17 04 30 Predigt von Nuntius Eterovic im Pontifikalamt zur Eröffnung der Wallfahrt in Klausen

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Predigt des Apostolischen Nuntius 
Erzbischof Dr. Nikola Eterović
im Pontifikalamt zur Eröffnung der Wallfahrt

Klausen/Eifel, Maria Heimsuchung, 30. April 2017


 
„Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5).
 
Verehrter Pater Albert Seul O.P.,
liebe Brüder und Schwestern!
Im Stück des Evangeliums, das eben verkündet worden ist, wird die Rolle Mariens bei der Hochzeit von Kana in Galiläa beschrieben. Maria war ebenso wie Jesus und seine Jünger dazu eingeladen. Sie war die erste, die bemerkte, daß der Wein zur Neige ging. Es ist bezeichnend, daß Maria dies Jesus sagte, als erwartete sie von ihm eine Lösung. Die Antwort Jesu, ihrem Sohn, ist einigermaßen überraschend, denn er wandte sich an Maria, ohne sie beim Namen zu nennen oder sie Mama zu rufen, sondern indem er das Wort „Frau“ benutzte. Auch der Ton seiner Antwort ist unerwartet und gleichsam kritisierend: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ (Joh 2,4). Maria kannte ihren Sohn Jesus gut. Sie hat verstanden, daß Jesus imstande war, das Problem der Eheleute und ihrer Verwandten zu lösen. Sie kannte auch die Bibel gut und wusste, daß der Ausdruck „Frau“ von Eva herrührte, der ersten Frau, der Begleiterin Adams, durch welche die Sünde in die Welt gekommen war (vgl. Gen 3,1-13). Sie hat erfasst, daß Jesus sie verstehen lassen wollte, daß sie die Rolle einer zweiten Frau einnehmen sollte, der neuen Eva, denn sie war die Mutter Jesu, des Heilands der Welt, und daß sie durch ihr Gebet die Stunde Jesu voraussah, den Moment, das erste der Zeichen zu wirken, das erste der Wunder, die seine göttliche Macht und das Heilswerk offenbaren. Daher sagte Maria den Dienern: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5). Auf die Weisung Jesu füllten sie die Krüge mit Wasser, und nachdem Herr das Wasser in Wein verwandelt hatte, brachten sie es dem Speisemeister zum Trinken und anschließend allen Gästen. 
 
Liebe Brüder und Schwestern, ich danke der göttlichen Vorsehung, die Bedeutung des heutigen Evangeliums, in dem die wichtige Vermittlerrolle der seligen Jungfrau Maria beschrieben ist, mit Euch gemeinsam hier in der Wallfahrtskirche von Klausen bedenken zu können. Meine Freude ist umso größer, da mit dieser Eucharistiefeier die Wallfahrtszeit im Jahr des Herrn 2017 zu diesem bekannten marianischen Heiligtum in der Diözese Trier beginnt. Ich bin Ihrem Herrn Pfarrer Pater Albert Seul O.P. für die freundliche Einladung dankbar, die ich gerne angenommen habe. Dies erlaubt mir, nicht nur mit Euch gemeinsam zu beten, sondern auch, Euch allen die herzlichen Grüße des Heiligen Vaters Franziskus, des Bischofs von Rom, zu überbringen, den ich die Ehre habe, in der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten. Papst Franziskus verehrt die Gottesmutter sehr. Er besucht zum Beispiel in Rom häufig die Basilika Santa Maria Maggiore, um die Fürsprache der Madonna zu für seinen pastoralen Dienst und besonders für seine Apostolischen Reisen zu erbitten. Am Ende dieser festlichen Eucharistie erteile ich Euch gerne im Namen des Heiligen Vaters den Apostolischen Segen, das Zeichen unserer Einheit mit dem Hirten der Universalkirche, der vom Herrn Jesus den Auftrag erhalten hat, seine Brüder im Glauben zu stärken: „Stärke deine Brüder“ (Lk 22,32). 
 
Liebe Schwestern und Brüder, das Wort Gottes, das wir gehört haben, zeigt uns die Gottesmutter Maria in zwei besonderen Lebenssituationen Jesu und der Kirche. Das Evangelium bezieht sich am Anfang auf den Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu, während die erste Lesung aus der Apostelgeschichte uns in die Zeit nach der Verherrlichung Jesu führt, nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Im Evangelium haben wir gesehen, daß Maria zugunsten der Eheleute bei der Hochzeit von Kana eintritt und damit die Stunde Jesu antizipiert, sein erstes Wunder zu wirken. In der Apostelgeschichte ist Maria zusammen mit den Aposteln und anderen Frauen im Gebet versammelt (vgl. Apg 2,12-14). Die kleine Gemeinschaft der Jünger Jesu erwartete das Kommen des Heiligen Geistes. Auch wir sind im Gebet um Maria, der Mutter Jesu und unsere Mutter, versammelt. Sie wendet sich an uns mit denselben Worten, wie einst an die Diener in Kana: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5). 
 
An erster Stelle fordert sie uns auf, für die Ausgießung des Heiligen Geistes zu danken, das größte Geschenk des auferstandenen Herrn, über den wir ihn als gegenwärtig in der Schrift und in den Sakramenten erkennen. Indem er uns sodann die Gaben des Friedens, der Versöhnung, der Berufung und der christlichen Sendung schenkt, ermuntert uns Jesus, seine Zeugen zu werden und diese Gaben zu unserem Besten, dem unserer Gemeinschaft und der heiligen Kirche Gottes sowie der ganzen Welt in die Tat umzusetzen. 
 
