16 09 11 Predigt des Nuntius in der Wallfahrtskirche Maria Beinberg in Weilach

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
anläßlich des Patronatsfestes Maria Geburt

Wallfahrtskirche Maria Beinberg zu Weilach, 11. September 2016
 

 
„Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären“ (Mt 1,23).
 
Liebe Brüder und Schwestern! 
 
Wir sind als Pilger in das Heiligtum der Wallfahrtskirche Maria Beinberg gekommen, um der seligen Jungfrau Maria unsere Liebe und Verehrung zum Ausdruck zu bringen und um sie um ihren Schutz für uns, für unsere Familien, für die Katholische Kirche in Deutschland und auf der ganzen Welt zu bitten. Auch ich bin von Berlin als Pilger zu diesem Wallfahrtsort gekommen. Ich möchte der Fürsprache der Muttergottes und unserer Mutter meinen kirchlichen Dienst anvertrauen, den ich in der Bundesrepublik Deutschland ausübe. Ich erfülle meine Mission im Auftrag des Heiligen Vaters Franziskus, des Bischofs von Rom und Hirten der Universalkirche. Es freut mich, Euch alle hier in seinem Namen zu grüßen, aber auch die Menschen, die Euch lieb sind, besonders die Kranken, die Alten und jene, die aus irgendeinem Grund nicht zu dieser Eucharistiefeier kommen konnten. In besonderer Weise grüße ich Euren Herrn Pfarrer, Hochwürden Michael Menzinger, und danke ihm für die freundliche Einladung. Am Ende der Heiligen Messe erteile ich allen im Namen des Heiligen Vaters den Apostolischen Segen. 
 
Das Wort Gottes stellt uns die Rolle der seligen Jungfrau Maria in der Heilsgeschichte vor. Das Matthäusevangelium beginnt mit der Genealogie, dem „Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“ (Mt 1,1) und die Namensliste endet mit Josef, „dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird“ (Mt 1,16). Daher ist Maria engstens mit Jesus verbunden. Alles, was Sie von der Gnade Gottes empfangen hat und alles, was Sie unter Führung des Heiligen Geistes getan hat, ist mit ihrem Sohn und unserem Herrn Jesus Christus verbunden. Maria ist groß, sie verdient unsere Verehrung, weil sie die Mutter Jesu Christi geworden ist. Alle liturgischen Marienfeste führen uns zu Jesus, der gebenedeiten Frucht ihres Leibes. Auch das Geburtsfest der seligen Jungfrau Maria führt uns dazu, die Geburt Jesu Christi zu betrachten. Die Geburt Mariens ist wie die Morgenröte, die das Kommen Jesu Christi ankündigt, „das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens“ (Lk 1,78-79). 
 
Wir sind offen für den Heiligen Geist, der uns zur Einsicht des Gotteswortes führt, wie auch zum christlichen Glauben, und entdecken in Maria zwei Haltungen, die jeden Christen auszeichnen sollten: Demut und Gehorsam. Wenn wir auf diese Weise leben, können wir das Werk Mariens fortsetzen, das heißt helfen, daß Jesus in den Herzen der Menschen, denen wir auf unserem Lebensweg begegnen, geboren wird. 
 
1. Die Demut
 
Die selige Jungfrau Maria bietet uns ein ausgezeichnetes Beispiel der Demut. Voll des Heiligen Geistes preist sie Gott, ihren Erlöser: „Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut“ (Lk 1,48). Gott hat die Demut der Jungfrau aus Nazareth gefallen und er wollte sie erhöhen, wie Sie selbst bekennt: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten“ (Lk 1,48-50). 
Auch die erste Lesung aus dem Buch des Propheten Micha unterstreicht die Demut Mariens wie auch von Bethlehem, dem Ort, in dem er lebte. Aber dieser in den Augen der Welt unbedeutende Ort am Rande nicht nur des römischen Imperiums, sondern auch am Rande von Israel, wird den Messias hervorbringen: „Aber du, Betlehem-Efrata, so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll“ (Mi 5,1). Der Prophet betont auch die Rolle einer Frau, durch welche die Befreiung von der Macht der anderen kommen wird, wenn „die Gebärende einen Sohn geboren hat. Dann wird der Rest seiner Brüder heimkehren zu den Söhnen Israels“ (Mi 5,2). Die christliche Tradition hat in dieser Prophetie zurecht die Ankündigung der Mutterschaft Mariens gesehen, die der Welt Jesus Christus geboren hat, den Messias, der vom Volk Israel und den Menschen erwartet wurde. Diese universale Dimension des Herrn Jesus scheint auch in den Worten des Propheten auf: „Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn, im hohen Namen Jahwes, seines Gottes. Sie werden in Sicherheit leben; denn nun reicht seine Macht bis an die Grenzen der Erde. Und er wird der Friede sein“ (Mi 5,3-4). 
Jeder Christ sollte demütig wie Maria sein, denn er weiß, daß er alle Gaben von Gott empfangen hat (vgl. 1 Kor 1,7). In der Logik des Evangeliums erhöht Gott in dem Maß unserer Demut. Das gilt für jeden Menschen, wie für jede kirchliche Gemeinschaft. 
 
