17 01 19 Predigt von Nuntius Eterovic in der Hl. Messe zum Gedenken an die Opfer des Attentates in Berlin

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
in der Hl. Messe zum Gedenken an die Opfer des Attentates vom 19.12.2016

Berlin, Pfarrkirche Heilig Kreuz, 19. Januar 2017


 
„Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde?“ (Joh 12,27).
 
Liebe Brüder und Schwestern!
 
Es gibt Momente im Leben, wo wir die Stille brauchen. Angesicht großer Tragödien und tiefer Trauer ist es schwierig zu sprechen und die richtigen Worte zu finden. Die beste Weise, den Menschen, die unter dem Verlust ihrer Lieben leiden,  Anteilnahme zu zeigen, ist, Nähe und Mitleid schenken, was auch im Schweigen begleitet wird von Gesten, die unser tiefes Mitgefühl und den Wunsch ausdrücken, das Leid mit denen zu teilen, die mehr als wir zu leiden haben. Einer dieser schweren Momente, die unsere besondere menschliche und christliche Einfühlungsgabe erfordern, ist der terroristische Anschlag in Berlin vom vergangenen 19. Dezember. Einen Monat später, heute, sind wir hier in der Pfarrkirche Heilig Kreuz versammelt, um uns vor dem Herrn dieses tragischen Ereignisses zu erinnern, das 12 Menschenleben forderte und weitere 50 Personen verletzt hat. Es waren mehrheitliche Deutsche, aber unter den Opfern gab es auch Angehörige aus Israel, Tschechien, Italien, Polen und der Ukraine. Wir legen Gott unser Gebet für alle vor und im Besonderen für Frau Fabrizia di Lorenzo und Herrn Łukasz Robert Urban. Wir schließen ihre Familie und alle Menschen ein, die sich von den körperlichen und psychischen Verletzungen erholen. Warum aber lege ich die Momente des Schweigens angesichts der tragischen Folgen eines solch unmenschlichen terroristischen Aktes nahe, wenn ich über die Umstände spreche, die so plötzlich und unerwartet das Leben der jungen Fabrizia und von Łukasz Robert, dem Ehemann und Vater eines Sohnes, beendet haben? Ich möchte mit Euch einige Überlegungen über den Schmerz und die christliche Hoffnung anstellen, die uns das eben verkündete Wort Gottes vorschlägt. Mich ermutigt der Schmerzensschrei Jesu Christi. Vor seinem Leiden und dem schmerzvollen Tod, der grausam war, hat er Gottvater gebeten, ihm das Leben zu bewahren: „Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde?“ (Joh 12,27). Der Herr Jesus hat die Angst erlebt, als er sich der Art seiner Sendung erinnerte. „Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen“ (Joh 12,27). Der Vater hat diese Haltung Jesu angenommen und versichtert durch eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen“ (Joh 12,28). Trotz dieser Erfahrung der Nähe seines Vaters, kannte Jesus andere Momente der Krise, besonders im Garten Gethsemane, als er von neuem darum bat: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber“ (Mt 26,39). Auch in diesem dramatischen Augenblick seines Lebens ist Jesus dem Willen des Vaters verbunden geblieben, wenn er sagt: „Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Mt 26,39). Gottvater hat das Gebet seines geliebten Sohnes auf außergewöhnliche Weise erhört. Er ersparte ihm nicht die Schmerzen und den Tod, sondern hat ihn von den Toten auferweckt. Der Tod am Holze des Kreuzes hat die Apostel und Jünger Jesu mit Trauer erfüllt. Diese Traurigkeit wurde in große Freude verwandelt, als Gottvater seinen Sohn Jesus auferweckt hat und dieser ihnen den Heiligen Geist sandte. Die Freude der Auferstehung war die Antwort auf das angstvolle Gebet Jesu Christi. Gottvater handelt in ähnlicher Weise an allen, die mit Jesus Christus vereint sind und sich mit Schmerzensschreien in der Hoffnung an ihn wenden, gehört und erhört zu werden. Die Auferstehung der Toten und das Leben in der ewigen Glückseligkeit sind die einzige Antwort, die in der Lage ist, die Tränen auf unserem Gesicht zu trocknen und uns einen christlichen Sinn des Lebens und des Todes zu vermitteln.
 
Dem guten und barmherzigen Gott empfehlen wir heute Abend Fabrizia, Łukasz Robert und alle Opfer von barbarischen terroristischen Anschlägen in Berlin, in Europa und der Welt. Leider wächst ihre Zahl von Tag zu Tag. Beten wir auch für jene, die versucht sind, Terrorakte zu verüben, damit sie umkehren und von solchen bösen Taten absehen, die viele unschuldige Opfer fordern. Die terroristischen Taten sind besonders verachtenswert, wenn sie begründet oder gerechtfertigt werden mit religiösen Motiven. Der Heilige Vater Franziskus hat viele Male unmissverständlich und klar gesagt: „Töten im Namen Gottes ist teuflisch“. 
 
Liebe Schwestern und Brüder, vertrauen wir unser Gebet der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter Jesu und unserer Mutter, die unseren Schmerz kennt, weil Sie selbst unter dem Kreuz gelitten hat, als sie ohnmächtig vor dem Tod ihres geliebten Sohnes stand. Wir folgen ihrem Beispiel auch in den schmerzhaften Momenten des Lebens, wenn wir durch eine finstere Schlucht gehen (vgl. Ps 23,4). Im Glauben ergreifen wir die Gegenwart des Herrn, der besonders in den leidvollen Zeiten des Lebens bei uns bleibt und der uns leitet durch seine Auferstehung von den Toten zur Freude der Begegnung mit ihm und mit unseren Lieben in der Gemeinschaft der Heiligen in der Ewigkeit. 
 
Amen.