17 03 26 Predigt von Nuntius Eterovic am 4. Fastensonntag beim Haupt- und Titularfest der Marianischen Männerkongregation Straubing

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
am 4. Fastensonntag (Laetare) – LJ A
und Haupt- und Titularfest der Marianischen Männerkongregation Straubing

Straubing, 26. März 2017


 
„Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt“ (Joh 9,5).
 
Sehr geehrter Herr Pfarrer Werner Maria Heß,
verehrter Herr Präfekt Ritzenberger, 
liebe Sodale der Marianischen Männerkongregation Straubing, 
liebe Brüder und Schwestern!
Das Wort Gottes, das an diesem vierten Fastensonntag verkündet worden ist, spricht vom Licht, vom Wunder der Heilung eines Blindgeborenen durch Jesus Christus. Der Herr, der gekommen ist, den Willen Gottvaters zu erfüllen, sagt von sich, er sei das Licht der Welt. Im heutigen Evangelium erklärt er: „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt“ (Joh 9,5). An anderer Stelle sagt Jesus: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). Die heutige Liturgie verbindet das Licht mit der Freude. Traditionell heißt dieser Sonntag „Laetare“, was sich aus dem Eröffnungsvers ergibt, wo es heißt: „Freut euch mit Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung“ (Jes 66,10-11). Die christliche Freude kommt von Ostern, dem Fest des Lichtes, das schon nahe ist. Im Ostergeheimnis hat Jesus ein für allemal die Finsternis besiegt und den Horizont des Lichtes und der Freude eröffnet, was seinen Höhepunkt in der ewigen Seligkeit haben wird. Die Christen sind gerufen, Licht der Welt zu werden, am Licht des auferstandenen Herrn teilzuhaben, das ihnen die unerwartete Würde und Freude schenkt, Kinder Gottes zu sein. Hierzu sagt die Heilige Schrift: „Das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst“ (Joh 1,5). Mehr noch, Jesus Christus, das wahre Licht, das in die Welt gekommen ist, gab denen, die Ihn aufnahmen, die „Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,12).
 
Liebe Brüder, ich danke der göttlichen Vorsehung für das Geschenk, diese Heilige Messe mit Euch in der alten und schönen Basilika des Heiligen Jakobus zu Eurem Haupt- und Titularfest zu feiern. Ich danke dem Hochwürdigen Herrn Zentralpräses Heß und dem Herrn Präfekten Ritzenberger von der Marianischen Männerkongregation Straubing für die freundliche Einladung, der ich gerne gefolgt bin, um gemeinsam mit Euch, liebe Sodale, Männer und Burschen, aus dem schönen Niederbayern zu beten. Ich grüße Euch herzlich im Namen des Heiligen Vaters Franziskus, den Bischof von Rom und Hirten der Universalkirche, den ich die Ehre habe, in der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten. Er bittet die Gläubigen oft, für ihn und seine kirchliche Sendung zu beten. Das tun auch wir gerne in dieser Heiligen Messe und stärken so das Band der Einheit mit dem Obersten Pontifex, dem Bischof der Kirche von Rom, „welcher der gesamten Liebesgemeinschaft vorsteht“ (LG 13). Als Zeichen der Einheit und Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater erteile ich Euch am Ende der Heiligen Messe den Apostolischen Segen.
 
Liebe Brüder, mit Bezug auf das Wort Gottes, das wir gehört haben, möchte ich bei zwei Aspekten verweilen, die sich an jeden persönlich und insgesamt als Glieder der Marianischen Männerkongregation und der kirchlichen Gemeinschaft richten. Der erste Aspekt bezieht sich auf den Ruf Gottes zu einem christlichen Leben (I) und der zweite darauf, Licht der Welt zu sein, indem wir die anderen mit dem Licht Jesu Christi erleuchten (II). 
 
