16 07 02 Predigt von Nuntius Eterovic bei der Firmung in der Kath. Pfarrkirche St. Otto zu Berlin

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
bei der Spendung der Heiligen Firmung 

Berlin, St. Otto, 2. Juli 2016
 

 
Liebe Schwestern und Brüder, 
liebe Firmlinge!
 
„Komm, Heiliger Geist!“
 
Wir sind heute hier in der Kirche St. Otto versammelt, um die Gabe des Heiligen Geistes auf 29 junge Menschen herabzurufen, die das Sakrament der Firmung empfangen. Ich grüße daher als erstes Euch, liebe Jugendliche, die Ihr ja schon den Geist im Sakrament der Taufe empfangen habt, als Ihr auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft worden seid. Zu diesem Zeitpunkt ward Ihr noch klein und Eure Eltern und Paten haben für Euch die Taufe erbeten und versprochen, Euch im Glauben zu erziehen. Jetzt seid Ihr älter geworden und habt persönlich und frei nach dem Sakrament der Firmung verlangt, mit dem in Euch die Gabe des Geistes vollendet wird. Es handelt sich um ein großes Geschenk Gottes und ist Ausdruck Seiner großen Barmherzigkeit zu Euch. Wie Ihr wisst, begehen wir auf Wunsch des Heiligen Vaters Franziskus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit Gottes. Daher könnt ihr dankbar sein, daß Ihr in diesem Jahr der Gnade das Sakrament der Firmung empfangt. 
 
Liebe Brüder und Schwestern, ich bin der göttlichen Vorsehung dankbar, diese Heilige Messe feiern zu können und den Firmlingen das Sakrament der Firmung zu spenden. Ich tue dies auf Einladung Eures Hirten Heiner Koch, den Erzbischof von Berlin, den ich gleichsam heute vertrete. Ich grüße Euch alle herzlich im Namen des Heiligen Vaters Franziskus, dessen Repräsentant ich in der Bundesrepublik Deutschland bin. Am Ende der Heiligen Messe erteile ich Euch in seinem Namen den Apostolischen Segen. 
 
Jede Firmspendung führt uns idealerweise zurück in den Abendmahlssaal und in die Gemeinschaft mit den Aposteln, der Gottesmutter Maria und mit den anderen Frauen, die dort in der Erwartung des Heiligen Geistes versammelt waren. Auch wir beleben dieses große Fest von Pfingsten, und ich möchte drei Aspekte unterstreichen: 1. die Vorbereitung; 2. Das Kommen des Heiligen Geistes; 3. Das christliche Zeugnis als Frucht des Heiligen Geistes. 
 
1. Die Vorbereitung auf Pfingsten.
 
In der biblischen Erzählung vom Kommen des Heiligen Geistes, die wir in der Apostelgeschichte finden (Apg 2,1-13), können wir drei Haltungen bei den Jüngern und den Frauen, einschließlich Maria, der Mutter Jesu, unterscheiden: den Glauben, die Furcht und das Gebet.
 
Der Glaube. Die Apostel waren in Erwartung, denn sie haben dem Wort Jesu Christi geglaubt: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8). Oder: „Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden“ (Joh 16,7).
 
Die Furcht. Die Apostel befinden sich in einem großen Saal, einem geschützten Raum, in Erwartung, den Heiligen Geist zu empfangen. Dieses Warten schließt auch Momente der Unsicherheit über das Ereignis ein, das sie erwartet haben und über seine Wirkungen, die möglicherweise ihr Leben verändern.
 
Das Gebet. Die Apostelgesichte bezeugt: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern“ (Apg 1,14). Sie haben Gott durch das Gebet vertraut, sei es, daß sich die Verheißung des Geistes erfüllt, seien es ihre Wünsche und Unsicherheiten.
 
