17 03 26 Predigt von Nuntius Eterovic bei der Marienfeier zum Haupt- und Titularfest der Marianischen Männerkongregation Straubing

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
bei der Marienfeier
zum Haupt- und Titularfest der Marianischen Männerkongregation Straubing

Straubing, 26. März 2017


„Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ (Lk 1,28).
 
Verehrte Sodale der Marianischen Männerkongregation Straubing, 
besonders liebe Neusodale,
liebe Brüder und Schwestern!
Gestern hat die Kirche das Hochfest der Verkündigung des Herrn gefeiert. Bei diesem Marienfest haben wir das Wort Gottes für diesen Feiertag gehört, das auch unsere heutige Überlegung leitet. Das Hochfest der Verkündigung des Herrn wird neun Monate vor dem Fest der Geburt Jesu in Bethlehem begangen. Mit dem Kommen des Wortes Gottes im Fleisch (vgl. Joh 1,14) beginnt eine neue Periode der menschlichen Geschichte, beginnt die neue Schöpfung. Nach einigen Berechnungen und mystischen Erfahrungen ist der 25. März der Anfang der ersten Schöpfung der Welt, die durch die Sünde der Menschen beschädigt ist. In seiner großen Güte wollte Gott zugunsten der Menschen und der ganzen Schöpfung eingreifen.  Er wollte nicht nur die verlorene Schönheit des Menschen und der Welt der ersten Schöpfung wiederherstellen, sondern die Möglichkeit einer umgewandelten Welt, eine neue Schöpfung anbieten, indem er alles neu macht, „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ (Offb 21,1). 
 
Um seinen Heilsplan umzusetzen, nämlich Mensch zu werden, brauchte Gott die Mitwirkung einer Frau, der seligen Jungfrau Maria, welche die Mutter Jesu wurde. Sie ist das Symbol jener neuen Schöpfung, wo die Gnade herrscht und die Sünde keinen Platz mehr hat. Am Kreuz hat Jesus Christus sterbend Maria dem Johannes anvertraut, dem geliebten Jünger, und mit ihm uns allen, die wir seine Jünger sind. Daher ist Maria die Mutter von uns allen, die Mutter der Kirche. Wir wollen heute gemeinsam in besonderer Weise dem guten und barmherzigen Gott für dieses große Geschenk danken. Maria führt uns zu Jesus (I), die gebenedeite Frucht ihres Leibes (vgl. Lk 1,42). Sein Leben spricht alle Christen an und fordert uns auf, Maria im Leben des Glaubens zu folgen (II) und offen zu sein für den Heiligen Geist (III). 
 
1. Das Fest des Herrn.
 
Wie es der Name sagt, bezieht sich das Hochfest der Verkündigung des Herrn an erster Stelle auf den Herrn Jesus. Die Kirche dankt Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, der in der Fülle der Zeit Mensch werden und unter uns wohnen wollte. Die Initiative war bei Gott. Das beschreibt gut der Prophet Jesaja. Angesichts der Eigensinnigkeit von Ahas, dem König von Juda, der von Gott JHWH kein Zeichen erbitten wollte, verkündet der Prophet: „Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben“ (Jes 7,14). Aus dem Hebräerbrief wissen wir, daß der Ratschluss, Mensch zu werden, innerhalb der Personen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit getroffen wurde. Wohlwissen, daß das Opfer, das dem Vater gefallen wird, das Opfer Jesu ist, und nicht mehr die Schlacht- und Speiseopfer des Alten Testamentes, hat das Wort, die zweite Person der Dreifaltigkeit, gewollt, Mensch zu werden. „An Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen. Da sagte ich: Ja, ich komme - so steht es über mich in der Schriftrolle -, um deinen Willen, Gott, zu tun“ (Hebr 10,6-7). Die Entscheidung Jesu hatte unerwartete Folgen, welche die Menschen sich nicht einmal vorzustellen wagten. Nach der Aussage des Hebräerbriefes ist der Wille zur Menschwerdung die Quelle des Heiles: „Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Opfergabe des Leibes Jesu Christi ein für alle Mal geheiligt“ (Heb 10,10).
 
Um zur Welt zu kommen hatte Jesus eine Mutter nötig. Gott sei Dank kennen wir ihren Namen: Maria. Wir wissen aus den Erzählungen der Schrift und der lebendigen Tradition der Kirche die wesentlichen Eigenschaften ihrer Person und ihrer Sendung. Die Quelle von allem ist Jesus Christus, ihr Sohn, ihr und unser Herr. Die rechte Verehrung der seligen Jungfrau Maria ist notwendigerweise an Jesus Christus gebunden. Das wird in dem bekannten Ausspruch zum Ausdruck gebracht: „Über Maria zu Jesus“. Diese Wahrheit wurde von vielen Künstlern aufgegriffen und wird in den Darstellungen von Maria deutlich, die der Welt Jesus schenkt, oder den Weg zeigt, der zu ihm führt. 
 