2. Der Gehorsam
 
Die Ankündigung des Engels Gabriel, daß sie die Mutter Jesu werde, beantwortet Maria mit den Worten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Diese Worte spiegeln die Haltung des Gehorsams Mariens angesichts von Gottes Willen wider. Aus der Frage an den Engel: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ (Lk 1,34) ersieht man, daß Maria die Bedeutung der Worte des Engels Gabriel, des Boten Gottes, verstehen wollte. Der Engel hat eine zweifache Antwort gegeben. Die erste ist theologischer Natur: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden“ (Lk 1,35). Die zweite ist mehr praktischer Art, die man verifizieren kann und welche sich auf ihre Cousine Elisabeth bezieht, die „in ihrem Alter einen Sohn empfangen hat; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich“ (Lk 1,36-37). Die Begründung des Engels Gabriel hilft, in das Geheimnis Gottes einzutreten, aber sie ermahnt zugleich zur Annahme, an das sich Binden an das Projekt der göttlichen Liebe, welche die Kategorien der menschlichen Intelligenz übersteigt. Im Laufe des irdischen Lebens Jesu hat Maria dieses Lebensmodell befolgt. Auch wenn sie das Handeln Jesu nicht bis ins Letzte verstanden hat, so zum Beispiel als der Zwölfjährige in Jerusalem zurückblieb und vor allem während seines Leidens, ist Maria immer bei ihrem Sohn geblieben und hat im Glauben das Verhalten Jesu und den Willen Gottes, den Er erfüllen wollte, angenommen. 
 
Liebe Brüder und Schwestern, wenn auch wir dem Beispiel Mariens folgen, müssen wir Gott gehorchen. Sein Wille entspricht nicht immer dem unseren. Zum Beispiel hat uns Jesus versprochen, daß unsere Gebete stets erhört werden: „Alles, was ihr im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt“ (Mt 21,22). Es gibt aber Bedingungen: Damit das Gebet erhört wird, muss es mit Glauben geschehen und muss mit dem Geist des Evangeliums übereinstimmen, das Jesus Christus verkündet hat. In jedem Fall müssen wir wie Maria bereit sein zu akzeptieren, dass nicht unser Wille geschehe, sondern Gottes, wie es uns Jesus Christus lehrt. Im dramatischen Moment seines Lebens hat er Gott seinen Vater gebeten: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen“ (Lk 22,42). Gott hat dieses Gebet auf exzellente Weise erhört, nicht dadurch, daß er ihm den Skandal des Kreuzes erspart hat, sondern vielmehr, indem die Schmach des Kreuzes besiegt wurde, als er Seinen Sohn auferweckte und ihn zum „Erstgeborenen der Toten“ (Kol 1,18) gemacht hat. 
 
3. Die Mutterschaft der Gläubigen
 
Die selige Jungfrau Maria hatte das einzigartige Privileg, die Mutter Jesu zu sein, des Menschen und Gott nach der Prophetie: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns“ (Mt 1,23). Daher wird sie zurecht vom gläubigen Volk die Gottesmutter genannt. Wegen dieser Berufung verdient sie eine besondere Verehrung der Gläubigen. Es gibt aber die spirituelle Mutterschaft, die jeder Christ ausüben soll. Sie drückt sich darin aus, anderen den Glauben an Gott den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist zu vermitteln. Es handelt sich um eine geistliche Zeugung im Glauben. Der hervorragende Ort dieser Zeugung ist die Familie, die Hauskirche genannt wird (vgl. LG 11). Liebe Eltern, übt diese Mission mit Freude aus, wenn ihr Euren Kindern den Schatz des christlichen Glaubens erschließt. Tut dies nicht nur mit Worten, die wichtig sind, aber vor allem durch das Beispiel Eures christlichen Lebens. Betet jeden Tag mit Euren Kindern, nehmt gemeinsam an der Heiligen Messe an den Sonn- und Feiertagen teil. Auch die anderen Christen sollen an dieser mütterlichen Mission der Kirche teilhaben. Papst Franziskus wird nicht müde zu wiederholen, daß jeder Christ ein Schüler Jesu und ein Missionar des Evangeliums sein muss, der Guten Nachricht auch für die Menschen von heute. Um diese Mission zu erfüllen, die jedem Getauften eigen ist, müssen wir die Tugenden der Demut und des Gehorsams nach dem Beispiel der Jungfrau Maria leben. 
 
Sie möge mit ihrer mächtigen Fürsprache von Ihrem Sohn Jesus, der unser Bruder und Herr ist, die Gabe erwirken, daß wir auf persönlicher, familiärer und sozialer Ebene überzeugte Christen sind. An sie richten wir unser Gebet: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes“.
 
Amen.