16 09 26 Predigt von Nuntius Eterovic in der Heiligen Messe bei Missio München

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am Gedenktag der Hll. Kosmas und Damian
 
missio München, 26. September 2016
 

 
„Wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß“ (Lk 9,48).
 
Liebe Brüder und Schwestern! 
 
Heute ist der liturgische Gedenktag der Heiligen Kosmas und Damian, Märtyrer, Ärzte, die unentgeltlich geholfen haben. Nach einer alten Tradition erlitten sie das Martyrium in Cirus in Syrien und ihre Verehrung, die im 4. Jahrhundert begann, ist in der ganzen Kirche verbreitet. Papst Felix IV. (525-530) hat den beiden Märtyrern in Rom eine Basilika errichten lassen. Ihre beiden Namen sind auch im Römischen Messkanon enthalten.
 
Ich freue mich, diese Heilige Eucharistie im Gedenken an die beiden Ärzte mit Ihnen zu feiern, die ihr Leben dem Lob Gottes und dem Dienst am Nächsten geweiht haben, besonders an den ganz Armen, die nicht in der Lage waren, ihre notwendige medizinische Behandlung zu bezahlen. Die Haltung der beiden Heiligen Kosmas und Damian zeigt in konkreter Weise auch, daß die Caritas wesentlich mit dem Evangelium verbunden ist und daß sie schon in den ersten Zeiten der Kirche praktiziert wurde.
 
Ich grüße sehr herzlich besonders Mons. Wolfgang Huber, den Präsidenten von missio München und danke ihm herzlich für die Einladung. Gerne übermittle ich Ihnen allen die herzlichen Grüße des Heiligen Vaters Franziskus, den ich die Ehre habe, in der Bundespublik Deutschland zu vertreten. Als Zeichen der Einheit mit dem Bischof von Rom und der Gemeinschaft mit dem Hirten der Universalkirche erteile ich im Namen von Papst Franziskus am Ende der Heiligen Messe den Apostolischen Segen.
 
Das Wort Gottes, besonders das Evangelium, das wir gehört haben, hilft uns den Zusammenhang zu verstehen, in dem die missionarische Tätigkeit der Kirche (1) und die Haltung, mit der die Gute Nachricht zu verkünden ist (2), stehen.
 
1. Der universale Heilswille
 
Jesus Christus lehnt die enge Sicht des Johannes ab, der, als er einen Menschen im Namen des Herrn Dämonen austreiben sieht, ihn daran hindern wollte, weil er nicht Teil ihrer Gruppe war. Die Antwort Jesu ist klar und wichtig für die Tätigkeit der Kirche zu allen Zeiten: „Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch“ (Lk 9,50). Im Evangelium des Markus finden wir eine andere Nuance in der Antwort des Herrn Jesus: „Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“ (Mk 9,39-40). Die Geistesgröße Jesu muss von seinen Jüngern geteilt werden und muss also die Vision der ganzen Kirche sein. Diese Bedeutung haben die Worte Jesu: „Wer nicht gegen euch ist, der ist für euch“ und „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“.
 
Diese Worte lassen uns an ein bekanntes Wort des Heiligen Paulus im 1. Brief an Timotheus denken: „Das ist recht und gefällt Gott, unserem Retter; er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,3-4). In seiner großen Güte und Barmherzigkeit will Gott, daß alle Menschen gerettet werden. Ihm allein sind die Wege bekannt, auf denen auch die nicht getauften Menschen, die aber danach streben, nach ihrem Gewissen zu leben, das Heil erlangen können. Zugleich bleibt das Gebot des auferstandenen Herrn vor seiner Himmelfahrt gültig: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Mk 16,15-16). Das II. Vatikanische Konzil hat bestätigt, daß die „Kirche zum Heile notwendig sei. Christus allein ist Mittler und Weg zum Heil, der in seinem Leib, der Kirche, uns gegenwärtig wird; indem er aber selbst mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont hat (vgl. Mk 16,16; Joh 3,5), hat er zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Türe eintreten, bekräftigt“ (LG 14). Mit der missionarischen Tätigkeit helfen die Christen den Menschen, die noch nicht die Person Jesu Christi und sein Evangelium kennen, „zur Erkenntnis der Wahrheit“ (1 Tim 2,4) zu gelangen. Er selbst definiert sich als „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn verändert das persönliche, familiäre und soziale Leben der Getauften grundlegend. Deswegen bleibt die Mission aktuell. In besonderer Weise ist sie das in unserer Welt, in der die Katholiken 17,8% und alle Christen zusammen etwa 33% der Weltbevölkerung von etwa 7,45 Milliarden Menschen ausmachen.
 
2. Die Demut
 
Auf die Diskussion der Jünger, „wer von ihnen der Größte sei“ (Lk 9,46) sagt Jesus: „Wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß“ (Lk 9,48). Damit sie seine Lehre auf rechte Weise verstehen, hat der Herr seine Worte mit einer Geste begleitet. Er stellte ein Kind an seine Seite und sagte den Seinen: „Wer dieses Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß“ (Lk 9,48). Jesus Christus hat seine Jünger oft zur Demut aufgefordert. Er selbst hat ein eindrückliches Beispiel dieser christlichen Haltung gegeben. Es genügt, an die Fußwaschung zu erinnern (vgl. Joh 13,5-15) oder noch besser an den Philipperhymnus, wo es heißt: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,5-8). Gott, der Vater, hat die demütige Haltung seines Sohnes in der Kraft des Heiligen Geistes begrüßt: „Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: ,Jesus Christus ist der Herr.' - zur Ehre Gottes, des Vaters“ (Phil 2,9-11).
 
Liebe Brüder und Schwestern, im Namen des Heiligen Vaters Franziskus danke ich Euch für Eure wertvolle Arbeit zugunsten der Missionen. Durch Euch danke ich allen großzügigen Menschen und denen guten Willens, die durch das Gebet und mit ihren Gaben, den großen und kleinen, daran teilhaben. Ich vertraue Euren Eifer und Eure Tätigkeit der Fürsprache der Heiligen Kosmas und Damian und vor allem der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter der Kirche. Sie möge jedem von Euch die Gabe der Demut erflehen, auch angesichts der Erfolge in der pastoralen und missionarischen Arbeit. Sie möge in Euch den heiligen Willen stärken, Mitarbeiter Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu sein, damit sich sein Wille erfüllt, „daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,3-4).

Amen.