16 07 04 Predigt von Nuntius Eterovic in der Propsteikirche Herz Jesu zu Lübeck

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović

Propsteikirche Herz-Jesu zu Lübeck, 4. Juli 2016


 
„Hab keine Angst …. Dein Glaube hat dir geholfen“ (Mt 9,22).
 
Verehrter Propst Mecklenfeld, 
liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst und liebe Ordensleute, 
liebe Brüder und Schwestern!
 
Es ist mir eine große Freude, heute hier in Lübeck in der Propsteikirche Herz Jesu mit Euch die Heilige Messe zu feiern. Ich bin an dem Ort, wo drei der Lübecker Märtyrer als Kapläne gewirkt haben: Hermann Lange, Eduard Müller und Johannes Prassek. An sie wird in der Krypta erinnert, und auch an den evangelischen Pastor der Lübecker Lutherkirche Karl Friedrich Stellbrink, der gemeinsam mit den Priestern am 10. November 1943 in Hamburg hingerichtet wurde. So unterschiedlich sie als Menschen, in ihrem jeweiligen Charakter und in ihrer Herkunft auch waren, so vereint waren sie im Zeugnis für Jesus Christus, den sie als „den Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) bis in den Tod verkündet haben. Sie waren sicher nicht frei von Furcht vor dem Tod. Aber sie haben in Beziehung mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus gelebt, der Ihnen in der Todeszelle im Hamburger Gefängnis am Holstenglacis sagen lässt: „Hab keine Angst“ (Mt 9,22). Und tatsächlich, die Abschiedsbriefe der Lübecker Märtyrer zeugen von einer tiefen Glaubensfreude und Gelassenheit. In der Nachfolge Jesu Christi bezeugen sie den Sieg des Glaubens über die Gewalt von Krieg und Ideologie: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16.33).
 
Die Wirkung ihres Martyriums ist bis heute ungebrochen. Erinnern möchte ich an die aus Kiel stammende Schwester Magdala Lewandowski OP, die an diesem Ort und bei den Lübecker Märtyrern ihre Berufung als Ordensfrau und Missionarin gefunden hat und dafür ihr bürgerliches Leben und ihren Beruf aufgab. Sie ging als Missionsdominikanerin in das heutige Simbabwe und wurde in den Wirren des Bürgerkrieges am 6. Februar 1977 in Musami umgebracht. Jedem, der um Christi Willen verfolgt worden ist, wird das Tor zum Himmelreich aufgetan, wo der Herr Jesus sagt: „Dein Glaube hat dir geholfen“ (Mt 9,22). 
 
Tage vor der Hinrichtung der Lübecker Märtyrer hat sich mein verehrter Vorgänger als Apostolischer Nuntius in Deutschland, Cesare Orsenigo, darum bemüht, daß die Todesurteile aufgehoben werden. Vergeblich. Am ihrem Todestag wollte er vom Bischof von Osnabrück, dem unvergessenen Mons. Wilhelm Berning nähere Einzelheiten erfahren. Auch wenn all dies erfolglos geblieben ist, zeigt sich doch in schöner Klarheit, dass die Gemeinschaft der Kirche in Zeiten der Not zusammensteht. Und deswegen freue ich mich, als Repräsentant des Bischofs von Rom und Obersten Hirten der Weltkirche in der Bundesrepublik Deutschland, Ihnen heute die herzlichen Grüße des Heiligen Vaters Franziskus überbringen zu können. Am Ende dieser Heiligen Messe erteile ich Ihnen allen gerne in seinem Namen den Apostolischen Segen. 
 
Die Nationalsozialisten haben nichts unversucht gelassen, die Erinnerung an die Lübecker Märtyrer auszulöschen. Nichts von ihnen sollte bleiben. Sie sollten vergessen werden. Doch auch wenn sie ihre Körper verbrannten, ihre Briefe unterschlugen und jedes Wort über sie verboten, die Gläubigen haben sie nicht vergessen. Im Gegenteil! Sie haben sie verehrt und das Gedächtnis an sie bewahrt. Am 25. Juni 2011, vor fünf Jahren also, wurden die drei Priester hier in Lübeck seliggesprochen und Pastor Stellbrink geehrt. 
 
Ihr Lübecker Märtyrer, bittet für uns, damit wir auf die Fürsprache der Königin der Märtyrer, der seligen Jungfrau Maria, immer treue Zeugen Jesu Christi und seines Evangeliums bleiben und die Wahrheit des Gotteswortes: „Hab keine Angst … Dein Glaube hat dir geholfen“ in unserem Leben erfassen.
 
Amen.