1. Die Berufung Gottes.
 
Die Erzählung von der Berufung Davids, des jüngsten Sohnes von Isai aus Bethlehem, präsentiert uns die Kriterien Gottes bei der Wahl von Menschen, die sich oft von denen der Menschen unterscheiden. So sagt der Herr zum Propheten Samuel: „Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz“ (1 Sam 16,7). JHWH hat die sieben Söhne des Isai verworfen und den David erwählt, den Jüngsten, der draußen die Schafe hütete. Samuel salbte ihn mit Öl, „und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an“ (1 Sam 16,13).
 
Die Berufung des Davids erinnert auch an unsere christliche Berufung. Sicher, David wurde für eine wichtige Aufgabe erwählt, denn er wurde zu seiner Zeit König von Israel. Seine Wahl erinnert uns aber, daß Gott an jeden von uns gedacht hat, daß er uns beim Namen gerufen hat und so in seine Kirche eingliederte. Wie zur Zeit Israels, so gibt es auch in der Kirche verschiedene Ämter, Dienste, Aufgaben. Da sind die Gläubigen, die größte Gruppe, sodann die Diakone, Priester und Bischöfe, schließlich die Ordensleute. Alle aber haben die gleiche Würde, nämlich jene, Kinder Gottes zu sein (vgl. Joh 1,12). 
 
Das wurde in der Taufe begründet, die wir alle empfangen haben, und die jeden von uns zu Gliedern am Priestertum des Volkes Gottes, dem allgemeinen Priestertum macht, gemäß dem bekannten Wort des Heiligen Petrus, des ersten Bischofs von Rom und Papst: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“ (1 Petr 2,9). Sicherlich, es gibt auch das Amtspriestertum, das sich wesentlich vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen unterscheidet und das dem gemeinsamen Priestertum dient. 
 
Jesus Christus fordert alle seine Jünger auf, vollkommen zu sein, wie unser himmlischer Vater vollkommen ist (vgl. Mt 5,48). Um diese Aufforderung zu formulieren, bezieht sich der Herr Jesus auf die bekannte Ermahnung von JHWH im Alten Testament: „Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig“ (Lev 19,2). Das Zweiten Vatikanische Konzil hat in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche das 5. Kapitel dem Thema gewidmet: „Die allgemeine Berufung zur Heiligkeit in der Kirche“. Darin wird bekräftigt, daß alle Christen zur Heiligkeit berufen sind. Dies ist eine Forderung an die Getauften, an die Kinder Gottes. Wenn das für jeden Christen gilt, meint das nicht umso mehr die Mitglieder der Marianischen Männerkongregation? Liebe Brüder, ich wiederhole zu Euch, was der verehrte Papst Franziskus oft sagt. Er wird nicht müde zu betonen, daß jeder Christ, jeder Getaufte, ein Jünger Jesu Christi sein soll und Missionar seines Evangeliums, das die Gute Nachricht auch für die Menschen unserer Zeit ist. Um dies auf authentische Weise zu sein, muss der Christ, jeder von uns, den Weg zur Heiligkeit einschlagen. 
 
2. Licht der Welt sein.
 
Die Erzählung des Johannesevangeliums ist reich an theologischem und geistlichem Inhalt. Es ruft jeden von uns auf, wenn Jesus Christus „das Licht der Welt“ (Joh 8,12) sagt: „Ihr seid das Licht der Welt. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,14.16). 
 
Der Evangelist Johannes lässt uns verstehen, dass es zwei Arten der Blindheit gibt, die leibliche und die geistliche. Jesus hat die physische Blindheit des Blindgeborenen geheilt. Bevor er ihn heilte, hat er die weit verbreitete Meinung zerstreut, die Blindheit sei eine Folge der Sünde des kranken Menschen oder seiner Eltern. Seine Haltung ist sehr klar: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden“ (Joh 9,3). Tatsächlich gab die Blindheit jenes Menschen, der ihm begegnete, Jesus die Gelegenheit, ein Heilungswunder zu vollbringen. Sodann hat er jenem Menschen während des Prozesses der Katechese die Augen des Glaubens geöffnet, so daß der Blindgeborene nicht nur sein materielles Augenlicht bekam, sondern auch sein spirituelles. Als Jesus sich ihm als Menschensohn offenbarte und fragte, ob er an Ihn glaube, hat der Blinde, der nunmehr sehen konnte, geantwortet: „Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder“ (Joh 9,38). 
 