Liebe Brüder und Schwestern, liebe Firmlinge. Auch Ihr habt ähnlich Gefühle. Ihr seid in diese Kirche gekommen, weil Ihr im Glauben erfasst habt, daß der Herr sein Versprechen erfüllen wird und den Heiligen Geist über Euch kommen lässt. Zugleich erfahrt Ihr auch eine gewisse Furcht. Wie die Apostel befindet Ihr Euch in einem geschlossenen und geschützten Raum, in dieser Kirche und unter den aufmerksamen Augen Eurer Eltern und Euch lieber Menschen. Aber man fragt sich, was geschieht, wenn Ihr symbolisch aus diesem geschützten Raum heraustretet und selbst für Euer Leben und Euren christlichen Glauben verantwortlich seid? Diese Furcht könnt ihr durch das Gebet besiegen, wie man an den Aposteln sieht. Wir alle, die Mitglieder der Pfarrgemeinde ebenso wie Eure Freunde, haben uns heute hier versammelt, um für Euch im Verlauf dieser Eucharistiefeier zu beten, daß Euer Vertrauen in den guten und barmherzigen Gott bestärkt werde. Wir versprechen Euch, auch in Zukunft für Euch zu beten. Der Christ ist nie allein! Er ist Mitglied einer Gemeinschaft des Glaubens, er ist verbunden mit den Schwestern und Brüder, deren gemeinsame Kraft das Gebet ist. 
 
2. Das Kommen des Heiligen Geistes.
 
Die Apostel haben den Heiligen Geist empfangen in Gestalt von Feuerzungen, die sich auf jeden von ihnen im Abendmahlssaal niedergelassen hat. Dieses Ereignis wird von einem Brausen und von starkem Wind begleitet (vgl. Apg 2,1-4). An dieses Brausen kann Euch heute der Klang unserer Stimmen erinnern, die sich zum Gebet und besonders zum Gesang vereinen. Denn der Heilige Geist kommt nicht in Feuerzungen zu Euch, sondern durch zwei bedeutende Gesten, die sich in der Mitte des Sakramentes der Firmung wiederfinden:
 
a) Die Auflegung der Hände, eine Geste, mit denen die Apostel den Heiligen Geist ihren Jüngern weitergegeben haben. In der Heiligen Schrift finden wir oft diesen Gestus, mit dem der Heilige Geist für das christliche Leben oder für eine bestimmte kirchliche Mission mitgeteilt wird. Jesus selbst legt Kindern die Hände auf und betet für sie (vgl. Mt 19,13-15). Er wiederum hat diese Gabe seinen Jüngern versprochen, durch welche „die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden“ (Mk 16,18).
 
b) Die Salbung mit dem Chrisamöl. Auch diesen Gestus finden wir oft in der Bibel des Alten und Neuen Testamentes. So wurden die Propheten, die Priester und die Könige gesalbt. Für uns Christen ist von großer Bedeutung zu wissen, daß Jesus auf sich die Worte des Propheten Jesaja bezogen hat: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe“ (Lk 4,18-19). Der Name Jesus Christus bedeutet Messias, der Gesalbte. Wir sind Christen, von Christus her, weil auch wir mit dem heiligen Chrisam gesalbt worden sind. Diese Salbung bringt einen unauslöschlichen Charakter mit sich, der für immer bleibt. Das zeigt Gottes Entschluss, immer mit uns zu bleiben. Auch wenn wir uns von Ihm entfernen mögen, entfernt Er sich niemals von uns, sondern er wird uns immer suchen und erst zufrieden sein, wenn er uns gefunden hat und wie ein verlorenes und wiedergefundenes Schaf auf seinen Schultern trägt (vgl. Lk 15,1-7). 
 
3. Die Wirkungen des Heiligen Geistes.
 
Mit dem Sakrament der Firmung empfangt Ihr den Heiligen Geist. Er wird traditionell mit sieben Gaben angezeigt: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht (vgl. KKK 1831). Ich nehme an, daß Ihr diese Gaben während des Vorbereitungskurses auf die Firmung behandelt habt. Daher möchte ich nicht bei ihnen verweilen, sondern vielmehr drei Haltungen unterstreichen, die Früchte des Heiligen Geistes und sehr wichtig für den christlichen Glauben sind: der Glaube, die Gabe der Sprachen und das Zeugnis.
 
