders fühlt sich Simon Petrus klein und unwürdig, Jesus zu folgen. Daher sagt er: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder“ (Lk 5,8).
 
Das Worte Jesu Christi: „Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen“ (Lk 5,10) hatten ihn beruhigt und mit Hoffnung erfüllt. Nach diesen Worten waren die drei Fischer, Simon Petrus, Jakobus und Johannes entschlossen, „und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach“ (Lk 5,11). 
 
2. Josemaria Escrivá: „Fahr hinaus auf den See!“
 
Auch der Priester Josemaria Escrivá, der am 9. Januar 1902 in Barbasto geboren worden war, hörte aufmerksam die Lehre Jesu Christi, zunächst in der Familie, die christlich tief verwurzelt war, danach in den Seminaren  von Logrõno und Saragozza während der Vorbereitung auf das Priestertum, sodann in seinem priesterlichen Dienst: er wurde am 28. März 1925 zum Priester geweiht und widmete sich mit Eifer der pastoralen Tätigkeit, vor allem an den Armen in den Vorstädten und den Kranken in den Hospitälern.
 
Wie Simon Petrus, so hat auch er die Stimme des Herrn gehört: „Fahr hinaus auf den See!“ für eine spezielle Mission. Am 2. Oktober 1928 hatte er eine besondere Erleuchtung, in welcher der Herr ihn das Opus Dei sehen ließ, die Einrichtung der Kirche, die er gegründet hat. Es hat zum Ziel, bei den Christen aller Stände und sozialer Schichten ein mit dem Glauben kohärentes Leben zu fördern. Dies geschieht durch Werke der Heiligung in den regulären Tätigkeiten eines jeden Tages, so wie es sie im Familienleben gibt, am Arbeitsplatz, im Kulturleben und in der Wissenschaft. Mit diesem Werk der Förderung der Heiligkeit aller Glieder des Volkes Gottes ist Josemaria Escrivá einer der Promotoren des II. Vatikanischen Konzils gewesen, das die universale Berufung zur Heiligkeit bekräftigt (vgl. Lumen Gentium Kap. V). Besonders die Laien werden aufgerufen, sich durch ihre Arbeit zu heiligen in der christlichen Umgestaltung der Welt (vgl. Apostolicam actuositatem Kap. IV).
 
Indem er dem Heiligen Geist folgte und sich auf den Willen Gottes gründete, brachte der kirchliche Dienst des Priesters Josemaria Escrivá reiche Frucht. In seinem Leben verwirklichte sich ebenfalls der reiche Fischfang. Bei der Förderung der Berufung aller Christen zur Heiligkeit, ist er selbst heilig geworden. Das wurde von der Kirche anerkannt. Der Heilige Johannes Paul II. sprach ihn am 17. Mai 1992 selig und kanonisierte ihn zum Heiligen der Kirche am 6. Oktober 2002. Es ist eine erhebende Erkenntnis, daß der Papst, der Josemaria Escrivá heiliggesprochen hat, ebenfalls von Papst Franziskus am 27. April 2014 kanonisiert worden ist. Unter den übrigen Früchten, mit denen der gute und barmherzige Gott das Wirken des Priesters Josemaria Escrivá gesegnet hat, ist an das Apostolat des Opus Dei zu erinnern, an das der Frauen, das am 14. Februar 1930 begann, und an die Gründung der Priester-Gesellschaft des Heiligen Kreuzes am 14. Februar 1943. Am Tag des frommen Heimgangs des Priesters Josemaria Escrivá aus dieser Welt zur Ewigkeit am 26. Juni 1975 zählte das Werk mehr als 60.000 Mitglieder aus 80 verschiedenen Nationen. 
 
