16 07 11 Predigt von Nuntius Eterovic zur 1.200-Jahrefeier der Klostergründung Münsterschwarzach

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am Fest des Heiligen Benedikt von Nursia 
und anlässlich der 1.200-Jahrfeier der Klostergründung

Münsterschwarzach, 11. Juli 2016


 
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
 
Verehrter Vater Abt Michael Reepen OSB, 
liebe benediktinische Klostergemeinschaft von Münsterschwarzach, 
liebe Brüder und Schwestern, besonders liebe Jugendliche!
 
Die liturgische Feier der 1.200-Jahrfeier benediktinischen Lebens an diesem Ort ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, um dem dreieinen Gott zu danken (1), um einen herzlichen Dank an die verdienstvolle Gemeinschaft der Benediktiner von Münsterschwarzach zu richten (2) und um den Segen des Herrn für eine noch fruchtbarere Zukunft im Lob Gottes und im Dienst am Nächsten herabzurufen. 
 
1. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist!
 
Das ganze benediktinische Leben ist wie jedes monastische Leben hin geordnet auf die Suche nach Gott, der sich offenbart hat, aber unergründlich in seinem unaustrinkbaren Geheimnis bleibt. Der sicherste Weg, um Gott zu begegnen und kennenzulernen, ist Jesus Christus. Er selbst hat gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Durch seine Menschheit – denn Jesus ist wahrer Mensch, das fleischgewordene Wort (vgl. Joh 1,14) – sind wir aufgerufen, seine Göttlichkeit zu erkennen, so wie die drei Jünger auf dem Berg Tabor (vgl. Mt 17,1-8). Jesus selbst offenbart uns das Angesicht Gottes, seines Vaters: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen“ (Joh 14,6-7). Jesus Christus gibt uns die Fülle des Heiligen Geistes (vgl. Joh 3,34), den Geist der Wahrheit, der uns „in die ganze Wahrheit führt. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird“ (Joh 16,13). Die drei Personen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit sind die Einheit in der Liebe und im Wirken. Indem er sich auf das Werk des Geistes bezieht, sagt Jesus: „Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden“ (Joh 16,14-15).
 
Der Heilige Benedikt hat die zentrale Bedeutung Jesu Christi für das Leben jedes Christen und vor allem der Mönche unterstrichen, die der Berufung zu einem Leben in Vollkommenheit über die Evangelischen Räte des Gehorsams, der Keuschheit und der Armut folgen. Er fordert dazu auf, nichts der Liebe zu Jesus Christus vorzuziehen, wenn er sagt: „Nihil amori Christi praeponere“. Seine Schüler sind dem Charisma des Heiligen Benedikt, dem Gründer des Benediktinerordens, gefolgt. Sie waren bestrebt, diese Maxime in ihrem persönlichen und gemeinschaftlichen Leben in die Praxis umzusetzen. Und unter diesem Anspruch leben die Mönche durch viele Generationen auch an diesem Ort, so daß nunmehr die beachtliche Periode von 1.200 Jahren erfüllt ist. Daher danken wir dem guten und barmherzigen Gott, indem wir den Lobpreis wiederholen, der eingemeißelt in die spirituellen Steine dieser bekannten Benediktinerabtei von Münsterschwarzach ist: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
 
Ich danke Vater Abt Michael für die Einladung, dieser feierlichen Eucharistie vorzustehen, die in einer Feier zwei Feste vereint: das Fest des Heiligen Benedikt und die Feier von 1.200 Jahren benediktinischer Präsenz an diesem gesegneten Ort. Die Eucharistie ist tatsächlich die beste Weise, um Gott dem Vater für das Geschenk Seines eingeborenen Sohnes Jesus Christus in der Gnade des Heiligen Geistes zu danken. In ihr fließt jedes Gnadenwirken, das persönliche und das gemeinschaftliche, zusammen und in besonderer Weise das der verdienten Mönchsgemeinschaft. Ich übermittle Euch die herzlichen Grüße des Heiligen Vaters Franziskus, des Bischofs von Rom und Hirten der Universalkirche. Beten wir für ihn und seinen wichtigen Dienst für die Einheit der Kirche in der Vielfalt der Gaben, der Charismen, der geistlichen, liturgischen und disziplinarischen Ausdrucksformen. In seinem Namen werde ich Euch allen am Ende der Heiligen Messe den Apostolischen Segen spenden. Dies sei das Zeichen unserer Einheit mit Papst Franziskus, der als Bischof von Rom „der universalen Gemeinschaft in der Liebe vorsteht“ (LG 13). In dieser geistlichen Gemeinschaft mit dem obersten Pontifex, der das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen hat, sind wir alle gerufen, das wahre Antlitz Gottes zu entdecken, denn Gott ist „ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue“ (Ex 34,6). Bei diesem Prozess der geistlichen Reife wird man von Jesus Christus geführt. Er offenbart auch uns das barmherzige Antlitz Gottes des Vaters und erwartet von uns: „Seid barmherzig, wie auch Euer himmlischer Vater barmherzig ist“ (Lk 6,36). 
 
