17 03 19 Predigt von Nuntius Eterovic im Pontifikalamt zum vierten Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail



Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am 3. Fastensonntag (Oculi) – LJ A
zum vierten Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus 

Hedwigskathedrale zu Berlin, 19. März 2017
 

 
„Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,16).
 
Exzellenzen,
verehrter Herr Erzbischof Heiner Koch, 
liebe Herren Weihbischöfe und Mitglieder des Kathedralkapitels,
sehr geehrte Damen und Herren Botschafter,
liebe Priester, Diakone und Ordensleute, 
liebe Brüder und Schwestern! 
Wir sind in der Sankt Hedwigskathedrale von Berlin versammelt, um für unseren Heiligen Vater Franziskus zu beten, den 265. Nachfolger des Heiligen Petrus als Bischof von Rom und Hirten der Universalkirche. Aus Anlass des vierten Jahrestages seines Pontifikates wollen wir dem dreieinen Gott für seinen Petrusdienst danken und gleichzeitig für seine Person und seine wichtige kirchliche Sendung beten. Als Vertreter des Heiligen Vaters in der Bundesrepublik Deutschland freue ich mich, Euch seine herzlichen Grüße zu übermitteln. Als Zeichen der Einheit mit dem sichtbaren Haupt der Katholischen Kirche erteile ich Euch am Ende dieser Heiligen Messe den Apostolischen Segen. 
 
Der Bischof von Rom ist das Zeichen der Einheit der Katholischen Kirche. Dazu lehrt das Zweite Vatikanische Konzil: „Der Bischof von Rom ist als Nachfolger Petri das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit von Bischöfen und Gläubigen“ (LG 23). Die Einheit der Kirche, die vom Bischof von Rom symbolisiert wird, ist auch sehr wichtig für den ökumenischen Dialog oder für das Gespräch mit den anderen Kirchen und christlichen Gemeinschaften, wie auch für den interreligiösen Dialog mit den nichtchristlichen Religionen. Aber der Papst spielt auch eine bedeutsame soziale Rolle und wurde zu einem prophetischen Zeichen in unserer Welt, die leider sehr zerteilt ist.
 
An diesem dritten Fastensonntag sprechen die biblischen Lesungen zu uns vom Wasser in seiner materiellen und spirituellen Bedeutung (I). Wir fragen uns: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Wort Gottes, das wir gehört haben, und der Sendung des Bischofs von Rom? Die Antwort ist bejahend, und wir finden in der Person Jesu Christi, dem Messias,  den gemeinsamen Nenner (II), denn er ist die Quelle des lebendigen Wassers für das Leben der Kirche und der Welt (III). 
 
1. Der Wert und Bedeutung von Wasser.
 
Die erste Lesung aus dem Buch Exodus erzählt von der Erfahrung der Juden in der Wüste. Die Wüste ist ein trockener Ort ohne Wasser, das der Mensch zum Überleben nötig hat. In diesem Sinn ist Wasser wichtiger als feste Nahrung, ohne die der Mensch einige Zeit überleben kann, während er ohne Wasser bald stirbt. Angesichts des dürstenden Volkes, das murrt: „Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen?“ (Ex 17,3), ruft Mose zu Gott, und der Herr kommt seinem Volk zu Hilfe. Er weist Mose an, den Stab zu nehmen, mit dem er auf den Nil geschlagen hatte, und damit an den Felsen am Berg Horeb zu schlagen: „Schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen und das Volk kann trinken“ (Ex 17,6). Das aus dem Felsen quellende Wasser wird zum Zeichen für die Gegenwart von JHWH inmitten seines Volkes, eine heilende Nähe, die den Durst der in der Wüste wandernden Juden stillte. So konnten sie ihren Weg zum gelobten Land fortsetzen. 
 
Der christlichen Überlieferung nach geschah dies bei Massa und Meriba und hatte eine sehr hohe symbolische Bedeutung. Im Felsen zum Beispiel, aus dem das Wasser strömte, hat man die durchbohrte Seite Jesu Christi erblickt, aus der Wasser und Blut flossen, die Symbole der Sakramente von Taufe und Eucharistie. 
 
2. Das Kommen des Messias.
 
In der Erzählung des Evangeliums wird das Wasser, das zum Trinken dient, zum Symbol des lebendigen Wassers. Im Gespräch zwischen der Samariterin und Jesus gibt es eine steigende Verdichtung. Jesus ist müde und erbittet von der Samariterin etwas zu trinken. Der um Wasser bittende Jesus wird jedoch bald zu dem, welcher der Frau das lebendige Wasser reichen kann (vgl. Joh 4,10). Das Gespräch wird vertrauter und berührt das familiäre Leben der Frau, die fünf Männer gehabt hatte. Sie ist erstaunt darüber, daß Jesus ihr intimes Leben kannte, und sagt: „Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist“ (Joh 4,19). Die Frau ist dadurch nicht eingeschüchtert, sondern beginnt Jesus nach dem wahren Ort des Kultes und über den Messias, der kommen soll, zu befragen. In diesem Zusammenhang offenbart Jesus auf zweifache Weise etwas, was er bisher niemandem gesagt hatte, auch nicht seinen Jüngern. Das ist deswegen bedeutsam, denn es handelte sich um eine samaritanische Frau, die zu einem Volk gehörte, das von den Juden verachtet wurde, und sich außerdem in einer irregulären ehelichen Situation befand. Zum Ort des Kultes sagt er, daß „die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit“ (Joh 4,23). Darauf folgt der Satz der Frau: „Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden“ (Joh 4,25). Jesus Christus offenbart sich als der Messias mit den eindeutigen Worten: „Ich bin es, ich, der mit dir spricht“ (Joh 4,26). 
 