Die Pharisäer hingegen, die gesunde Augen hatten, waren spirituell blind. Sie waren Zeugen der Heilung des Blindgeborenen, suchten aber nach jeder möglichen Erklärung, um das von Jesus gewirkte Wunder und ihn als Messias nicht anzuerkennen. Zweimal haben sie den Geheilten befragt und setzen seine Eltern unter Druck. Dabei haben sie betont, daß die Heilung an einem Sabbat stattgefunden hat, und Jesus damit gegen das Gesetz handelte. Somit sei er ein Sünder, von dem sie im Unterschied zu Mose nicht wüssten, woher er stamme. Der geheilte Blindgeborene hat dieses negative Urteil bestritten und bekräftigte: „Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können“ (Joh 9,30-33). Weil sie keinen Grund fanden, dem Geheilten entgegenzutreten, beschuldigten die Pharisäer ihn, er sei „ganz und gar in Sünden geboren“, und „sie stießen ihn hinaus“ (Joh 9,34). 
Liebe Brüder, die beiden Arten von Blindheit rütteln uns alle auf. Nach den Worten Jesu gibt die physische Blindheit die Gelegenheit, die Taten Gotten zu zeigen. Zuweilen wirkt Gott Heilungswunder an einem blinden Menschen, wie heute im Evangelium. Viel öfter hingegen braucht er die Mitwirkung von Spezialisten, von Ärzten, um Blinden oder Sehbehinderten das Augenlicht zurück zu geben. In dem Fall, wo das nicht möglich ist, gibt es die moralische Pflicht aller, besonders der Christen, die Blinden in das kirchliche und soziale Leben zu integrieren. Gott sei Dank ist in der letzten Zeit viel in diesem Sinne geschehen, auch wenn noch manches mehr oder besser zu tun bleibt. Es ist schön, daß diese Menschen mithilfe der in Blindenschrift gedruckten Bücher die Lesungen der Heiligen Messe verfolgen können. In jedem Fall sind die nichtsehenden Menschen auf bevorzugte Weise gerufen, den Herrn Jesus, das Licht der Welt und jedes Menschen, mit den Augen des Glaubens zu sehen. Sie sind ebenfalls gerufen, anderen, besonderen den Blinden, die Schönheit und Freude des christlichen Glaubens zu vermitteln. 
 
Die geistliche Blindheit bleibt ein großes Hindernis für den Glauben. In der Erzählung des Evangelisten Johannes sind die Pharisäer nicht alle einer Meinung. Angesichts des Heilungswunders am Blindgeborenen stellt ein Teil von ihnen zurecht fest: „Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun?“ (Joh 9,16). Aus den Evangelien wissen wir, daß einige Pharisäer Jünger Jesu Christi geworden sind. Sie konnten sowohl physisch wie spirituell sehen. Die anderen aber blieben für die Gnade Gottes verschlossen, undurchdringlich für sein Licht. Sie stehen für alle, und das sind heute nicht wenige, die nicht an Jesus Christus glauben wollen, kein Bedürfnis haben, den Herrn, das Licht der Welt, kennenzulernen. Ihnen gelten die Worte Jesu: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir“ (Offb 3,20). Beten wir zu Gott, dem Vater, Sohn und Heiligem Geist, daß auch diese Menschen den Ruf Gottes hören und die Türen ihrer Herzen öffnen. 
 
Liebe Brüder und Schwestern, vertrauen wir unsere Überlegungen der mächtigen Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter Gottes und Mutter der Kirche. Sie möge uns unter der Leitung des Heiligen Geistes auf den Weg der Heiligkeit führen, in der ständigen Bereitschaft mit den Augen des Glaubens auf Jesus Christus zu schauen, die Quelle des Lichtes und der ewigen Freude. Amen.