2. Dank an die Benediktiner von Münsterschwarzach.
 
Liebe Brüder, im Namen der ganzen Kirche danke ich Euch von Herzen für 1.200 Jahre der Treue zu Gott und für Eure Ausdauer in der Anstrengung, das benediktinische Charisma zu leben. Trotz aller Schwierigkeiten im Orden selbst und durch äußere kirchliche und soziale Faktoren seid Ihr dem Ideal Eures heiligen Gründers Benedikt, dem Vater des abendländischen Mönchtums, treu geblieben. Er hat einen starken Fußabdruck der Erneuerung der Kirche und zum Aufbau einer europäischen Zivilisation, die auf christliche Wurzeln gegründet ist, hinterlassen. Im Zentrum seiner Aufmerksamkeit stand das Wort Gottes, dessen meditative Lesung leichter die Anwendung auf das persönliche und gemeinschaftliche Leben im Alltag erlaubt. Das Wort Gottes wurde vor allem durch die Liturgie übermittelt, die sich im mit dem Rhythmus der Arbeit abwechselt und so ein intensives Klima der brüderlichen Liebe und des gegenseitigen Dienstes schafft und sich auch auf die Menschen erstreckt, die geistliche und materielle Hilfe nötig haben. 
 
Ora et labora ist die Synthese Eures Charismas und Eures Dienstes an der Kirche und der Gesellschaft. Ihr gebt ein konkretes Beispiel der Wirksamkeit des Wortes des Herrn Jesus: „Jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen“ (Mt 19,29). Dank für Eure großherzige Antwort auf den Ruf des Herrn, das Ideal des monastischen Lebens zu leben. Danke für das Lebenszeugnis vor jedem Wort, daß es schön ist, Jesus Christus zu folgen, der das Verlassen der materiellen Güter nicht allein mit dem ewigen Leben lohnt, mit der Seligkeit in der Gemeinschaft mit Gott und aller Heiligen, sondern auch mit dem Glück in dieser Welt. Schon hier kann man durch die Gnade des Heiligen Geistes „hundertfach“ in erster Linie die geistlichen Güter empfangen, aber auch die nötigen materiellen Dinge, die dazu dienen, Euer Charisma in Kirche und Gesellschaft gut zu erfüllen. Danke für Eure Anstrengung, die Gute Nachricht auch in unserer säkularisierten Welt zu verbreiten, wofür ihr auch die modernen sozialen Kommunikationsmittel anwendet, besonders die Mittel spiritueller und theologischer Publikationen, womit ihr mehr Menschen erreicht, als normalerweise die Kirche besuchen. Einen besonderen Dank verdient Euer Mut, Euer benediktinisches Charisma von dieser Abtei aus in verschiedenen europäischen, vor allem deutschsprachigen Ländern und auf anderen Kontinenten zu verbreiten: in Afrika: Tansania, Südafrika, Kenia, Uganda, Sambia und Togo; in Amerika: die Vereinigten Staaten, Venezuela, Kolumbien und Kuba; in Asien: Südkorea, Philippinen. Herzlichen Dank auch für Euer Engagement auf dem Gebiet der Bildung und Erziehung, besonders im Egbert-Gymnasium, das etwa 850 Schülerinnen und Schüler besuchen. Liebe Jugendliche, ich danke Euch für Euer zahlreiches Erscheinen. Heute füllt ihr diese schöne Kirche und gebt ihr ein besonders jugendliches Gesicht. Ihr seid Zeichen der Gegenwart und Hoffnung der Zukunft auch für diese Abtei. Im Licht der doppelten Feier am heutigen Tag ermahne ich Euch, immer offen für Jesus Christus und seine Gnade zu bleiben. Wenn Gott jemanden von Euch zu einem besonderen Dienst ruft, der zum Priestertum führt oder zu einem Leben, das erfüllt ist vom Lob Gottes und dem Dienst am Nächsten, wie es geschehen ist bei Euren Lehrern aus dem Kreis der Benediktiner, habt keine Furcht, großherzig darauf zu antworten. Ihr sollt wissen, Gott wird „hundertfach“ Eure Großherzigkeit und Opfer lohnen.      
 
