Predigt von Nuntius Eterovic zur Priesterweihe des H.H. Br. Andrej Maria Poop

Kloster Maria Bronnen zu Weilheim, 21.  Oktober 2023

(Jes 61,1-3a; Ps 89; Heb 5,1-10; Mt 9,35-38)

„Bittet also den Herrn der Ernte,

Arbeiter für seine Ernte auszusenden!“ (Mt 9,38).

Lieber Diakon Andrej Maria,

verehrter Propst Pater Dr. Richard Lehmann-Dronke,

verehrte Mitglieder der Kongregation

der Brüder vom Gemeinsamen Leben,

liebe Schwestern und Brüder!

Preisen wir gemeinsam Gott, den Vater, Sohn und Heiligen Geist für das Priestertum, das er seiner einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche gestiftet hat. Bei dieser freudigen Gelegenheit scheint es angebracht, einige Überlegungen zum Wesen des allgemeinen und amtlichen Priestertums (I), zur Rolle des Heiligen Geistes (II) und zur Berufungspastoral (III) anzustellen. Öffnen wir uns der Gnade des Heiligen Geistes, um tiefer zu verstehen, was Gott uns durch sein fleischgewordenes Wort, den Herrn Jesus, mitteilen will.

1. „Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks“ (Hebr 5,6).

Der Hebräerbrief stellt den Herrn Jesus als Priester dar, was für seine göttliche Berufung von herausragender Bedeutung ist. Denn „Christus (hat) sich nicht selbst die Würde verliehen, Hohepriester zu werden, sondern der zu ihm gesprochen hat: Mein Sohn bist du. Ich habe dich heute gezeugt, wie er auch an anderer Stelle sagt: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks“ (Hebr 5,5-6). Jesus ist der Hohepriester auch aufgrund seiner menschlichen Natur, wegen seiner Leidensfähigkeit und des ausgeprägten Mitleidens, was er im Ostergeheimnis gezeigt hat. An diesem einzigartigen Priestertum Jesu Christi haben alle Christen Anteil. Es gibt nämlich das gemeinsame Priestertum, das alle in der Taufe empfangen haben. Kraft dieses Sakramentes wurden sie „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“ (1 Petr 2,9).   

Im Jahr 1982 wurdest Du, lieber Bruder Andrej Maria, in Sowchose Rossija in der Sowjetunion, wo Du elf Jahre gelebt hast, getauft und Teil des heiligen priesterlichen Volkes. Dieses Fundament wurde durch das Sakrament der Firmung gestärkt, das Du im Jahr 1998 in Deutschland empfangen hast. In seiner großen Güte hat Gott auch die Einsetzung des Amtspriestertums gewollt, als er frei die zwölf Apostel wählte: der Herr Jesus „rief die zu sich, die er selbst wollte, und sie kamen zu ihm“ (Mk 3,13). Das allgemeine und das Amtspriestertum sind beide wichtig, aufeinander bezogen und füreinander bestimmt. Das II. Vatikanische Konzil lehrt hierzu: „Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen aber und das Priestertum des Dienstes, das heißt das hierarchische Priestertum, unterscheiden sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach. Dennoch sind sie einander zugeordnet: das eine wie das andere nämlich nimmt je auf besondere Weise am Priestertum Christi teil“ (Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 10). Der Priester ist aus dem Volk Gottes genommen und für dieses Volk mit einer besonderen Sendung bestellt. Das genannte Konzil zeigt den eigenen Dienst von Priestern auf: „Der Amtspriester nämlich bildet kraft seiner heiligen Gewalt, die er innehat, das priesterliche Volk heran und leitet es; er vollzieht in der Person Christi das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar“ (LG, ebd.). Heute empfängst auch Du, lieber Bruder Andrej Maria, diese heilige Gewalt, die von Gott durch den Heiligen Geist kommt, um möglichst gleichgestaltet mit Jesus Christus zu sein, denn aufgrund der Gnade Gottes und nicht aufgrund Deiner Verdienste wirst Du von nun an das Evangelium verkünden, die Menschen heiligen und auf den Weg zum Himmelreich führen und vor allem die Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie verwalten und in persona Christi capitis handeln. Wie jeder Priester, so wirst auch Du dies tun, als wärest Du Christus, das Haupt des Leibes, der die Kirche ist (vgl. Kol 1,18). „Die Gläubigen hingegen wirken kraft ihres königlichen Priestertums an der eucharistischen Darbringung mit und üben ihr Priestertum aus im Empfang der Sakramente, im Gebet, in der Danksagung, im Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe“ (LG, ebd.). Alle Getauften haben dieselbe Würde als Kinder Gottes. Alle aber sind verschieden in den empfangenen Charismen, den Berufungen und den Diensten. Und alle sind Sünder, die zur Heiligkeit berufen sind. Und so unterstreicht die Kirche „die allgemeine Berufung zur Heiligkeit“ (vgl. LG, 40).

2. „Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir“ (Jes 61,1).