3. Die Kirche: „Fahr hinaus auf den See!“
 
Das Wort, das an Simon Petrus, an die Apostel, an den Heiligen Josemaria Escrivá gerichtet worden war, wendet sich an die ganze Kirche. Das hat der Heilige Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte mit den Worten unterstrichen: „Zu Beginn des neuen Jahrtausends, während das Große Jubiläum zu Ende geht, in dem wir die zweitausend Jahre zurückliegende Geburt Jesu gefeiert haben, und sich für die Kirche ein neuer Wegabschnitt eröffnet, hallen in unserem Herzen die Worte wider, mit denen einst Jesus, nachdem er vom Boot des Simon aus zur Volksmenge gesprochen hatte, den Apostel aufforderte, zum Fischen auf den See hinauszufahren: »Duc in altum!« (Lk 5,4). Petrus und die ersten Gefährten vertrauten dem Wort Christi und warfen ihre Netze aus. »Das taten sie und fingen eine große Menge Fische« (Lk 5,6)“ Die prophetischen Worte des Heiligen Papstes bleiben sehr aktuell im Heute von Kirche und Welt. „»Duc in altum!« (Fahr hinaus!). Dieses Wort erklingt heute für uns und lädt uns ein, dankbar der Vergangenheit zu gedenken, leidenschaftlich die Gegenwart zu leben und uns vertrauensvoll der Zukunft zu öffnen: »Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit« (Hebr 13,8)“ (NMI 1). 
 
Liebe Brüder und Schwestern, verehrte Mitglieder und Freunde des Opus Dei. Was für die ganze Kirche gilt, gilt auch für Euch, weil ihr ein Werk in der Kirche und von der Kirche seid. Der Herr fordert uns alle auf, ‚auf den See hinauszufahren‘, jeder mit seinen Gaben, den Charismen, die er von Gott persönlich erhalten hat oder als Mitglied der kirchlichen Gemeinschaft oder einer kirchlichen Institution. Euer spezifisches Charisma könnte man mit folgenden Worten des Heiligen Johannes Paul II. beschreiben: „Die Arbeit und alles andere Tun wird mit Hilfe der Gnade zu einem Mittel der täglichen Heiligung“ (Predigt bei der Heiligsprechung am 6. Oktober 2002, 2). Wie auch der Heilige Josemaria Escrivá sagt: „Ich werde nicht müde zu wiederholen, daß wir kontemplative Seelen inmitten der Welt sein müssen, die ihre Arbeit in Anbetung umzugestalten suchen“.  
 
Papst Franziskus bewegt sich auf der gleichen Linie des pastoralen Einsatzes, wenn er alle Christen aufruft, Teil einer Kirche zu werden, die hinausgeht, eine ‚Kirche ‚im Aufbruch‘, „die Gemeinschaft der missionarischen Jünger, die die Initiative ergreifen, die sich einbringen, die begleiten, die Frucht bringen und feiern“ (Evangelii gaudium, 24). Als Vertreter des Heiligen Vaters in der Bundesrepublik Deutschland überbringe ich Euch gerne seine herzlichen Grüße. Ich danke Euch für die vielfältigen geistlichen Werke und die der Caritas, die ihr in Deutschland tut, vor allem in diesem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, um den Menschen beizustehen, die der materiellen und spirituellen Hilfe benötigen. Als Zeichen der geistlichen Einheit mit dem Bischof von Rom und Hirten der Universalkirche erteile ich Euch in seinem Namen am Ende der Heiligen Messe den Apostolischen Segen. 
 
Das Gebot des Herrn Jesus: „Fahr hinaus auf den See. Dort werft eure Netze zum Fang aus“ (Lk 5,4) steht am Beginn der erwähnten Botschaft des Heiligen Johannes Paul II., wie auch im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium von Papst Franziskus. Dort fordert er uns auf, „eine Kirche mit offenen Türen“ zu gestalten, „Zu den anderen hinauszugehen, um an die menschlichen Randgebiete zu gelangen, bedeutet nicht, richtungs- und sinnlos auf die Welt zuzulaufen“ (EG 46). Diese Richtung und dieser Sinn sind die Person Jesu Christi und sein Evangelium des Heils. Auf dem Weg der Evangelisierung unserer säkularisierten Welt sind die Heiligen die ersten Verkünder des Evangeliums. Sie lehren uns, daß das Beispiel des Lebens die unverzichtbare Bedingung dafür ist, um Jünger Jesu Christi zu werden und treue Zeugen des Evangelium, das auch für Menschen von heute eine Gute Nachricht ist. 
 
Vertrauen wir die Erfüllung unserer Betrachtungen der Fürsprache des Heiligen Josemaria Escrivá an und vor allem der seligen Jungfrau Maria, der Königin des Opus Dei, die Euer Gründer mit starker, beständiger, süßer, ergreifender und vertrauensvoller Liebe verehrte. Diese Haltung hat er allen Mitgliedern der geistlichen Familie des Opus Dei vererbt. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns, für das Opus Dei und für die ganze Kirche. 
 
Amen.