3. Jesus Christus, die Quelle des lebendigen Wassers.
 
Die Aussage Jesu Christi: „Ich bin es, ich, der mit dir spricht“ erlaubt es uns, das Wort Gottes dieses Sonntags mit der Sendung des Bischofs von Rom zu verbinden. Eine seiner grundlegenden Aufgaben ist es, im Namen der Kirche und vor der Welt zu verkünden, daß Jesus Christus der Messias ist, der Sohn Gottes, der Retter der Welt und des ganzen Universums. So tat es Petrus bei Cäsarea Philippi. Als Jesus seine Jünger fragt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16,15), wurde er vom Heiligen Geist erfüllt und antwortete: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16). An dieses Bekenntnis ist die besondere Sendung des Petrus und seiner Nachfolger gebunden, die sie empfangen haben, nämlich Fels zu sein, auf den Christus seine Kirche bauen wird, und die Schlüsselgewalt innezuhaben (vgl. Mt 16,18-19). Der Glaube des Petrus und der Christen ermöglicht, durch das Wort Gottes und vor allem durch die Sakramente in Jesus Christus die Quelle des lebendigen Wassers für das ewige Leben zu sehen. 
 
Die Aufgabe des Bischofs von Rom ist in erster Linie eine spirituelle, aber der Glaube hat auch wichtige soziale Bezüge. Der christliche Glaube ist nicht fleischlos, sondern er wird in unserer Welt mit all ihren Problemen gelebt. Eines davon ist die Frage nach Trinkwasser. Hierzu hat Papst Franziskus während eines Seminars zum Thema „Das Menschenrecht auf Wasser“, das von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften organisiert wurde, bekräftigt: „Jeder Mensch hat das Recht auf einen Zugang zu sicherem Trinkwasser; das ist ein grundlegendes Menschenrecht und eine der Grundfragen der gegenwärtigen Welt“ (24. Februar 2017). Bei dieser Gelegenheit hat er an folgende Zahlen erinnert, die von den Vereinten Nationen stammen: „Tausende Kinder sterben täglich aufgrund von Krankheiten, die mit dem Wasser zusammenhängen; Millionen Menschen trinken verschmutztes Wasser“. Der Bischof von Rom stellt fest, daß es sich um sehr schwerwiegende Daten handelt, und meint: „Man muss diese Situation beenden und umkehren. Es ist noch nicht zu spät, aber es drängt, sich der Notwendigkeit von Wasser und seines grundlegenden Wertes für das Wohl der Menschheit bewußt zu werden“. Diese Situation ruft alle auf, besonders jene, die hohe Verantwortung in den einzelnen Ländern haben. Um die Ernsthaftigkeit dieser Frage aufzuzeigen, besonders wenn keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden, sagt Papst Franziskus: „Die Gewissensbildung ist eine schwierige Aufgabe; sie erfordert Überzeugung und Hingabe. Und ich frage mich, ob wir mitten in diesem ‚Dritten Weltkrieg in Stücken‘, den wir gerade erleben, nicht auf dem Weg zu einem großen Weltkrieg um das Wasser sind“. 
 
Liebe Brüder und Schwestern, der christliche Glaube erleuchtet unser ganzes Leben. Er schenkt die Eingebungen, auch den schwierigen Fragen unserer Welt und Zeit zu begegnen. Das Thema Wasser ist eine solch schwerwiegende Frage. Allein können wir wenig bewirken, wenn wir unsere Begrenztheit anschauen, unseren Egoismus, unsere Sünden. Das hat oft soziale Dimensionen, wenn beispielsweise aufgrund des ökonomischen Profits Flüsse und Quellen verschmutzt werden, die für das Leben vieler Menschen unverzichtbar sind. In Einheit mit dem Heiligen Vater Franziskus bitten wir „den Messias, den Sohn des lebendigen Gottes“, immer bei uns zu bleiben und uns das lebendige Wasser in Fülle zu geben für das ewige Leben. Er reiche es uns am Ende unserer irdischen Pilgerschaft währenddessen wir auch das sichere Trinkwasser nötig haben. 
 
Vertrauen wir unsere Überlegungen der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter der Kirche, die Papst Franziskus so sehr verehrt. Wie die samaritanische Frau, so ging auch die Gottesmutter oft zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen, das Jesus und die übrigen Mitglieder ihrer Familie brauchten. Auf ihre Fürsprache gewähre Gott dem Heiligen Vater alle Gnade, damit er seine wichtige Mission in der Kirche und in der Welt gut erfüllen kann. Amen.