2. Der Glaube Mariens.
 
Das Hochfest der Verkündigung des Herrn erinnert uns an das Privileg Mariens, die Mutter Jesu zu sein. Es handelt sich um eine exklusive Gabe, die nur Maria eigen ist und die wir physisch nicht nachahmen können. Aus dem Gespräch mit dem Engel Gabriel aber können wir ersehen, daß Maria Jesus zuerst im Glauben empfangen hat und dann in ihrem Leib. Der Glaube Mariens drückt sich in den demutsvollen Worten voller Vertrauen in Gott aus: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38).
 
Liebe Brüder und Schwestern, der Glaube ist ein Geschenk Gottes, das von uns angenommen werden will, aber auch unsere Mitwirkung einfordert, um ihn zu schützen und wachsen zu lassen. Wir müssen dem Glauben vor allem erlauben, unser Leben zu erleuchten, damit jeder von uns als Christ danach streben kann, den Willen Gottes zu tun. In diesem Sinne sind wir alle gerufen, die Jungfrau Maria nachzuahmen im Empfang der Gabe des Glaubens, im Leben in dessen Licht und in der Weitergabe dieser Gabe an die anderen. Es handelt sich um eine große und wichtige Aufgabe, die in den Familien beginnt. Die Eltern sollten neben der tiefen Sorge für das physische Leben ihrer Kinder auch die Gabe des christlichen Glaubens weitergeben. Die Christen sind aufgerufen, Menschen eines lebendigen Glaubens zu sein in ihrem persönlichen, familiären und sozialen Leben. Der Glaube ist der kostbare Schatz, der uns nicht allein die Gründe des Lebens in dieser Welt gibt, sondern uns vielmehr den Horizont des ewigen Lebens in der Seligkeit des Himmels eröffnet. 
 
3. Die Gabe des Heiligen Geistes.
 
Maria ist über den Gruß des Engels Gabriel erschrocken: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ (Lk 1,38). Für uns sind diese Worte bedeutsam, denn der Bote Gottes spricht Maria schon die Fülle der Gnade zu, bevor er ihr ankündigt, die Mutter Gottes zu werden. Auch dieser biblische bestärkt den Glauben der Kirche an die unbefleckte Empfängnis Mariens. Angesichts des Problems von Maria, nicht zuletzt deswegen, weil sie noch keinen Mann erkannte (vgl. Lk 1,34), hat der Engel gesagt: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden“ (Lk 1,35). Mit diesen Worten wird die Rolle des Heiligen Geistes bei der Zeugung Jesu Christi und daher auch im Leben Mariens angedeutet. Wie zur Zeit des Mose eine Wolke die Bundeslade überschattet hat, um die Gegenwart Gottes zu zeigen, so überschattet jetzt der Heilige Geist Maria, die Lade des neuen Bundes, damit sie in ihrem Schoß das menschgewordene Wort empfangen kann, Jesus Christus, Gott und Mensch. 
 
Auch wir, liebe Brüder und Schwestern, haben den Heiligen Geist in der Taufe und sodann im Sakrament der Firmung empfangen. Es handelt sich um eine den Gläubigen gegebene Gabe, damit wir als gute Christen leben können. Im Angesicht Gottes und vor unserem Gewissen müssen wir uns heute fragen: Was haben wir mit der Gabe des Heiligen Geistes gemacht? Beten wir wenigstens hin und wieder, der Heilige Geist möge uns immer mehr in die Tiefe des göttlichen Geheimnisses führen? Suchen wir seine Gnade, auf daß sie unser Handeln erleuchte, besonders in den entscheidenden Augenblicken unseres Lebens? Haben wir das lebendige Feuer des Heiligen Geistes in uns oder ist es erloschen? Deswegen sagt der Herr Jesus auch uns: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen“ (Lk 12,49). Feuer ist eines der Symbole des Heiligen Geistes: So erscheint er in Feuerzungen am Pfingsttag und lässt sich auf die Apostel und einige der Frauen nieder, unter denen sich auch die selige Jungfrau Maria befand (vgl. Apg 2,3-4). Haben wir den Mut, uns wie Christen zu verhalten, auch wenn wir zuweilen gegen den Strom schwimmen müssen in der Verteidigung der ethischen und moralischen Werte? Wie einst die Christen in Rom, so mahnt der Heilige Paulus auch uns: „ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden“ (Röm 8,15-17). 
 
Liebe Brüder und Schwestern, vertrauen wir unser Gebet und unsere Überlegungen der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter Jesu, unserer Mutter und Mutter der Kirche. Wir erbitten ihre Fürsprache, damit wir ihrem Beispiel folgen und vereint mit Jesus Christus in jeder Situation unseres Lebens leben. In Gemeinschaft mit der Gottesmutter Maria lasst uns die Gabe des Glaubens gestalten. Wenn wir erkennen, daß wir schwach sind und unser Glaube oft unzureichend, beten wir zum Herrn Jesus: „Stärke unseren Glauben“ (Lk 17,6). Erflehen wir auch die Gabe des Heiligen Geistes, die Gabe des auferstandenen Herrn Jesus Christus, damit er uns in überzeugte Zeugen des fleischgewordenen Sohnes und seines Evangeliums verwandle. Amen.