Die Gabe des Heiligen Geistes. Maria und die Jünger Jesu erwarteten das Kommen des Heiligen Geistes. Die Apostel hatten ihn bereits bei der ersten Erscheinung des Herrn am Ostertag empfangen, als Jesus „sie anhauchte“ (Joh 20,22). Alle haben ihn am Pfingsttag empfangen, als der Geist sich auf jeden von ihnen in Gestalt von Feuerzungen niederließ (vgl. Apg 2,3).
 
Wir alle haben den Heiligen Geist im Sakrament der Taufe und sodann bei der Firmung empfangen. Leider hat man oft den Eindruck, daß es sich um ein Geschenk handelt, das passiv bleibt, begraben unter der Last unseres Seins, das aus verschiedenen Gründen zum Handeln unfähig ist. Jeder von uns möge sich selbst befragen und vor Gott und seinem Gewissen die Gründe entdecken, ob wir in diesem Zustand leben, der als Folge einen verzagten, einen halbherzigen Glauben hat. In dieser österlichen Zeit sollten wir dieses Geschenk in uns erneuern, dem auferstandenen Herrn erlauben, die Möglichkeiten seines Geistes zu entfalten – in uns persönlich, in unseren Familien, unseren Pfarreien, in unserer Gesellschaft. Der Heilige Geist ist die Quelle des Lebens, der Freude, der Heiligung, der Gemeinschaft, die wir alle so sehr nötig haben. 
 
Das Geschenk des Friedens. Den Gruß: „Der Friede sei mit euch“ wiederholt der Herr dreimal in den Berichten des Heiligen Johannes (Joh 20,19.21.26). Nur der auferstandene Jesus kann uns und der Welt den wahren Frieden geben. Er hat übrigens gesagt: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch“ (Joh 14,27). Wir alle haben den Frieden nötig, in unseren Herzen, in unseren Familien, in den Gemeinschaften und in der Welt. Leider erreichen uns täglich die Nachrichten von Krieg, Gewalt und Terrorismus. Vergegenwärtigen wir uns in dieser Eucharistiefeier das brennende Verlangen aller verfolgten Christen in der Welt, der Verfolgten anderer Religionen, wie auch der vielen Menschen guten Willens, die unter unaussprechlichen Schrecken leiden - im Mittleren Osten, in Syrien, im Irak, in Jemen, in verschiedenen Ländern Afrikas, wie im Süd Sudan, der Demokratischen Republik Kongo, aber auch in Europa, zum Beispiel in der Ukraine. Der Friedefürst vermag, die Herzen der Gewalttäter und all derer, die Krieg und jede Form von Gewalt schüren, zu verändern und allen Völkern das Geschenk des Friedens zu gewähren. 
 
Das Geschenk der Versöhnung. Der auferstandene Herr hauchte die Apostel an und sprach folgende Worte: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh 20,22-23). Mit dieser Geste und den Worten hat der Herr das Bußsakrament oder das Sakrament der Versöhnung eingesetzt. Es steht jedem Christen zur Verfügung, um die Größe der Barmherzigkeit Gottes zu erfahren. Er ermuntert uns, die Sünden zu bereuen und dem Priester zu bekennen, der die Person Jesu Christi vertritt, der uns durch ihn die Sünden vergibt und uns wieder in die volle Gemeinschaft der Kinder Gottes aufnimmt.
 
Papst Franziskus lädt die Gläubigen immer wieder dazu ein, das Sakrament der Versöhnung neu zu entdecken. Er selbst beichtet regelmäßig und spendet das Sakrament unseres Heils. Nähern wir uns vor allem in dieser Osterzeit wieder dem Bußsakrament. Dadurch erlangen wir viele geistliche Gaben, die Vergebung der Sünden und besonders den Frieden in den Herzen, was allein der auferstandene Herr geben kann. Versöhnt mit Gott und miteinander, sind die Christen sodann gerufen, Förderer des Friedens in der Welt zu sein, angefangen da, wo sie leben und wirken. 
 
Die Gabe der Berufung und die christliche Sendung. Wir haben den Heiligen Geist empfangen, um Zeugen des auferstandenen Herrn zu sein. Nachdem Jesus den Aposteln den Sinn der Schrift erschlossen hatte, sagte er zu ihnen: „So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür“ (Lk 24,46-48). Auch wir sollen Zeugen des auferstandenen Herrn sein, die ihm persönlich und als Glieder der Gemeinschaft der Glaubenden begegnet sind. Wie die beiden Emmausjünger (vgl. Lk 24,13-35), so begegnen wir dem auferstandenen Jesus, der gegenwärtig in seiner Kirche ist, vor allem in der Lesung der Heiligen Schrift und in der Feier der Sakramente, besonders der heiligen Eucharistie.
 
Der auferstandene Herr sendet auch uns, wie er einst seine Apostel sandte und sprach: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,19-20). Papst Franziskus ermutigt alle Getauften, Jünger Jesus Christi zu sein und Missionare seines Evangeliums, der Guten Nachricht auch für den Menschen von heute. 
 
Vertrauen wir unsere guten Vorsätze der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Gottesmutter und Mutter der Kirche, die in diesem Heiligtum von Maria Heimsuchung in Klausen seit fast 600 verehrt wird, seit den Zeiten des Eberhard, der hier 1440 ein Pieta, eine Statue der Schmerzhaften Mutter Gottes, aufstellte. Sie vermag für uns die Erneuerung der Gabe des Heiligen Geistes erwirken, damit wir erkennen können, was Jesus, ihr Sohn und unser Herr, von uns will und damit wir die Gnade erlangen, dies in die Tat umzusetzen. Amen.