Um die priesterliche Berufung auszuüben, ist der Empfang der Gnade des Heiligen Geistes unverzichtbar. Der Herr Jesus hat auf sich selbst diese inspirierten Worte des Propheten Jesaja bezogen (vgl. Lk 4,21), wie der Evangelist Lukas bestätigt: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe“ (Lk 4,18-19). Der Herr Jesus ist im Verlauf seines öffentlichen Wirkens im Heiligen Land seiner Sendung treu geblieben. Er „zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden“ (Mt 9,35). Lieber Bruder Andrej Maria, Du wirst wie jeder andere Priester gerufen, jenes pastorale Projekt zu erfüllen, das ganz allgemein mit dem Ausdruck der tria munera bezeichnet wird, dem dreifachen Dienst, das heißt zu lehren, zu heiligen und zu leiten. Dies geschieht in Gemeinschaft mit dem je eigenen Bischof oder Oberen. Um diesen wichtigen kirchlichen Dienst für die Gläubigen verrichten zu können, ist die Gnade des Heiligen Geistes unverzichtbar, die Du heute auf besondere Weise empfangen wirst. Schon in den Sakramenten der Taufe und der Firmung hast Du den Heiligen Geist empfangen, doch er wird nunmehr auf Dich herabsteigen, um Dich zu befähigen, den priesterlichen Dienst zu verrichten in Verbundenheit mit dem Herrn Jesus, dem Priester des neuen Bundes schlechthin (vgl. Hebr 8,7-13). Denn der Heilige Geist ist der Geist des Herrn Jesus, der gestorben und auferstanden ist und der verheißen hat, seinen Geist in Fülle zu schenken (vgl. Joh 3,43). Und ferner versichert Jesus: „Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird“ (Joh 14,16-17). Der Heilige Geist wirkt stets in tiefer Einheit mit Jesus Christus und nach dem Heilsplan Gottes. Das bezeugt der Herr Jesus, wenn er sagt: „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten“. Und sodann gibt der Herr an, dass der Geist „nicht aus sich selbst heraus redet, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird“ (Joh 16,13). Jesus Christus beteuert die entscheidende Wahrheit: „Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen“ (Joh 15,26). „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26). Daher wird die Gabe des Heiligen Geistes Dich befähigen, lieber Bruder Andrej Maria, die Gegenwart Jesu Christi und seines Evangeliums zu verkünden, zur Ehre Gottes, des Vaters, denn „er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4).

3. „Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,38).

Diese Aufforderung des Herrn Jesus erfolgt, nachdem er Mitleid mit den Menschen seines Volkes empfunden hatte, „denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36). Nach der Feststellung: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“ (Mt 9,37), folgt die Ermahnung zum Gebet, das allein imstande ist, nach Gottes Vorsehung eine ausreichende Zahl von Priestern zu erhalten: „Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,38). Lieber Bruder Andrej Maria, auch Deine priesterliche Berufung ist die Frucht des Gebetes der kirchlichen Gemeinschaft auf verschiedenen Ebenen, angefangen in Deiner Familie, die ich an dieser Stelle herzlich grüße und ihr dafür danke, dass sie ihren Sohn großherzig für den Dienst der Kirche schenken. Ich denke in besonderer Weise an Deine verstorbene Großmutter. Sodann sei die Ebene der Pfarrgemeinde genannt, mit denen Du verbunden bist; und nicht zuletzt in der Kongregation der Brüder vom Gemeinsamen Leben, in deren Noviziat Du im Jahr 2015 eingetreten bist, nachdem Du neun Jahre als Handwerker tätig warst. Von nun an wird das Gebet Deine Kraft sein, die Kraft des Priestertums. Das meint vor allem die tägliche Feier der Heiligen Messe und das Stundengebet. Das Gebet wird Dir ein sicherer Schutz in den Versuchungen und Schwierigkeiten des priesterlichen Lebens sein. Sie gibt es bei jeder menschlichen Berufung, also auch in der Berufung zum Priestertum. Leider sind einige Priester gefallen und haben Verbrechen des Missbrauchs verübt, wofür nötig ist, aufs Neue vor allem die Opfer um Vergebung zu bitten. Gestattet sei auch der Hinweis, dass die Mehrheit der Priester auch in Deutschland danach suchen, ihr Priestertum nach dem Herzen Jesu zu leben, indem sie großherzig und hingebungsvoll ihren Dienst zum Lob Gottes und für die Menschen tun, vor allem an den Leidenden und Hilfsbedürftigen. Und so möchte ich bei dieser Gelegenheit im Namen des Heiligen Vaters Franziskus, den ich die Ehre habe in der Bundesrepublik Deutschland zu vertreten, jenen Priestern von Herzen danken und sie ermutigen, den wertvollen und unersetzbaren pastoralen Dienst auch weiterhin zu leisten. Denn nur der Priester allein kann in Persona Christi die Eucharistie feiern und die Sünden im Bußsakrament vergeben. Dabei muss im Bewusstsein bleiben, was der heilige Paulus schreibt, dass „wir diesen Schatz in zerbrechlichen Gefäßen tragen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (2 Kor 4,7). Damit dieser Schatz nicht zerstört wird, stellt uns der dreieine Gott angemessene Mittel zur Verfügung: neben dem Gebet ist nötig, ein tiefes geistliches Leben zu pflegen, das geistlich begleitet wird, regelmäßig zu beichten, ein einfaches Leben zu führen und sich in mancherlei Hinsicht in Askese zu üben. Förderlich ist auch, freundschaftliche Beziehungen mit anderen Priestern zu pflegen, vor allem mit älteren Mitbrüdern. Vor allem ist wichtig, die kindliche Verehrung der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria zu pflegen, der Mutter der Priester. Ihrer mütterlichen Fürsprache vertrauen wir das priesterliche Leben von Bruder Andrej Maria und allen Priestern in Deutschland, Europa und der Welt an.

Amen.

 

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