a) Der Glaube. Ihr habt das Sakrament der Firmung erbeten, denn Ihr glaubt an Jesus Christus und an sein Heilswort. Wir müssen jedoch erkennen, daß wir alle zerbrechlich sind, daß wir oft Zweifel haben, daß unser Glaube schwach ist. Wie einst die Jünger Jesus gebeten haben, so müssen auch wir bitten: „Stärke unseren Glauben!“ (Lk 17,5). Und im Sakrament kommt Euch der Heilige Geist zu Hilfe und stärkt Euren Glauben. Liebe Firmlinge, der Glaube ist eine große Gabe Gottes. Wirkt zusammen mit der Gnade Gottes, damit dieses Geschenk in Euch immer lebendig bleibt und reiche Frucht bringt. In unserer säkularisierten Welt, in der viele leben, als gäbe es Gott nicht, seid Ihr gerufen, Menschen des Glaubens zu sein, das heißt, Männer und Frauen, die um das Geheimnis des Lebens wissen, das von Gott kommt; daß nämlich das Glück der Menschen darin besteht, mit Gott zu leben und so, wie Er es uns in den 10 Geboten zeigt; daß die Fülle der Verwirklichung des Menschen im ewigen Leben erreicht wird, das Leben in vollkommener Einheit mit Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist und in der Gemeinschaft mit allen Heiligen.
 
b) Die Gabe der Sprachen. Die Apostel haben dank der Gabe des Heiligen Geistes in verschiedenen Sprachen gesprochen, um die Gute Nachricht an alle Menschen, die in Jerusalem waren,  zu verkünden, das Leben, den Tod und die Auferstehung des Herrn Jesus Christus. Auch heute spricht die Kirche als große Familie der Gläubigen in der Welt in allen Sprachen. In unserer Stadt Berlin leben Menschen aus 189 Nationen; auch die Katholiken gehören 174 verschiedenen Nationen und Sprachen an, und sie alle beten und loben Gott in ihrer eigenen Sprache. Es gibt aber eine Sprache, die alle Menschen umfasst; das ist die Sprache der Liebe, wie uns der Herr Jesus lehrt und welche in der Liebe zu Gott und zum Nächsten zusammengefasst ist. Der Nächste, das sind alle Menschen, die unsere spirituelle und materielle Hilfe nötig haben. Das sind alle, die Gott und den Sinn des Lebens suchen. Das sind aber auch die vielen Flüchtlinge, die an die Türen unserer Länder, Städte und Herzen klopfen und Aufnahme und Hilfe erbitten.
 
c) Das Zeugnis. „Ihr werdet meine Zeugen sein!“ (Apg 1,8) hat der Herr Jesus den Aposteln vor seiner Himmelfahrt gesagt. Liebe Firmlinge, Ihr habt den Heiligen Geist empfangen, um Zeugen des Herrn Jesus zu werden. Ihr seid gerufen, Seine Zeugen in unserer säkularisierten Welt zu sein. Von Euch wird erwartet, als Christen in Euren Familien zu leben; jeden Tag alleine und mit den Familienmitgliedern zu beten; die Heilige Messe an Sonn- und Feiertagen mitzufeiern; oft in der Heiligen Schrift zu lesen (wenigstens ein kurzes Stück jeden Tag, wie es uns Papst Franziskus empfiehlt); Werke der Nächstenliebe zu tun und den Hilfsbedürftigen, den Armen, den Immigranten und den Alten zu helfen. Mit einem solchen Lebensstil bezeugt Ihr Jesus Christus und betet ihn in Euren Herzen an. Und so seid ihr „bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15).
 
Die Gottesmutter Maria war mit den Aposteln im Abendmahlssaal von Jerusalem, als der Heilige Geist gekommen ist. Ihr, der Mutter Jesu und unserer Mutter, vertrauen wir unsere Firmlinge an, damit sie immer dem Heiligen Geist, den sie heute empfangen haben, gehorsam bleiben und auf daß sie überzeugte Jünger Jesu und Missionare seines Evangeliums werden, wie es der Heilige Vater von uns allen erhofft. 
 
Amen.