3. Mit Vertrauen in die Zukunft.
 
Liebe Benediktinerpatres und Brüder, unser Dank an Gott und an Euren verdienstvollen Orden lenkt unsere Gedanken und unsere Gebete auf die Zukunft. Sie gehört Gott und uns, wenn wir ihm treu bleiben, bereit, seinen heiligen Willen in den unterschiedlichen kulturellen und sozialen Umständen unserer Zeit zu erfüllen. Die Welt und vor allem unser Europa hat Euch und Euer Charisma nötig! Euer Orden war einmal weit auf dem ganzen europäischen Kontinent verbreitet. Die Benediktinerklöster waren Orte des Gebets und der Arbeit, der Förderung von Mensch und Kultur, der Gastfreundschaft für die Armen und die Pilger. Aufgrund dieses großen Beitrags zum Geist und zur Kultur Europas hat der Selige Paul VI. am 24. Oktober 1964 den Heiligen Benedikt zum Patron Europas erklärt. Das Werk des Heiligen Benedikt und seiner Söhne ist auch heute noch in einem Europa in der Krise aktuell, das mit verschiedenen Schwierigkeiten konfrontiert ist, nicht zuletzt mit der Flüchtlingsfrage. Der Heilige Vater Franziskus hat die Herausforderungen der Europäer kürzlich so beschrieben: „Über die sichtbaren Mauern hinaus verstärken sich auch die unsichtbaren, welche dazu neigen, diesen Kontinent zu spalten. Mauern, die sich in den Herzen der Menschen aufrichten. Mauern, die aus Angst und Aggression, aus Mangel an Einfühlungsvermögen für die Menschen verschiedener Herkunft und religiöser Überzeugungen errichtet werden. Mauern des politischen und wirtschaftlichen Egoismus, ohne Respekt für das Leben und die Würde jedes Menschen“ (Videobotschaft des Heiligen Vaters an die Teilnehmer der Begegnung Miteinander für Europa, 2. Juli 2016). Europa hat einen starken geistlichen Beitrag nötig. Ein Europa ohne Grenzen und mit freiem Warenverkehr, wie es das in der Europäischen Union gibt, genügt nicht. Diese materiellen Dinge allein sind nicht in der Lage, das andere Ideal der Einheit Europas aufrecht zu erhalten, vor allem nicht für die Jugend. Es gilt, ein Europa des Geistes voranzubringen, wenigstens den kleinsten gemeinsamen kulturellen Nenner zu finden, den es aber auf unserem Kontinent nicht ohne seine christlichen Wurzeln gibt. Bei diesem dringenden Werk haben die Christen, welche die Mehrheit der europäischen Bevölkerung bilden, einen ganz besonderen Platz. Auch wenn es nicht mehr so viele Eurer Klöster in Europa wie in der Vergangenheit gibt, so könnt Ihr Benediktiner dennoch einen wertvollen Beitrag mit Eurem Charisma leisten, wie es die Früchte im Verlauf der Jahrhunderte gezeigt haben. 
 
Vertrauen wir unsere Überlegungen der Fürsprache des Heiligen Benedikt, aller Heiligen des Benediktinerordens und vor allem der seligen Jungfrau Maria an, die so sehr in Eurem Orden verehrt wird. Auf ihre Fürsprache möge der gute und barmherzige Gott in seiner Kirche viele und heilige Berufungen zum monastischen Leben wecken. Auf diese Weise wird die Feier Eurer fruchtbaren 1.200jährigen Gegenwart in Münsterschwarzach zum Ausgangspunkt für eine noch herrlichere Gegenwart zum Lobe Gottes und zum Dienst an den Menschen. Voll Vertrauen und mit erneuertem Glauben loben wir gemeinsam den allmächtigen und barmherzigen Gott: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.

Amen.